
Wien. Seit Juni leistet Rekrut Ciger seinen Präsenzdienst beim Gardebataillon in der Wiener Maria-Theresien-Kaserne ab. Die Wurzeln des 20-Jährigen liegen in Zentralanatolien, er ist streng gläubiger Muslim. Im Alltag war deshalb immer wieder mit Anfeindungen konfrontiert, erzählt er der "Wiener Zeitung". Umso überraschter war Ciger, dass Herkunft und Religion beim Bundesheer nie negativ kommentiert wurden - weder von Vorgesetzten, noch von anderen Grundwehrdienern.
"Anders als draußen, wird sogar darauf Rücksicht genommen", berichtet er. Es war für ihn während des Ramadans ohne Probleme möglich, die fünf Gebetszeiten einzuhalten. Gefastet hat er nicht. Aber das sei kein Problem: "Sobald du beim Heer bist, brauchst du nicht fasten." Ciger holt das Fasten nach, wenn er frei hat, an Wochenenden, sowie nach dem Grundwehrdienst.
Etwa 1200 Muslime verrichten jährlich ihren Präsenzdienst beim österreichischen Bundesheer. Auch bei der Angelobung der Garde Ende August auf der Kaiserwiese vor dem Wiener Riesenrad schworen Angehörige der islamischen Glaubensgemeinschaft ihren Fahneneid. Über die bevorstehende Wehrdienst-Volksbefragung dürfen sie sich zurzeit nicht äußern, doch wissen sie über den Grundwehrdienst viel Positives zu berichten. Ciger etwa ist in diesem Augenblick besonders stolz. Er wollte es seinem Vater beweisen, dass er es schafft. Im Gegensatz zum Sohn wurde der Vater damals in der Türkei für untauglich erklärt.

Muslime haben beim österreichischen Bundesheer schon lange Tradition. Nachdem Bosnien-Herzegowina im Jahr 1908 annektiert wurde, zählten die Bosniaken-Regimenter zu den Elitetruppen der k. u. k. Armee und stellten auch einen Teil der kaiserlichen Leibgarde. In der Maria-Theresien-Kaserne gibt es eine Kasernenmoschee und die Kantine bietet Essen ohne Schweinefleisch an.
Strenggläubige Personen aller Religionen müssen sich vor dem Eintritt in die Armee deklarieren und eine Bestätigung ihrer Glaubensgemeinschaft vorlegen. Danach werde auf die jeweiligen Besonderheiten Rücksicht genommen, erklärt Major Peter Kanitsch. Er erzählt von einem Grundwehrdiener, der streng gläubiger Sikh war. Dieser durfte seinen Bart und seinen Turban tragen. Es war kein Problem für die anderen Grundwehrdiener. "Wir respektieren jeglichen Hintergrund, sei er religiöser oder anderer Natur", unterstreicht der Major. Die meisten Strenggläubigen werden außerhalb der Gruppenkörper zusammengefasst und rücken in Zwölfaxing ein.
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