Rom. Unter dem Druck der schweren Rezession verlassen immer mehr Einwanderer Italien. Jeder zehnte Ausländer in der industriereichsten Region Italiens, der Lombardei, will sich in den nächsten zwölf Monaten vom Stiefelstaat verabschieden. Vor allem Nordafrikaner und Senegalesen wollen anderswo hinziehen. In der Lombardei lebt ein Fünftel aller Migranten in Italien. Wenn man die Zahlen für die Lombardei auf gesamtstaatliche Ebene umlege, seien 150.000 Ausländer in dem nächsten Jahr bereit, Italien zu verlassen.
"Einwanderer behaupten, dass für sie nicht einmal Schwarzarbeit übrig geblieben ist", erklärt Giovanni D'Agata, der sich für Migrantenrechte einsetzt. 20 Prozent der im Nord-Osten Italiens lebenden marokkanische Gemeinschaft habe Italien verlassen. In den vergangenen vier Jahren sei die Zahl der Ankünfte von Migranten um 75 Prozent zurückgegangen. Die schwere Krise belaste die Einkommensaussichten der Ausländer, die in andere von der Krise weniger belastete europäische Länder oder in ihre Heimat zurückkehren wollen.
Weniger Einwanderungsgenehmigungen
2011 wurden 361.690 Aufenthaltsgenehmigungen erteilt, das sind 40 Prozent weniger als im Vorjahr, berichtete das nationale Statistikamt Istat. Vor allem die Zahl der Migrantinnen ist stark rückgängig. Ausländerinnen haben 2011 45,7 Prozent weniger Einwanderungsgenehmigungen als im Vorjahr erhalten. Bei den Männern wurde ein Minus von 33,6 Prozent verzeichnet. Bei den Aufenthaltsgenehmigungen, die aus beruflichen Gründen gewährt wurden, verzeichnete das Innenministerium einen Rückgang von 65 Prozent. Bei den aus familiären Gründen erteilten Aufenthaltsgenehmigungen kam es zu einem Minus von 21,2 Prozent. Steigend ist dagegen die Zahl der Aufenthaltsanträge, die Asylanten gewährt wurden. Die Zahl der Asylgenehmigungen kletterte gegenüber 2010 von 10.336 auf 42.672, ergab die Istat-Studie. 3,6 Millionen Migranten leben zurzeit legal in Italien.
Die Regierung Monti will inzwischen die leeren Kassen auffüllen und zugleich der Schwarzarbeit den Kampf ansagen. Italienische Unternehmen, die einen Ausländer schwarz beschäftigen, haben jetzt die Möglichkeit, ihre Situation zu legalisieren. Vom 15. September bis 15. Oktober kann ein Arbeitgeber beim Innenministerium melden, dass er einen Migranten beschäftigt, und mit einem Beitrag von 1.000 Euro die Position des Ausländers legalisieren. Der Italiener muss beweisen, dass er mindestens sechs Monate lang seinen Mitarbeitern Gehalt und soziale Beiträge gezahlt hat. Damit könnten Schätzungen zufolge bis zu 400.000 illegal im Land lebende Ausländer einen Antrag auf Aufenthaltsgenehmigung einreichen können.
Von der Maßnahme ausgeschlossen sind Personen, die in den letzten fünf Jahren wegen Schlepperei verurteilt worden sind. Die Maßnahme betrifft außerdem nicht jene Ausländer, die als Pfleger oder Haushaltsgehilfen bei italienischen Familien arbeiten.
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