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  • Artikel vom 11.11.2011, 16:59 Uhr

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Update: 11.11.2011, 17:33 Uhr
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Analphabetismus und fehlende Lernerfahrung plagen junge afghanische Flüchtlinge

Was ist ein Sesselkreis?


Von Yordanka Weiss
  • Afghanen haben in ihrer Heimat ein völlig anderes Schulsystem erlebt.

Die meisten Afghanen kennen aus ihrer Heimat nur Frontalunterricht. - © EPA

Die meisten Afghanen kennen aus ihrer Heimat nur Frontalunterricht. © EPA

Wien. Die Eltern sind Analphabeten, die eigene Schulzeit beträgt, sofern vorhanden, maximal sechs Jahre. In dieser Ausgangssituation befinden sich die meisten jungen Flüchtlinge aus Afghanistan. In Österreich müssen sie schnell lernen, Alphabetisierungskurse besuchen, mit einem total anderen Bildungssystem zurechtkommen. Viele erzählen, dass eine allgemeine Schulpflicht in Afghanistan nur auf dem Papier besteht. In den Schulen fehlte es an Lehrkräften, teils auch an Lernmaterial.

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Der Einmarsch der Sowjetunion, der langjährige Bürgerkrieg und die Herrschaft der radikalislamischen Taliban hatten verheerende Folgen und sind Hauptgrund für den Bildungsnotstand des Landes. Mehr als 70 Prozent der Schulen wurden zerstört und müssen renoviert werden. Die Unesco schätzt die Analphabetenrate bei Männern auf 50,8 Prozent, bei Frauen auf 80,6 Prozent. Lange war Frauen der Zugang zu Bildung verboten. Jetzt ist das anders: Ein Drittel aller Mädchen geht zur Schule. Eine gleichmäßige Verteilung der Schulen auf Stadt und Land gibt es nicht.

"Die Analphabetenrate in ländlichen Gebieten ist wesentlich höher als in großen Städten", erzählt Amid Aris. "Die beste Ausbildung bekommt man in der Hauptstadt Kabul. Dort ist die Regierung, es gibt mehr Kontrolle." Der 21-Jährige wurde in einer Vorstadt von Lagman geboren. "Ich habe sechs Jahre regelmäßig eine Moscheeschule besucht, sechs Tage die Woche, von Samstag bis Donnerstag. Der Freitag war frei." Dort hat er Rechnen, Lesen und Schreiben in Paschtu, einer der beiden Amtssprachen Afghanistans, gelernt. Auch Informationen über seine Religion und über den Koran hat er bekommen. "In der Schule waren nur Burschen, die Mädchen durften nicht kommen. In Österreich ist alles anders", sagt er. Aris lebt seit eineinhalb Jahren in Wien. Zurzeit lernt er für den Hauptschulabschluss.

"Die Afghanen sind teils überrascht, dass es neben Frontalunterricht auch andere Lehrmethoden gibt. Jedes Jahr gibt es verständnisloses Kopfschütteln, wenn wir mit einem Sesselkreis beginnen", sagt die Sozialpädagogin Doris Anzengruber. Sie betreut das Hauptschulabschlussprojekt des Unterstützungskomitees zur Integration von MigrantInnen. Ihr Kollege, Michael Emminger, der Englisch und EDV unterrichtet, ergänzt: "Es fehlt die Erfahrung wie man sich Wissen aneignet. Manche Jugendliche haben nicht richtig gelernt zu lernen. Sie trauen sich nicht aktiv im Unterreich teilzunehmen und fürchten, etwas falsch zu machen."




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2012
Dokument erstellt am 2011-11-11 17:05:08
Letzte Änderung am 2011-11-11 17:33:28


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Siehe auch: http://bit.ly/JrMvnU

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