
Wien. Zuwanderer sind jünger als Einheimische, bekommen mehr Kinder und haben teils ein schlechteres Bildungsniveau. Das sind die Ergebnisse des neuen Integrationsberichts des Innenministeriums. 18,6 Prozent der Gesamtbevölkerung – 1,5 Millionen Menschen – hatten 2010 Migrationshintergrund. Wie der Bericht weiter zeigt, verlässt fast die Hälfte der Zugewanderten binnen weniger Jahre wieder das Land. Zwischen 2002 und 2005 haben dem Bericht zufolge 45 Prozent der Zugewanderten Österreich wieder verlassen.
Die größte Herkunftsgruppe stellte Deutschland (220.000), gefolgt von Serbien, Montenegro und Kosovo (209.000), der Türkei (185.000), Bosnien und Herzegowina (131.000) und Kroatien (70.000).
Den Geburtenüberschuss von 1543 verdankt Österreich den Zuwanderern. Denn bei der angestammten Bevölkerung überwogen 2010 die Sterbefälle (mit 7374), bei Zuwanderern die Geburten (8917). Österreichische Frauen gebaren durchschnittlich 1,32 Kinder, Frauen ausländischer Herkunft 1,87. Dabei bekamen eingebürgerte Frauen weniger Kinder als ausländische Staatsbürgerinnen (1,5 gegenüber 2). Teils große Unterschiede zeigt der Bericht bei Bildung, Erwerbsarbeit und Gesundheit, und zwar auch innerhalb der Zuwanderergruppen. So haben Personen aus Ex-Jugoslawien und der Türkei ein deutlich niedrigeres Bildungsniveau, während EU-Bürger einen besonders hohen Akademikeranteil auswiesen.
Das Bildungsniveau der zweiten Generation hat sich an jenes der Inländer angeglichen. Doch auch hier gibt es Unterschiede: Von den nichtdeutschsprachigen Jugendlichen setzten 14 Prozent die Ausbildung nach der Hauptschule nicht fort, bei den Deutschsprachigen nur vier Prozent.

Den höchsten Ausländeranteil von allen Schulzweigen wies die Sonderschule (18,3 Prozent) auf. Der Ausländeranteil an maturaführenden Schulen hat sich leicht erhöht, doch auch hier sind nach wie vor sehr wenige Personen aus der Türkei und Ex-Jugoslawien vertreten.
Das Bildungsniveau schlägt sich im Erwerbsleben nieder. Migranten haben ein geringeres Einkommen (nur 84 Prozent des mittleren Jahres-Einkommens der Österreicher) und ein höheres Armutsrisiko (24 zu 11 Prozent). Migranten waren zu einem höheren Anteil als Arbeiter tätig (47 Prozent versus 23 Prozent), wobei Türken (66) und Ex-Jugoslawen (64) hervorstachen.
Insgesamt war die Arbeitslosigkeit der Ausländer mit 9,7 Prozent höher als die der Österreicher (6,9). "Bemerkenswert" ist, dass die Langzeitarbeitslosigkeit bei Ausländern (1,6 Prozent) geringer war als bei Österreichern (2,9).
Türkinnen sind oft ohne Job und werden älter
Niedriger ist die Erwerbsquote der Migranten (65 Prozent gegenüber 73 Prozent) – was vor allem auf die türkischen Frauen zurückzuführen ist, die nur zu 41 Prozent arbeiten gingen. Dafür ist die Lebenserwartung der Türkinnen mit 84,5 Jahren am höchsten. Migranten haben insgesamt eine höhere Lebenserwartung: Ein 2010 geborener Österreicher konnte auf 77,6 Jahre Lebensdauer hoffen, eine Österreicherin auf 83,1 Jahre. Bei den Migranten waren es 78,4, bei Migrantinnen 83,2. Ebenso leiden Migranten seltener an Zivilisationserkrankungen (Herz-Kreislauf oder Allergien), aber dafür häufiger an Krankheiten durch körperliche Belastung (Wirbelsäule) oder Depressionen.
2010 wanderten 114.000 Personen zu, um 7000 mehr als im Vorjahr, die Abwanderung blieb mit 87.000 gleich. Der Anstieg hängt mit der Erholung der Konjunktur zusammen.
Die Österreicher finden, dass die Integration von Migranten in Österreich nicht funktioniert. Das geht aus einer gfk-Umfage hervor, die dem Bericht angefügt ist. Fast 65 Prozent meinen, dass die Integration schlecht abläuft. 40 Prozent sagen, das Zusammenleben sei schlechter geworden.
Zuwanderer fühlen sich in Österreich hingegen zu Hause. 42 Prozent sehen sich völlig, 44 Prozent eher heimisch. Während Personen mit jugoslawischem Hintergrund sogar eine Zufriedenheit von über 90 Prozent aufweisen, sind es bei jenen mit türkischen Wurzeln gut drei Viertel. Allerdings fühlt sich letztere Gruppe mit 61 Prozent eher dem Herkunftsstaat zugehörig. Von den Ex-Jugoslawen fühlen sich 64 Prozent als Österreicher.
Zahlen sind verlässlich. Sie vermitteln ein Gefühl der Sicherheit, der Wahrheit, der Objektivität. Doch sie sind nicht einfach neutral...
weiter
"Man hat mich mit elektrischen Kabeln geschlagen, wovon ich heute noch Spuren habe. Mein ganzer Körper war eine einzige Wunde...
weiter
Wien. Der Name ist Programm: "Grenzenlos kicken" hat das Ziel, ein lautstarke Zeichen gegen die Ausgrenzung von Menschen in Not zu setzen...
weiter