• vom 07.09.2012, 16:13 Uhr

Gesellschaft

Update: 14.09.2012, 11:48 Uhr
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In den letzten 20 Jahren hat sich eine umfangreiche, aber teure koschere Infrastruktur entwickelt

Trotz hoher Preise steigt Nachfrage


Von Alexia Weiss

  • 800 jüdische Familien halten sich in Wien an die jüdischen Speisegesetze.

Nicht nur zu Pessach, sondern im ganzen Jahr ernähren sich immer mehr Juden koscher. - © © Corbis

Nicht nur zu Pessach, sondern im ganzen Jahr ernähren sich immer mehr Juden koscher. © © Corbis

Wien. Rund um den Karmelitermarkt kommt man an mehreren koscheren Bäckereien, Fleischereien, Geschäften und Restaurants vorbei. In der Taborstraße hat im April ein großer koscherer Supermarkt eröffnet, der auch Haushaltswaren aus dem Billigpreissegment anbietet. "Ich kann mich noch gut erinnern, in meiner Kindheit gab es ein koscheres Lebensmittelgeschäft mit hohen Preisen", erzählt der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) Wien, Oskar Deutsch. "Viele Leute haben damals auch woanders gekauft, nur zu Pessach kaufte man koscher, da war dann aber alles doppelt so teuer."

Rund 800 Familien in Wien halten sich an die jüdischen Speisegesetze, viele davon sind kinderreich, berichtet das Kaschrus Komitee Wien, das jedes Jahr die "Koscherliste" herausbringt, die alle koscheren Produkte enthält, die in herkömmlichen Geschäften zu kaufen sind. Manche tun sich schwer, die immer noch teuren Produkte zu bezahlen. 300 Familien werden finanziell unterstützt, schätzt Deutsch, etwa vom Verein Ohel Rahel, der Gutscheine für Lebensmittel ausgibt, die zum Beispiel über Rabbiner verteilt werden. So können die Betroffenen ihr Gesicht wahren. Und die Rabbiner wissen am besten, bei wem der Schuh drückt.

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Gleichzeitig auch "bio"



Was macht die koschere Produktion teurer? Es wird von Hand geschlachtet, jedes Tier zuvor genau untersucht, betont Gemeinderabbiner Schlomo Hofmeister. Es braucht die Aufsicht eines Maschgiach, eines rituellen Aufsehers, in Restaurants, Fleischereien, Bäckereien. Immer mehr Anbieter koscherer Lebensmittel produzieren zudem Bio, setzen auf natürliche Zutaten hoher Qualität, wie das Weingut Hafner, das seit 30 Jahren Wein erzeugt. Aber auch der junge Konditor und Chocolatier Schneor Zivion von "Pains et Chocolat" verzichtet auf künstliche Aromen. "Bei mir ist alles zu hundert Prozent natürlich."

Koscher zu essen bedeutet nicht nur, wie landläufig bekannt, Milchiges von Fleischigem zu trennen. Der Verzehr bestimmter Tiere wie Schwein oder Meeresfrüchte ist gänzlich verboten, die Produktion muss zudem unter ritueller Aufsicht erfolgen.

Für das Schlachten von Tieren gibt es ebenso spezielle Vorschriften wie für die Milchproduktion. Bei letzterer wird darauf geachtet, dass die Kuh vor dem Melken von außen gesund aussieht und beim Melkvorgang keine Milch von anderen Tieren oder andere nicht koschere Zusatzstoffe beigemischt werden, berichtet der Gemeinderabbiner.

Das wachsende Angebot geht mit einem steigenden Bedarf an koscheren Produkten einher. Einerseits leben in Wien immer mehr Bucharen - Zuwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion, die seit den 1970er Jahren nach Wien kommen - und die meisten leben traditionell und halten einen koscheren Haushalt. Andererseits gehen heute bereits drei Viertel der jüdischen Kinder in jüdische Schulen. Diese bieten nicht nur koschere Versorgung, sondern stärken auch die jüdische Identität der jüngeren Generationen.

In vielen Familien, in denen die Eltern nur zu Pessach koscher hielten, legen die Kinder heute wieder Wert auf die Einhaltung der Kaschrut, der jüdischen Speisegesetze.




Schlagwörter

Juden, koscher, Deutsch

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-09-07 16:21:12
Letzte Änderung am 2012-09-14 11:48:42


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