• vom 17.06.2012, 10:36 Uhr

Buch des Monats

Update: 08.08.2012, 18:25 Uhr
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Mai 2012

Kontinentalverschiebung


Von Christa Hager

  • Roman über zwei Welten in einer.
  • Russel Banks' Roman über das Schicksal von zwei Menschen und ihren Träumen von Amerika.

Das Meer - für viele ein Vergnügen, für andere der gefährliche Weg in ein fremdes Land. (Im Bild: Perdido Key, Florida) - APAweb / REUTERS/Sean Gardner

Das Meer - für viele ein Vergnügen, für andere der gefährliche Weg in ein fremdes Land. (Im Bild: Perdido Key, Florida) APAweb / REUTERS/Sean Gardner

Märchen enden meistens gut. Russel Banks' Roman "Gegenströmung" zählt nicht dazu, auch wenn auch wenn der Roman so beginnt - im Stile eines Märchen, das von zwei Menschen handelt, die auszogen, um ihrem miserablen Leben zu entfliehen. Dass ihr Versuch scheitert, verrät der US-amerikanische Autor dem Leser gleich zu Beginn auf Seite eins - anders als seinen Protagonisten lässt er dem Leser somit keine Hoffnung.

Information

Russel Banks, Gegenströmung,
Goldmann 1998, 504 Seiten.
Antiquarisch erhältlich.

Bücher des Monats im Channel Integration

"Gegenströmung" ist die Geschichte des Arbeiters Bob Dubois, der samt schwangerer Frau und Kindern nach Florida zieht, um dort sich dort den Traum von Sonne, Strand und Sex zu erfüllen. Denn der 30jährige Mechaniker führt ein Doppelleben: einerseits mimt er den braven Ehemann, der ganz im Sinne seiner Frau ein Familienleben zum Vorzeigen führt. Aber gleichzeitig hasst er dieses Leben und erfreut sich an Seitensprüngen, ist gewalttätig und rücksichtslos.

Parallel dazu erzählt Banks die Geschichte des Flüchtlings Vanise Dorsinville, die im wörtlichen Sinn Leib und Leben riskiert, um aus Haiti zu fliehen um mit zwei Kindern nach Miami zu kommen. Sie ist wie eine Unschuld vom Lande, arm, und muss für ihren amerikanischen Traum teuer bezahlen.

Die mitreißende und lebendige Erzählung über Status, Moral und Rassismus verwebt fast märchenhaft die Geschichten der beiden Protagonisten miteinander, aber ohne dass sie künstlich wirken. Außerdem führt der Autor die Charaktere nicht plakativ und oberflächlich vor, sondern dringt unter deren Gewöhnlichkeit und Unauffälligkeit vor.

Geschrieben vor fast 30 Jahren kreist Russel Banks' Roman thematisch vor allem auch über der Gewalt durch soziale und rassistische Diskriminierung - eine Gewalt, deren Muster bis heute bestehen. Besonders die Art und Weise, wie Migranten bei ihrem Versuch, in ein industrialisiertes Land zu kommen oder dort Fuß zu fassen, behandelt werden, hat sich nicht verändert – mit einem feinen Unterschied, dass sich seit 1985 zu den USA auch die EU gesellt hat, wenn es darum geht, die Grenzen für Einwanderer  aus vergleichsweise armen Ländern besonders dicht halten.




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-06-13 16:39:39
Letzte Änderung am 2012-08-08 18:25:22


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