• vom 20.06.2012, 15:38 Uhr

Migration

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Ob Flüchtlingsfamilien oder Ehepartner im Ausland: Familienzusammenführung ist ein komplexes Thema

Nicht ohne meine Familie


Von Yordanka Weiss

  • 4954 Familienzusammenführungen wurden 2011 in Österreich durchgeführt.

Bei der Zusammenführung von Flüchtlingsfamilien werden DNA-Analysen durchgeführt. - © APA/HELMUT FOHRINGER

Bei der Zusammenführung von Flüchtlingsfamilien werden DNA-Analysen durchgeführt. © APA/HELMUT FOHRINGER

Wien. Eine Frau, ihr Mann und die fünf Kinder fliehen aus Afghanistan nach Europa. Von Schleppern wird die Familie auseinandergerissen: Die Mutter erreicht mit der jüngsten Tochter Österreich, der Mann bleibt mit dem jüngsten Sohn in Griechenland, die drei älteren Geschwister werden irgendwohin transportiert. Die Umstände waren traumatisch.

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"Mein Schwiegervater hat sein Haus verkauft, um die Flucht zu finanzieren", erzählt die Frau der "Wiener Zeitung", die wegen laufendem Asylverfahren anonym bleiben möchte. Die siebenköpfige Familie bezahlte die Schlepper für die Flucht "nach Europa". Zu Fuß und mit Lkw reisten sie von der südafghanischen Provinz Kandahar über den Iran und die Türkei. Im August 2010 erreichten sie nach 25 Tagen Athen, von wo sie zu einer griechischen Insel transportiert wurden.

Danach nahmen die Schlepper die drei ältesten Kinder zwischen 13 und 16 Jahren mit. Der Transport für die restliche Familie würde wenige Stunden später folgen, hieß es, doch dann geschah nichts. "Ich habe monatelang geweint", berichtet die Frau. Mit ihrem Mann und den zwei jüngeren Kindern wartete sie vergeblich Tag und Nacht. Als sie beschlossen, nach Athen zurückzukehren kam einer der Schlepper und nahm die Frau und ihre fünfjährige Tochter mit. Zwei Tage waren sie im Lkw versteckt, ohne Wasser und Essen. "Es war kalt, wir hatten Schmerzen." Die Frau bat den Schlepper, sie dort abzusetzen, wo ihre drei älteren Kinder waren. "Vor zwei Jahren habe ich den Namen Österreich nicht gekannt. Ich wusste nur, dass es Europa gibt", sagt die 35-Jährige.

In der Nacht vom Juni 2011 wurden Mutter und Tochter abgesetzt. Ohne zu wissen, wo sie waren, suchte die Mutter eine Polizeistation auf, schilderte mit Hilfe eines Dolmetschers ihre Geschichte und erfuhr, dass sie in Österreich war. Sie ersuchte die Behörden, ihre restliche Familie zu suchen. Nach einigen Tagen erfuhr sie: Die ältesten drei Kinder sind heil in Wien. Schließlich wurden mit Hilfe einer internationalen NGO auch Vater und jüngster Sohn gefunden. "In Athen gingen wir immer in einem Park spazieren. Ich hatte gehofft, dass man dort meinen Mann und meinen Sohn finden wird. Und so ist es auch geschehen, wie ein Wunder", sagt die Asylwerberin.

Acht Monate und viele Tränen später konnte sie beide im Februar 2012 in Wien wieder umarmen. "In Afghanistan war ich Hausfrau, habe mich um die Kinder gekümmert und täglich gebetet, dass mein Mann - er war Spengler - heil von der Arbeit nach Hause kommt", erzählt sie. Jetzt erledigt sie selbständig Amtswege, lernt Deutsch, dankt den österreichischen Behörden.

Ähnliche Erfahrungen machen viele, die vor Krieg, Naturkatastrophen oder Hunger fliehen. Die Zusammenführung der afghanischen Familie fand gemäß dem Dublin-Verfahren statt, wonach jedes Asylgesuch nur von jenem Staat, in dem der erste Asylantrag gestellt worden ist, behandelt wird. Unterstützung für Asylberechtigte und subsidiär Schutzberechtigte bietet das österreichische Rote Kreuz. Afghaner und Somalier sind die beiden größten Gruppen, die Beratung suchen.

Laut Asylgesetz 2005 kann nach Österreich nur die Kernfamilie: Ehepartner, Elternteile eines minderjährigen Kindes oder Kinder, sofern sie zum Zeitpunkt der Antragstellung unverheiratet und minderjährig sind. Das Verfahren dauere mindestens sechs Monate und verursache Kosten für Dokumente, Reisen und DNA-Analysen, berichtet "Rotes Kreuz"-Beraterin Jasmina Haracic. DNA-Analysen werden in Österreich und im jeweiligen Land durchgeführt und analysiert. Für jede Person zahlt man 200 Euro. Bei positiver Erledigung werden die Kosten rückerstattet.

Eine weitere Hürde für Familienangehörige sei es, eine Botschaft zu finden. Österreich ist nicht in allen Ländern vertreten. Manche müssen daher vom Kongo nach Kenia oder von Afghanistan nach Pakistan reisen, um dort ein Einreisevisum zu bekommen. "Dadurch entstehen erhebliche Reisekosten. Der Weg ist sehr gefährlich", sagt Haracic.

Weitere Bedingungen sollen Zwangsehen verhindern
2011 wurden österreichweit 4954 Erstaufenthaltstitel für Familienangehörige erteilt. Bis Ende April dieses Jahres waren es 1129. Flüchtlinge sind freilich nicht die einzige Gruppe von Menschen, die das Thema betrifft. Die meisten Niederlassungsbewilligungen werden für Angehörige von Österreichern oder von Drittstaatsangehörigen, die lange in Österreich ansässig sind, ausgestellt. Besonders häufig geht es um Ehepartner im Ausland. Solche Fälle werden nach dem Niederlassungs- und Aufenthaltsgesetz abgewickelt, nicht nach dem Asylgesetz .

Die Lage ist hier anders. Ansprechpartner für Familienzusammenführungen ist die Magistratsabteilung 35. Alter der Ehepartner (beide sollen 21 Jahre sein), Einkommen (der Lebensunterhalt von zirka 1200 Euro netto sowie die Wohnung sollen gesichert sein) und Deutschkenntnisse (Pflicht ist Niveau A1) sind entscheidend. 4282 Personen konnten 2011 eine erste Niederlassungsbewilligung als Familienangehörige bei der MA 35 erhalten (die meisten davon kamen aus Serbien, 1150 Personen). Abgelehnt wurden 674 Anträge.




Schlagwörter

Familie, Asyl, Ehepartner, Schlepper, EU

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Dokument erstellt am 2012-06-20 15:44:07


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