
Kilis/Islahiye. "Da ist er!", ruft ein syrischer Jugendlicher und zeigt in den Himmel, wo kurz ein syrischer Hubschrauber zu sehen ist. Wenig später hört man dumpfes Donnern von Bombenexplosionen, Rauch steigt am Horizont auf.
Dort ist er, der Bürgerkrieg, gleich jenseits der Grenze.
Das Flüchtlingslager Kilis liegt nur 50 Meter von der syrisch-türkischen Grenze entfernt. Kugeln der syrischen Miliz haben sich auch schon einmal hierher verirrt, Einschusslöcher an einer Mauer zeugen davon. Die Nähe des Flüchtlingslagers zu Syrien ist für die hier untergebrachten Menschen höchst gefährlich, kritisierte kürzlich Amnesty International – lobte aber gleichzeitig die türkischen Anstrengungen für die syrischen Flüchtlinge.
11.500 syrische Flüchtlinge leben in Kilis, insgesamt halten sich laut Auskunft der türkischen Behörden 35.000 Flüchtlinge in der Türkei auf. Die meisten sind Frauen und Kinder, die oft aus einfachen Verhältnissen stammen und mithilfe der Freien Syrischen Armee (FSA) über die Berge hierher geflohen sind.

Die Lager sind wie kleine Städte, soziale Infrastruktur inklusive: Ärzte, Psychologen, Imame, Moscheen. In Kilis gibt es sogar noch Kindergarten, Volksschule, Gymnasium, fünf Sozialzentren mit Aufenthaltsräumen und einer kleinen Teppich-Manufaktur.
Bevor der Flüchtlingsstrom in die Türkei einsetzte, war das Lager in Kilis eine Raststation für Pilger auf ihrem Weg nach Mekka. Nun leben hier Flüchtlinge: In jedem Container eine Familie.
Sind sie zufrieden, hier Zuflucht gefunden zu haben? Da gehen die Meinungen auseinander: Die einen sind der türkischen Regierung "sehr dankbar", andere klagen angesichts der harten Lebensbedingungen. Besonders große Unzufriedenheit herrscht im 90 Kilometer entfernten Flüchtlingslager von Islahiye, das erst im März fertiggestellt wurde. "Wir kamen mit dem, was wir am Leib trugen", erzählt ein aufgebrachter Flüchtling. "Wir brauchen dringend Kleidung, die Frauen können ihre Wäsche nicht wechseln. Wir haben mit den Türken geredet, aber nichts ist passiert." Viele hier wirken frustriert und verärgert.

Journalisten seien noch nicht eingelassen worden, die gesundheitliche Lage und die ärztliche Behandlung seien schlecht – "hier sind alte, gebrechliche Leute und Menschen, die bei Gefechten verletzt wurden und Hilfe brauchen" – Kinder würden vom Trinkwasser krank werden, klagt einer der Flüchtlinge. Die UNO solle sich alles ansehen, fordern einige. "Die Leute sind sehr ungeduldig", meint ein Mann vom türkischen Außenministerium, "und ihre psychologische Situation ist angespannt." Öfters würden sich Familienangehörige bei der Flucht über die Grenze verirren und in unterschiedlichen Flüchtlingslagern landen. Die Familienzusammenführung sei dann in manchen Fällen aber gar nicht so einfach.
Massaker an Familien erlebt
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