• vom 20.09.2012, 17:18 Uhr

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Update: 24.09.2012, 10:54 Uhr
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Diskrepanz zwischen Realität und Fantasiebild in Europa kann Touristen aus Fernost sogar krank machen

Wiener sind Japanern zu grantig


Von Yordanka Weiss

  • 2600 Japaner leben in Österreich - viele kämpfen mit dem Kulturschock.

Glückseligkeit beim Wien-Besuch? Nur, wenn die Gastgeber freundlich sind.

Glückseligkeit beim Wien-Besuch? Nur, wenn die Gastgeber freundlich sind.apa/Schlager Glückseligkeit beim Wien-Besuch? Nur, wenn die Gastgeber freundlich sind.apa/Schlager

Wien. "In Wien kenne ich meine Nachbarn nicht, in Japan wäre dies unmöglich. Dort finden fast alle Aktivitäten in der Gruppe statt, in Europa zählt vor allem das Individuum." So fasst Akiko Tanaka einen gravierenden Unterschied der Kulturen zusammen. Die 26-Jährige kam, wie viele ihrer Landsleute, zum Musikstudium nach Wien.

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Sie zählt zu einer überschaubaren Community. Laut der Konsularabteilung der japanischen Botschaft leben knapp 2600 Japaner in Österreich, die meisten von ihnen sind Musikstudenten in Wien und Salzburg. Trotz erdrückender Konkurrenz in der Klassik-Branche ist Akiko, die mit einem Österreicher liiert ist, in Wien geblieben und hält sich mit Jobs als Geigerin über Wasser.

"Die Japaner sind und bleiben ruhig, auch bei Naturkatastrophen", sagt Akiko. Sie erzählt, dass fast jeder im Inselstaat stets einen Rucksack mit den notwendigsten Dingen wie Helm, Wasser und Konserven griffbereit hält und damit theoretisch auf ein Erdbeben entsprechend vorbereitet ist. Nach Wien hat Akiko statt ihrer Erdbebenausrüstung die Bereitschaft mitgenommen, einem möglichen Kulturschock ruhig entgegenzuwirken.

"Japan ist eine Dienstleistungsgesellschaft", sagt Akiko. "Man wird im Supermarkt mit ‚Seien Sie willkommen‘ begrüßt. Die Menschen sind stets hilfsbereit, vor allem wenn jemand Ausländer ist." Ähnliche Umgangsformen erwarten Japaner dann in Europa vergeblich. Die Musikerin ist überzeugt, dass dieser kulturelle Unterschied ihre Landsleute verstört.

Ein weiteres Problem sind mangelnde Deutschkenntnisse. Viele Japaner in Wien arbeiten nämlich für Unternehmen, deren Konzernsprache Englisch ist, und lernen kaum Deutsch, da sie das Land ohnehin nach einigen Jahren wieder verlassen.

Die japanische Community in Wien besteht also aus Musikstudenten, Diplomaten, Mitarbeitern internationaler Firmen, Organisationen und Universitäten. Viele haben ihre Familien nach Österreich mitgebracht. Für Kinder, die ihre Heimatsprache lernen sollen, gibt es eine japanische Privatschule im 22. Wiener Gemeindebezirk, die wie eine Volksschule für 6- bis 15-Jährige geführt wird - wobei die Klassen aus drei bei sechs Kindern bestehen. Das Schulgeld beträgt etwa 400 Euro pro Monat, unterrichtet wird ausschließlich auf Japanisch. Deutsch und Englisch werden lediglich als Fremdsprache angeboten.

Englisch keine Alternative
"Die Sprache stellt tatsächlich eine große Hürde für Japaner in Österreich dar", bestätigt auch Wolfgang Graff. Er ist Generalsekretär der Österreichisch-Japanischen Gesellschaft, deren Anliegen die Vertiefung und Förderung der freundschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Ländern ist. Zwar können die Japaner Englisch, aber diese Sprache stelle keine Alternative dar, da das "japanische Englisch" für Europäer akustisch wenig verständlich sei.




Schlagwörter

Migration, Wien, Japan

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-09-20 17:23:07
Letzte Änderung am 2012-09-24 10:54:28


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