Wien. Integrationsevents gibt es mittlerweile eine ganze Menge, doch kaum eines dürfte diese Größenordnung erreichen: Rund 400 Teilnehmer werden am 27. April beim zweiten Österreichischen Integrationstag erwartet, um sich mit den Herausforderungen von Integration auseinanderzusetzen.
Aus sämtlichen Bereichen stammen die geladenen Gäste - von Wirtschaft über Nichtregierungsorganisationen und Vereine bis hin zu Interessenvertretungen, Parteien und Bildungseinrichtungen. Veranstalter ist auch diesmal der Verein Wirtschaft für Integration (VWFI) in Kooperation mit der Industriellenvereinigung und der Stadt Wien. Die Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien ist Hauptsponsor.
14 Ziele wurden beim vergangenen Integrationstag 2011 formuliert. Zumindest eines davon - die Schaffung eines Integrationsstaatssekretariats - wurde bald darauf umgesetzt. Bei anderen Zielen wie der Schaffung von mehr Ressourcen für Schulen mit hohem Anteil nicht-deutschsprachiger Schüler dürfte noch einiges zu tun sein. "Wir sind zum Teil zu langsam weitergekommen", räumte VWFI-Obmann Georg Kraft-Kinz am Mittwoch bei einem Pressegespräch selbstkritisch ein. Auch ein Welcome-Service für Neuzugewanderte zählt nach einem Jahr nach wie vor zu den noch unerfüllten Wünschen. Kraft-Kinz betonte die Wichtigkeit einer Willkommenskultur auch im Zusammenhang mit der Rot-Weiß-Rot-Karte, die Schlüsselkräfte nach Österreich locken soll.
Abwanderung kommt teuer
Auch heuer geht es wieder um die Chancen von Vielfalt. Ein paar dieser Chancen speziell für die Wirtschaft nannte Christian Friesl, Bereichsleiter für Gesellschaftspolitik der Industriellenvereinigung: Qualifizierte Zuwanderung schaffe Arbeitsplätze, gemischte Teams seien besonders kreativ und internationale Leitbetriebe "gehen gerne dorthin, wo es international zugeht". Ali Rahimi, stellvertretender VWFI-Obmann, erwähnte die hohen Einbußen Deutschlands durch die jährliche Abwanderung: "Das kostet Deutschland 40 Milliarden Euro." Gerade Kleinunternehmen fehlten die Fachkräfte.
"Partizipation" ist das diesjährige Leitthema. Es bedeute, dass jeder Bürger egal welcher Herkunft in allen Lebensbereichen Chancengleichheit hat. Diese "Chancengleichheit ist in Österreich nicht gegeben. Den Taxi fahrenden Arzt gibt es nach wie vor", hob Georg Kraft-Kinz hervor. Es brauche Strukturen, "in denen sich Talente entwickeln können." Man müsse dazu auch bei der Mehrheitsgesellschaft ansetzen. Dem pflichtete Friesl bei, der betonte, dass gerade in Österreich Nachholbedarf herrscht: Studien belegen die im internationalen Vergleich besonders kritische Einstellung der Einheimischen gegenüber Zuwanderern. Es gelte "Pluralität als Bereicherung zu erleben" und das gehe nur über Kommunikation.
Stattfinden wird der Integrationstag an vier Orten: im Wiener Rathaus, dem Haus der Industrie, im Studio 44 der österreichischen Lotterien und im Raiffeisen Forum Wien.
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