• vom 19.09.2012, 16:34 Uhr

Gesellschaft

Update: 19.09.2012, 21:00 Uhr
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Wohnsituation vieler Anrainer ist nach wie vor prekär, zusätzlich werden sie durch Lärm belastet

Die weniger hippe Yppenplatzszene


Von Elisabeth Minkow

  • Das Musterbeispiel für gelungene Integration hat auch Schattenseiten.

Wien. Der Yppenplatz wird mehr und mehr zum Synonym für Weltoffenheit und gelungene Integration. Dieses Flair zieht vor allem junge Kreative an. Was viele nicht wissen: Die Wohnsituation vieler ursprünglicher Anrainer rund um den Yppenplatz ist nach wie vor prekär und zusätzlich durch Lärmbelästigung durch das junge Partyvolk belastet.

Die Idylle trügt: Sprachbarrieren und Lärm belasten die Grätzl-Bewohner.

Die Idylle trügt: Sprachbarrieren und Lärm belasten die Grätzl-Bewohner.Eyup Kus Die Idylle trügt: Sprachbarrieren und Lärm belasten die Grätzl-Bewohner.Eyup Kus

Das hellblaue Eisentor erinnert eher an eine Garageneinfahrt als an ein Wohnhaus. Eine türkische Aufschrift prangert auf Augenhöhe, umsäumt von vielen weiteren Warnschildern, die alle darauf verweisen, dass die Einfahrt verboten ist. Durch den dunklen Hausgang gelangt man in einen Innenhof und dann zu einem weiteren Haus im Hinterhof. Lautes und ausgelassenes Kindergeschrei hallt durch das Haus.

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"Als ich damals hier ankam, hatte ich keine Ahnung, was mich erwartet", sagt die 26-jährige New-Yorkerin Hellen, die für ein zweimonatiges Praktikum nach Wien und auf den Yppenplatz gezogen ist. Ihre hofseitig gelegenen Fenster machen sie zur Zeugin des täglichen Lebens von Migranten, die nicht zur hippen Yppenplatz-Szene gehören.

Schon an ihrem ersten Abend wurde es spannend, als ein junger Mann aus dem gegenüberliegenden Haus von seinem Fenster aus lauthals nach der Polizei rief. Als diese dann vor Ort war, klärte sie die Situation auf. Einige Wochen später verfolgte Hellen einen Streits zwischen drei Männern, deren Sprache sie nicht verstehen konnte. Auch diese Situation musste von der Polizei aufgelöst werden.

Während am Abend besonders junge Männer immer wieder für Aufsehen sorgen, sind es tagsüber die Kinder. "In New York hält sich ein konstanter Geräuschpegel, an den man sich gewöhnt. Hier hört man dafür jeden Einzelnen rumschreien, und das stört viel mehr."

Dort, wo die Mülltonnen stehen, haben sich einige Kinder ihren eigenen Spielplatz geschaffen. Durch die Risse im asphaltierten Innenhof sprießt bereits das Unkraut. Vorbei an den Mülltonnen und ausrangierten Möbeln jagen ein etwa Dreijähriger und zwei Schulkinder einen Hundewelpen quer durch den kleinen Innenhof. Sperrmüll, Fahrräder und rostige Nägel, die bedrohlich aus maroden Holzlatten emporragen, bilden die Hindernisse werden von den Kindern in ihr Jagdspiel eingebaut. Ihre Stimmung ist euphorisch, sie scheinen alles um sich herum zu vergessen. Als eine junge Frau ihr Fahrrad abstellt, wirft sie den Kindern mitleidige Blicke zu. "Ich verstehe nicht, wieso die älteren Geschwister nicht in einen Park mit ihnen gehen oder auf einen Spielplatz", sagt die blonde Mittzwanzigerin.




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Yppenplatz

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-09-19 16:42:10
Letzte Änderung am 2012-09-19 21:00:13


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