Athen. Griechenland schottet sich ab: trotz internationaler Kritik beharrt die Regierung am Bau eines knapp elf Kilometer langen Zauns entlang der Grenze zur Türkei. "Der Zaun wird plangemäß Anfang Oktober fertig sein", sagte der griechische Justizminister Nikolaos Dendias. Er begründete den Bau mit der illegalen Einwanderung. "Wir werden die Einfallstore versiegeln", sagte Dendias.
Der Grenzzaun soll etwa fünf Millionen Euro kosten. Er wird aus dem griechischen Haushalt bezahlt. Die zuständige EU-Innenkommissarin Cecilia Malmström hatte den Bau kritisiert und erklärt, Geld aus EU-Fonds werde es dafür nicht geben.
Grenzfluss Evros
Über die Grenze zwischen der Türkei und Griechenland gelangen Hunderttausende Flüchtlinge aus Asien und Afrika in die Europäische Union. Mit dem Zaun entlang einer "Schwachstelle" am Grenzfluss Evros will Athen die Überquerung verhindern. Dort verläuft die Grenze nicht genau am Fluss entlang, sondern macht nahe der Kleinstadt Orestiada einen großen Bogen in Richtung griechischen Binnenland.
Allein 2010 sind nach griechischen Angaben 128.000 Migranten in das Land gekommen. In den vergangenen vier Jahren sind es 512.000 gewesen. Seit zwei Monaten patrouillieren an der Grenze neben griechischen Beamten auch Dutzende Mitarbeiter der EU-Grenzagentur Frontex.
Kritik von Menschenrechtsgruppe
Die Menschenrechtsorganisation Pro Asyl kritisierte den Bau als Zeichen griechischer Hilflosigkeit. Der Staat sei seit langem administrativ und politisch unfähig, ein menschenwürdiges Asylsystem aufzubauen, so die Organisation am Donnerstag in einer Aussendung. Der Graben stehe für eine "Vertiefung der Gräben in Richtung Türkei und eine Verbeugung vor nationalistischen Strömungen" in Griechenland.
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