• vom 08.07.2012, 08:28 Uhr

Buch des Monats

Update: 10.10.2012, 16:30 Uhr
  • Artikel
  • Lesenswert (14)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Juni 2012

Wenn Kultur natürlich wird


Von Christa Hager

  • "Die Integrationslüge" von Eva Maria Bachinger und Martin Schenk.

Die Gabel - ein alltägliches Symbol des kulturellen Wandels. - APAweb /  EPA/JEAN-CHRISTOPHE BOTT

Die Gabel - ein alltägliches Symbol des kulturellen Wandels. APAweb / EPA/JEAN-CHRISTOPHE BOTT

Wer nur von Integration etwas versteht, versteht auch von Integration nichts. In abgeänderter Form passt Hanns Eislers Aussage über das Musikverständnis bestens zur aktuellen Auseinandersetzung über "Integration". Denn diese wird im öffentlichen wie im politischen Diskurs vor allem als Frage der Kultur und Religion behandelt, soziale Aspekte bleiben dabei meistens außer Acht.

Information

Eva Maria Bachinger/Martin Schenk: Die Integrationslüge. Antworten in einer hysterisch geführten Auseinandersetzung. Deuticke Verlag, 2012. 18,40 Euro

Bücher des Monats im Channel Integration

Interview mit den Autoren: Die Fallen der Integrationsdebatte

"Alles ist Kultur", betonen auch Eva Maria Bachinger und Martin Schenk in ihrem aktuellen Buch "Die Integrationslüge. Antworten in einer hysterisch geführten Auseinandersetzung" und kritisieren damit den Wandel in der Ursachenforschung von gesellschaftlichen Ungleichgewichten: aus Ungleichheit wurde Differenz und aus Gesellschaft Kultur gemacht.

Doch Kultur ist nicht statisch, sondern sie ändert sich ständig. Das Beispiel der Gabel zeigt das eindrucksvoll. Als sie im 13. Jahrhundert in Venedig auftauchte, versetzte sie den Bischofskardinal in Rage: Gott hätte den Menschen mit Fingern ausgestattet, es bedürfe daher dafür keiner weiteren Hilfsmitteln, um zu essen. Im Westen hatte die Gabel daher lange Zeit einen schweren Stand, im Osten war sie allerdings bereits seit dem 4. Jahrhundert am Hof von Byzanz in Gebrauch.

Soziale Diskriminierung

Warum wird Kultur und auch Religion in den Debatten rund um "Integration" so viel Aufmerksamkeit geschenkt? Indem der Begriff "Integration" dermaßen damit in Verbindung gebracht wird, verdrängt man den Diskurs über Menschen- und Bürgerrechte, betonten Bachinger und Schenk. Hinzu kommt, dass man durch ein Zuviel an Kultur und Religion die Menschen in ihrer Freiheit, sich gegen dieses zu stellen, einschränkt.

Der Rückgriff auf Kultur solle gesellschaftliche Probleme als etwas Natürliches erscheinen lassen; die Arbeits- und Lebensbedingungen der Menschen, die politischen und strukturellen Zusammenhänge des gesellschaftlichen Zusammenlebens bleiben ungenannt. Soziale Diskriminierung kann auf diese Weise von Politik und Medien elegant ausgeblendet werden – damit, so könnte man hinzufügen, das soziale Dachgeschoss dort bleiben kann, wo es ist.

Probleme bestehen

Allerdings darf man Probleme des gesellschaftlichen Zusammenlebens nicht schönreden: Diskussionen über Zwangsverheiratung, Genitalverstümmelung, so genannte Ehrenmorde müssen genau so diskutiert werden wie zum Beispiel, Männergewalt in der Familie, fehlende Ausbildungschancen oder rechtliche Schikanen, betonten die AutorInnen gleich zu Beginn des Buches.




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-07-06 15:29:12
Letzte Änderung am 2012-10-10 16:30:32


Beliebte Inhalte



Aus dem Iran und Afghanistan nach Oberösterreich: Hesam (l.) und Mahmud wollen in Österreich bleiben, vorerst sind sie zum Nichtstun verdammt. Schmidt
  • 20.000 Asylweber sind in Österreich in Grundversorgung - die "Wiener Zeitung" hat drei von ihnen besucht.
  • weiter

Bei der Vorspeise noch Fremde , beim Dessert vielleicht schon Freunde. - privat.
  • Wie Political Correctness jede Debatte im Keim erstickt.
  • weiter

Ein Recht auf eigenen Religionsunterricht haben die Aleviten mit der Anerkennung. - dpa
  • Das Präfix "islamisch" spaltet die 80.000 in Österreich lebenden Aleviten.
  • weiter

  • Caritas und Amnesty International legen Fünf-Punkte-Plan für Asyl vor.
  • weiter

Veganes Urgestein Chen Huang versorgt Wiens Veganer mit dem Nötigsten. - Mazak
  • Wien ist Stadt mit höchster Dichte an veganen und vegetarischen Restaurants.
  • weiter

Veganes Urgestein Chen Huang versorgt Wiens Veganer mit dem Nötigsten. - Mazak
  • Wien ist Stadt mit höchster Dichte an veganen und vegetarischen Restaurants.
  • weiter

Oft werden Kinder in den falschen Muttersprachen-Unterricht geschickt. - Jenis
  • Linguistin Brizic wertet derzeit Daten aus großem Sprachprojekt aus.
  • weiter

Kulturelle Orientierungshilfe will man jungen Afghanen jedes Wochenende bieten. - CulTrain
  • Cultrain zeigt jungen Afghanen, wie Österreichs soziales Gefüge funktioniert.
  • weiter

Silvio Molin Pradel prüft jeden Tag, welche Früchte für sein Gelato verwendet werden. - Bogdan Floricica
  • Fast die Hälfte aller Wiener Eisgeschäfte sind in italienischer Hand.
  • weiter

So sehen Botschafter eines neuen Österreichs aus: Gedenkdienst-Obmann Adalbert Wagner. - Weiss
  • Junge Erwachsene volontieren an Orten mit Holocaust-Überlebenden.
  • weiter




Werbung



Buch des Monats

Ihr wunderbarer Friseursalon

friseursalon - © Wiener Zeitung / Christa Hager Dass Weißheit nicht im Kopf, sondern auf dem Kopf beginnt, diese Erfahrung ist das Erfolgsgeheimnis des Friseursalons von Frau Khumalo... weiter




Februar 2013

Der Friedhof vor Europas Toren

CAP ANAMUR - APA / EPA/FRANCO LANNINO Wenn Bücher über menschenrechtliche Missstände nach zehn Jahren nach wie vor aktuell sind, dann wirft das kein gutes Licht auf die Wirklichkeit... weiter



"Um die imposanten Locations wie Berge, Flüsse und Wälder in Szene setzen zu können und ihnen genügend Raum zur Entfaltung zu geben, haben wir im Format 2.35:1 gedreht, einem in Österreich eher selten verwendeten Seitenverhältnis", betont Kameramann und Bildgestalter Satoshi.

Syrische Flüchtlinge im Libanon. 19. April 2013: "Wo wart ihr so lange?" fragen die Flüchtlinge. Seitdem sie vor zwei Monaten in das Servitenkloster gezogen sind, sind sie aus dem Blickfeld der Medien verschwunden.

Mit einer für österreichische Verhältnisse ungewöhnlichen Protestaktion machten vergangene Woche Flüchtlinge aus Somalia auf ihre Situation aufmerksam.

Jüdisch leben

Konfliktbereinigung

Weiss - Paul Divjak Der Streit am Schrebergartenzaun steht innerhalb der Wiener jüdischen Gemeinde nicht wirklich auf der Tagesordnung... weiter




Schwere Unwetterschäden nach einem Murenabgang im Ortskern von Hallstatt aufgenommen am Mittwoch, 19. Juni 2013. Nach einem heftigen Unwetter ist der Mühlbach über die Ufer getreten wobei eine Mure den Ortskern von Hallstatt im oberösterreichischen Salzkammergut beschädigt hat.

Ein Fahrrad an einer Kreuzung mitten im 9. Bezirk war der etwas ungewöhnliche Rastplatz für ein Bienenvolk. Guten Tag, Lubango! Der Giraffen-Junge kam am Samstag, 15. Juni, zur Welt.

19.6.2013: Ein Turopolje-Schwein schwimmt in einem Teich im Tierpark in Schleswig-Holstein. Die robusten Schweine stammen ursprünglich aus den Flussniederungen der Save in Kroatien. Die Turopolje sind ausgezeichnete Schwimmer, die sich bei Überschwemmungen die Nahrung auch unter Wasser suchen und sogar nach Muscheln tauchen. Kunstraub der anderen Art: Von einer Hauswand  in London ausgemeißelt wurde im Februar das Banksy-Graffitikwerk "Slave Labour". Kurz darauf tauchte es bei einem Auktions-Haus in Miami in Florida wieder auf. Am 2. Juni wiederum wurde es trotz Proteste um 1,1 Millionen Dollar in London versteigert. Das Kulturbild der Woche geht nun für zwei Wochen auf Urlaub und ist am 24.Juni wieder zurück.

Werbung