• 23. Mai 2012

  • RSS abonnieren
  • Wiener Zeitung auf Facebook
  • Auf Twitter verfolgen

Sie sind hier:


  • Artikel vom 24.02.2012, 18:09 Uhr

Migration

Update: 24.02.2012, 19:00 Uhr
  • Artikel
  • Lesenswert (7)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Bis an die Grenzen

"Nicht bewusst, dass der Mensch so grausam sein kann"


Von Klaus Huhold
  • Solange Armut herrscht, geht die Auswanderung nach Europa weiter, sagt der afrikanische Autor Yene im Interview.

Bandagierte Hände eines Migranten in Melilla.

Bandagierte Hände eines Migranten in Melilla.APAweb / EPA / ALBERTO ESTEVEZ Bandagierte Hände eines Migranten in Melilla.APAweb / EPA / ALBERTO ESTEVEZ

Fabien Didier Yene kennt die Härten des Schicksals afrikanischer Auswanderer. Der Kameruner hatte versucht, nach Europa zu gelangen – vergeblich. Immer wieder scheiterte er an den Grenzzäunen von Ceuta und Melilla, den spanischen Exklaven neben Marokko, oder wurde am Mittelmeer abgefangen. Dazwischen durchquerte Yene mehrmals die Wüste, sah Flüchtlinge, deren Fußsohlen in Fetzen zerrissen waren, sah - teilweise tödliche – Misshandlungen durch Polizisten und Grenzwachebeamten der afrikanischen und europäischen Länder.

Werbung

Festgehalten hat Yene seine Erfahrungen in dem 2011 auf Deutsch erschienen Buch "Bis an die Grenzen". Heute ist er in Marokko als Menschenrechtsaktivist tätig – und geändert hat sich an der Situation der Auswanderer wenig, wie er im Interview mit Klaus Huhold sagt. Erst kürzlich protestierte Yene mit einem Brief an die marokkanischen Verantwortlichen für Menschenrechtsfragen, nachdem schwarzafrikanische Auswanderer in Marokko berichtet hatten, dass sie von der Polizei gejagt und misshandelt wurden.

*********
Fabien Didier Yene vor seiner Lesung aus seinem aktuellen Buch im November in Wien.

Fabien Didier Yene vor seiner Lesung aus seinem aktuellen Buch im November in Wien.Wiener Zeitung / Klaus Huhold Fabien Didier Yene vor seiner Lesung aus seinem aktuellen Buch im November in Wien.Wiener Zeitung / Klaus Huhold


"Wiener Zeitung": Sie beschreiben in Ihrem Buch "Bis an die Grenzen" ihre Flucht als Leidensweg. Polizisten in Nigeria folterten Sie, indem sie Sie in enge Kiste steckten, in der sie kaum Luft bekamen, und bei einem tagelangen Marsch durch die Wüste sind Sie beinahe vor Erschöpfung gestorben. Hatten Sie irgendwelche Vorstellungen, was Sie erwartet, als Sie sich auf den Weg machten?

Fabien Didier Yene: Nein. Ich war vollkommen überrascht, welche Realität die Migranten entlang der Strecke Richtung Europa erleben, welchen Strapazen und welchem Leid sie ausgesetzt sind. Ich war mir nicht bewusst, dass der Mensch so grausam sein kann.

In einer Passage meinen Sie, dass Flüchtlinge schlechter als Sklaven, nämlich als Untermenschen behandelt werden. Hat Sie dieser Eindruck auf Ihrer gesamten Reise begleitet?

Ich empfand die Situation eine Zeit lang in Marokko so, als ich mich wirklich degradiert fühlte. Wir haben vor Ceuta und Melilla in den Wäldern gewohnt und mussten in den Mistkübeln nach Essen wühlen. Die Wälder wurden mittlerweile geräumt, aber auch in den marokkanischen Städten ist es sehr schwierig für die Migranten. Viele haben keine Papiere und keine Aufenthaltsgenehmigung und sind gezwungen unter menschenunwürdigen Bedingungen zu arbeiten. Sie sind ihren Arbeitgebern vollkommen ausgeliefert, die jede Form von Lohnraub betreiben können.

Sie arbeiten nun für NGOs in Marokko. Ist es in den vergangenen Jahren schwieriger geworden, von dort aus in die spanischen Exklaven Ceuta und Melilla, zu gelangen?




Schlagwörter

Migration, Fabien Didier Yene

Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2012
Dokument erstellt am 2012-02-24 18:09:58
Letzte Änderung am 2012-02-24 19:00:09


Beliebte Inhalte



"Ein Migrationsstaatssekretariat würde ich begrüßen." - © © Bubu Dujmic
  • Leiter der Abteilung für Sozialpolitik der Wirtschaftskammer, fordert eine Migrationsstrategie für erforderliche Zuwanderung.
  • weiter

Die bisher größte Trauerveranstaltung der Tscherkessen in Istanbul am Sonntag. - © OÄ?uz Demir
  • Seit 1864 leben die Tscherkessen in der Diaspora, ihre Sprache gilt als gefährdet.
  • weiter

"Das Theaterpublikum ist ein Ghettopublikum." - Rania Moslam
  • Hubsi Kramar im Gespräch über Politik, sein Stück, das Publikum und den Hitler "in mir selbst".
  • weiter

Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner findet die Rot-Weiß-Rot-Karte ausbaufähig. - APAweb/Georg Hochmuth
  • Arbeitslosigkeit seit Arbeitsmarktöffnung vor einem Jahr gesunken.
  • weiter

H.-P. Feldmann, "Rote-Nasen-Doppelporträt". - Todd White/Courtesy Simon Lee Gallery, London
  • Die Schau "Fremde überall - Foreigners everywhere. Zeitgenössische Kunst aus der Pomeranz Collection" ist demnächst im Jüdischen Museum Wien zu sehen.
  • weiter



Werbung



Mit Gewinnspiel

Nicht einfach auf Zahlen zählen

20120509statistik - © Michael Nivelet - Fotolia.com Zahlen sind verlässlich. Sie vermitteln ein Gefühl der Sicherheit, der Wahrheit, der Objektivität. Doch sie sind nicht einfach neutral... weiter




Lesebuch und Zeitgeschichte zugleich

Zwischen zwei Welten

20120330traiskirchen - APAweb/HELMUT FOHRINGER "Man hat mich mit elektrischen Kabeln geschlagen, wovon ich heute noch Spuren habe. Mein ganzer Körper war eine einzige Wunde... weiter



Schlagwörter



Veranstaltungstipp

Ute Bock Cup

20120507utebock - utebockcup.at Wien. Der Name ist Programm: "Grenzenlos kicken" hat das Ziel, ein lautstarke Zeichen gegen die Ausgrenzung von Menschen in Not zu setzen... weiter




Porträt Emilie Flöge, 1902
Gustav Klimt
Öl auf Leinwand

Vergessenes wurde wiederentdeckt. Im Naturhistorischen Museum freut man sich über die Belebung des Museums durch die Arbeit des Künstlers Daniel Spoerri. (Im Bild: "Austernschabracken-Pferdeskelett-Spießbock-Kümmerer" von Spoerri.) Blick auf das Werk "Sevilla-Series, No. 1, Tapir" des Künstlers Daniel Spoerri im Rahmen der Ausstellung "ein inkompetenter Dialog?" im Naturhistorischen Museum in Wien. Die Ausstellung ist vom 23. Mai bis 17. September 2012 zu sehen. (21. Mai)
Siehe auch: http://bit.ly/JrMvnU

Ein Demonstrant zeigt der berittenen Polizei das Victory Zeichen.  Hunderte Amerikaner gingen am Wochenende auf die Straße, um gegen den NATO-Gipfel in Chicago zu protestieren. Das amerikanische Model Lydia Hearst posiert für die Kamera.

Werbung