Bremerhaven. Wer in seiner Heimat alles aufgegeben hat, die gefährliche Reise in ein fremdes Land geschafft und Aufnahme gefunden hat, der ist dort noch lange nicht angekommen. Das war früher so, das ist heute so - nach der Auswanderung beginnt die Einwanderung. Das Deutsche Auswandererhaus in Bremerhaven erhält jetzt in Europa eine einmalige Stellung: Mit Millioneninvestitionen wird es zu einem Migrationsmuseum erweitert. Die neuen Ausstellungsräume öffnen am 22. April.
Die Besucher starten ihre Reise in ein neues Leben im Grand Central Terminal, dem luxuriösen New Yorker Hauptbahnhof. "Wir arbeiten stark mit Inszenierungen, um zu zeigen, was es bedeutet, seine Heimat für immer zu verlassen", sagt Direktorin Simone Eick. "Man kann Emotionen nicht ausstellen, nur auslösen."
Richtung Westen
Deswegen tauchen Besucher für ihre Reise in die Biografie eines echten Auswanderers ein, den sie durch alle Stationen begleiten. So stehen sie etwa neben ihm an der Kaje vor der drohend dunkel aufragenden Bordwand eines Ozean-Dampfers. Die Besucher begleiten ihren Auswanderer auch in die enge Kabine und nach Ellis Island in der Bucht von New York, wo sich innerhalb weniger Minuten entscheidet, ob die USA die Einreise erlauben oder nicht.
Viele Nachfahren von deutschen Einwanderern in die USA besuchten das Auswandererhaus bereits auf den Spuren ihrer Familienvergangenheit. Sie reagieren besonders stark auf das Konzept. "Sie stehen mit Tränen in den Augen da, weil sie sehen, mit welchen Strapazen das verbunden und wie emotional das alles war", berichtet die Museumsdirektorin.
Deutschland ist ein Einwanderungsland
Im neuen Teil des Hauses soll es auf 1.900 Quadratmetern Fläche ähnlich weitergehen. Doch gleichzeitig wird das Auswandererhaus politischer, denn Einwanderung nach Deutschland ist in der gesellschaftlichen Debatte immer noch ein umstrittenes Thema.
Dabei sei Deutschland immer auch ein Einwanderungsland gewesen, erklärt die promovierte Historikerin Eick - von den Hugenotten in Brandenburg über polnische Bergarbeiter im Ruhrgebiet bis zur Einwanderung im Wirtschaftsboom der 50er und 60er Jahre. "Wanderung ist der Normalzustand, Sesshaftigkeit die Ausnahme."
Die Besucher bekommen einen Einblick in Fragen der Integration - aus einer für viele überraschenden Perspektive. Lernten deutsche Einwanderer in den USA die neue Sprache? Tauchten sie in die Gesellschaft ein oder bildeten sie abgeschlossene Gruppen? "Wir wollen Interesse wecken, das Verkrampfte lösen", sagt Eick. Gefährlich sei es für eine Gesellschaft nur, sich mit diesen Themen nicht auseinanderzusetzen.
Dass Weißheit nicht im Kopf, sondern auf dem Kopf beginnt, diese Erfahrung ist das Erfolgsgeheimnis des Friseursalons von Frau Khumalo...
weiter
Wenn Bücher über menschenrechtliche Missstände nach zehn Jahren nach wie vor aktuell sind, dann wirft das kein gutes Licht auf die Wirklichkeit...
weiter