• vom 12.10.2011, 15:39 Uhr

Buch des Monats

Update: 14.03.2012, 18:19 Uhr
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Oktober 2011

Vom Paradies zum Krisenkontinent


Von Christa Hager

Die zwei Gesichter Afrikas: Paradies und Kontinent der Hungersnöte. - Montage: Bilderbox / Wodicka

Die zwei Gesichter Afrikas: Paradies und Kontinent der Hungersnöte. Montage: Bilderbox / Wodicka

Venedig, 1955: Österreich gewinnt die Silberne Schale – den Anerkennungspreis des Viennale Filmfestivals. Grund genug für die junge Republik über "Omaru – eine afrikanische Liebesgeschichte" zu jubeln; über einen Kinofilm, der vermutlich bis heute der einzige Spielfilm zu Afrika aus österreichischer Produktion ist.

Information

Walter Sauer (Hg.)
Vom Paradies zum Krisenkontinent. Afrika, Österreich und Europa in der Neuzeit. Austriaca, Band 1. Kart., 220 Seiten (Braumüller Verlag, 2010)
ISBN: 978-3-7003-1762-3

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Im Zentrum des Films stehen der junge Omaru in Kamerun, sowie dessen Heimweh und Liebe zu zwei Frauen. Wie die beiden Kulturhistorikerinnen Vida Bakondy und Renée Winter betonen, trotzt der Film von Stereotypen wie Krankheit, Primitivität oder Infantilität. Was nicht weiter verwundert, sind die Biografien des Filmteams – vor allem des Regisseurs Albert Quendler und des Team-Beraters, der Großwildjäger Ernst A. Zwilling, eng mit nationalsozialistischer und kolonialer Vergangenheit verwoben.

Dass sich in Österreich seit damals an der Darstellung und Wahrnehmung Afrikas und seiner Menschen nicht viel verändert hat, ist einer der Grundtenöre des aktuellen Sammelbandes "Vom Paradies zum Krisenkontinent". Das Bild vom Paradies, das typisch war für die Darstellungen Afrikas im Mittelalter, ist fast vollständig negativen Bildern gewichen. Ist von Afrika die Rede, hört oder liest man meist von Kriegen, Krankheiten und Katastrophen; Afrika ist als Kontinent der vielen "Ks" verschrien.

Die Beharrlichkeit dieser Bilder steht dabei im Mittelpunkt der Beiträge der elf AutorInnen. In zehn Beiträgen zeigen sie, wie diese Vorurteile entstanden und entstehen und in welcher Weise diese mit der Politik gegenüber Afrika und gegenüber AfrikanerInnen in Beziehung stehen. Die Beiträge spannen einen weiten Bogen - sie reichen von Sklaverei, Imperialismus, Kunst und Populärkultur über die Beziehungsgeschichte der EU zu Afrika und afrikanische Selbstwahrnehmung bis hin zu aktuellen Tendenzen bei Asylpolitik und Fremdenrecht. Vor allem in dieser thematischen Bandbreite liegt die Stärke und Qualität dieses Buches: dass die Wahrnehmung der "Eigenen und Anderen" neben einer kulturtheoretischen auch einer fundiert politischen und ökonomischen Analyse unterzogen wird.




Schlagwörter

Buch des Monats, Sachbuch, Afrika

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-03-12 15:40:07
Letzte Änderung am 2012-03-14 18:19:28


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