Wien.

Entscheidende Auslöser für die Migration nach Amerika im 19. Jahrhundert war die weit verbreitete Armut in weiten Teilen Osteuropas, betont Gerald Lamprecht: "In Österreich-Ungarn galten die Bukowina und vor allem Galizien als die Armenhäuser der Monarchie." Der Ruf des Westens und die Möglichkeit des sozialen Aufstiegs führte zur Massenmigration über den Atlantik. "Die Monarchie war Ende des 19. Jahrhunderts das Land in Europa, das am meisten Menschen verließen. Die Zahl ging in die Millionen", ist sich Lamprecht sicher. Zentraler Anlaufpunkt waren die USA, die als "promised land" in Europa vermarktet wurden.
"Der amerikanische Bürgerkrieg hinterließ enorme Lücken, die man auffüllen wollte. Das Land brauchte ganz massiv Menschen. Man warb auch öffentlich damit: Kommt zu uns, wir brauchen euch", erzählt der Autor. Ulla Kriebernegg ergänzt: "Man ist erst 1890 an der Pazifikküste angelangt. Bis dahin war in den USA genug - wie die Amerikaner sagen - Elbow Room."
Es gab auch konkrete Anwerbungen in Europa. Lamprecht betont, dass viele Menschen an Migration gut verdienten. "Eine der größten Werbemaschinen, die es gegeben hat, waren die Schifffahrtsgesellschaften, die quer über Europa Agenturen aufgebaut und Keiler ausgeschickt haben, um Leuten Tickets zu verkaufen. Oftmals mussten die Migranten dann ins Zwischendeck, wo sie wie Sardinen aufgeschlichtet die Überfahrt antraten." Reichlich Platz gab es auch in Argentinien, das im 19. Jahrhundert die größte Anzahl von jüdischen Einwanderern aufnahm.
Ulla Kriebernegg verweist auf das rege Schlepperwesen, das die Leute mit trügerischen Versprechungen an Deck lockte. Die Menschen waren mit ihrer Situation in Europa so unglücklich, dass es ihnen egal war, wohin die Reise ging. Die Destinationen waren jene, wohin die Schiffe gefahren sind. Sie vergleicht die damalige Situation mit der heutigen von afrikanischen Migranten, denen auch gesagt wird, dass in Europa Milch und Honig fließen.
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