
Wien. Sklaven gibt es auch heute, mitten in Europa. Die senegalesische Frauenaktivistin Madjiguène Cissé ist vielen begegnet, etwa in Frankreich. "Sie wurden in Paris von Familien als Dienstmädchen wie Sklaven behandelt. Sie mussten von sechs Uhr morgens bis zwei Uhr nachts arbeiten, manchmal ohne Lohn." Großteils haben afrikanische Diplomaten junge Frauen, die kaum Perspektiven in ihren Herkunftsländern hatten, von ihren Familien nach Europa mitgenommen und dann ausgenützt. "Ich kenne eine Frau, die vier Jahre bei der Botschaft von Mali gearbeitet hat, ohne etwas zu verdienen. Einmal wurde ein Mädchen gefesselt, damit es nicht flüchtet", berichtet Cissé, die viele Schicksale über ihre Arbeit bei "Sans-Papiers" in Frankreich kennt - einer Bewegung, die für die Rechte illegaler Migranten kämpft.
Madjiguène Cissé war dieser Tage eingeladen bei der Konferenz "Bridging the Gap" im Albert-Schweitzer-Haus in Wien. Wie die EU heute mit der Herausforderung globaler Migrationsbewegungen umgehen soll, war ein zentrales Thema. Es bräuchte dafür eine einheitlichere Immigrations- und Entwicklungshilfepolitik, war der Tenor der Konferenz.
Flucht ist ungebrochen
Fakt ist: Viele junge Menschen fliehen nach wie vor aus Afrika. Der Flüchtlingsstrom nach Europa reißt nicht ab. "Der Staat bietet ihnen keine Perspektiven", meint Cissé. Mignane Diouf, der in Dakar Professor für Menschenrechte ist, bestätigt: "Viele junge Menschen sind sogar zwei, drei weitere Male nach Europa geflohen, nachdem sie wieder zurückgebracht worden sind."
Es gibt die offizielle Route nach Europa über ein Visum. Doch die bedeute eine erniedrigende Behandlung. "Um fünf Uhr Früh muss man bei der Botschaft sein, wo einem mittlerweile systematisch ein Visum verweigert wird. Hier gibt es keine Möglichkeit", berichtet Diouf. Daher bleiben die anderen "inoffiziellen" Flüchtlingswege. "Es gibt sehr viele Tote, so viele, dass es keine Zahlen gibt. Es liegen zahlreiche Berichte über Unglücke in der Wüste und auf dem Meer vor." Doch das hält die Flüchtlinge nicht ab: "Die Jugendlichen wollen Arbeit, sich selbst verwirklichen, ihren Eltern helfen."
Schuld an der Tragödie seien sowohl afrikanische Staaten als auch die EU, meint Diouf. "Die EU pflegt einen zwiespältigen Diskurs. Sie erklärt, wir leben in einem weltweiten Dorf, gleichzeitig zieht sie die Grenzen dicht und lässt Leute vom anderen Ende nicht hinein." Die Verweigerung von Visa sei ein Faktum. Hinzu käme der Raub von Ressourcen in Afrika. "Die Kooperation und Entwicklungsarbeit der EU muss mit gleichberechtigten Partnern mit Sinn für einen fairen Handel stattfinden. Es kann nicht sein, dass Rohstoffe zu einem extrem niedrigen Preis in Afrika gekauft werden und dann als teure Produkte aus Europa wieder eingekauft werden."
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Wenn Bücher über menschenrechtliche Missstände nach zehn Jahren nach wie vor aktuell sind, dann wirft das kein gutes Licht auf die Wirklichkeit...
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