• vom 30.10.2012, 18:01 Uhr

Gesellschaft

Update: 05.11.2012, 11:47 Uhr
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Der Viktor-Adler-Markt hat ein dynamisches Umfeld, das einigen Alteingesessenen aber nicht gefällt

"Hier gibt es nur noch Kebab"


Von Stefan Beig

  • Hinter der harmonischen Fassade am Viktor-Adler-Markt gibt es Spannungen.

Einen Nachfolger für einen Stand zu finden, ist für viele sehr schwer. - Eyup Kus

Einen Nachfolger für einen Stand zu finden, ist für viele sehr schwer. Eyup Kus

Wien. In Wien ist er fast schon eine Institution: Seit mehr als 140 Jahren bieten Händler am Viktor-Adler-Markt in Wien-Favoriten ihre Waren an. Viele schöne Kindheitserinnerungen mit ihm verbindet Monika Bratic, ehemalige Online-Chefin des Magazins "Biber". Sie ist mit fünf Jahren von einem serbischen Dorf nach Wien gekommen. "In Serbien war es ganz normal, Obst und Gemüse auf dem Markt zu kaufen."

So fühlte sie sich speziell am Viktor-Adler-Markt gleich heimisch, und das nicht nur, weil viele ihrer Verwandten dort wohnten. Bis heute schätzt sie besonders den Bauernmarkt in der Leibnizstraße, der gleich an den Viktor-Adler-Markt grenzt. Von März bis Oktober werden hier Tomaten, Weintrauben und anderes Obst zu extrem günstigen Preisen angeboten und offen ausgerufen. "Das ist ein schreiender Markt", sagt Bratic. "Von allen Märkten Wiens ist mir der Viktor-Adler-Markt am liebsten. Das liegt an der Atmosphäre - dass man sich austauscht, interagiert, was im Supermarkt nie passieren würde. So war es auch in meinem Heimatdorf."

Der Bauernmarkt ist beliebt. Sogar aus anderen Gegenden kommen Wiener zum Einkaufen. "Der Bauernmarkt ist vom Viktor-Adler-Markt nicht zu trennen", meint Ercan Yalcinkaya von der Mobilen Jugendarbeit. Zu den besonderen Angeboten am Viktor-Adler-Markt gehören für ihn die günstigen Textilien aus Indien und Pakistan oder etwa das sehr beliebte türkische Restaurant "Adler". Es gibt auch alteingesessene Standbesitzer, allen voran die Familie Andrä, die hier seit 1871 Obst anbietet und damit den ältesten Gemüsestand Wiens hat. Doch die Kinder werden die Familientradition nicht mehr fortsetzen. "Es ist wahnsinnig schwer, Nachfolger zu finden", erzählt Yalcinkaya. "Das ist harte Knochenarbeit. Wenn einer einen Laden übernimmt, dann ist er meistens ein Zuwanderer, der sich selbständig machen will."

Ohne Zuwanderer würde die Gegend aussterben. In der Quellenstraße in unmittelbarer Nähe befinden sich 204 Geschäfte, die zur Hälfte in den letzten zehn Jahren eröffnet haben. 42 Prozent der Besitzer haben türkischen Migrationshintergrund, ergab eine Geschäftsstudie. Auch viele Friseure sind darunter. "Es gibt eine große Fluktuation", erzählt Elke Eckerstorfer, Leiterin der Gebietsbetreuung in Favoriten. "Eigentlich dominiert hier die ex-jugoslawische Community, aber die türkische fällt stärker auf."

Seit mehr als 140 Jahren bieten Händler ihre Waren an.

Seit mehr als 140 Jahren bieten Händler ihre Waren an. Seit mehr als 140 Jahren bieten Händler ihre Waren an.




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-10-30 18:08:09
Letzte Änderung am 2012-11-05 11:47:10


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