• vom 05.03.2012, 18:11 Uhr

Politik & Recht

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Autorin der deutschen Studie "Brain Waste": "Wir brauchen eine bessere Willkommenskultur"

Wenn Hirnschmalz brachliegt


Von Katharina Schmidt

  • Fünf-Punkte-Plan zur Nostrifizierung ausländischer Hochschulabschlüsse.

Wien.

Ausgesperrt. Egal, wie gut die Qualifikation auch im Heimatland sein mag - wenn man sie in Österreich nicht anerkennen lässt, bleibt oft der Zugang zum Arbeitsmarkt verwehrt. Illustration: Images.com/Corbis/Eric Dinyer

Ausgesperrt. Egal, wie gut die Qualifikation auch im Heimatland sein mag - wenn man sie in Österreich nicht anerkennen lässt, bleibt oft der Zugang zum Arbeitsmarkt verwehrt. Illustration: Images.com/Corbis/Eric Dinyer© © Images.com/Corbis Ausgesperrt. Egal, wie gut die Qualifikation auch im Heimatland sein mag - wenn man sie in Österreich nicht anerkennen lässt, bleibt oft der Zugang zum Arbeitsmarkt verwehrt. Illustration: Images.com/Corbis/Eric Dinyer© © Images.com/Corbis

Die gute Nachricht zuerst: So schlecht steht Österreich gar nicht da. Zumindest nicht im Vergleich zum immer gerne als Vorbild dienenden Deutschland. Zwar haben Migranten auch hierzulande mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen, wenn sie einen im Ausland erworbenen Bildungsabschluss anerkennen lassen wollen. In Deutschland ist die Anerkennung aber prinzipiell Ländersache - dort sind 400 verschiedene Stellen dafür zuständig.

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In Österreich, wo laut den jüngsten Zahlen von Statistik Austria und Arbeiterkammer mehr als 30 Prozent der Migranten unterhalb ihrer Qualifikationsniveaus beschäftigt sind, soll nun die Situation zumindest im Bereich der Hochschulabschlüsse verbessert werden. Am Montag haben Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle und Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz dazu einen Fünf-Punkte-Plan vorgelegt. Demnach soll das im Wissenschaftsministerium angesiedelte "National Academic Recognition Information Center" (Naric) künftig als One-Stop-Shop-Stelle, also als zentrale Anlauf- und Informationsstelle, dienen. Von dort aus werden die Anträge auf Nostrifizierung dann an die zuständigen Universitäten weitergeleitet.

Diese sollen drei statt wie bisher sechs Monate Zeit haben, um zu entscheiden, ob ein Abschluss nostrifiziert wird oder ob Ergänzungsprüfungen abzuleisten sind. Dies ist laut Töchterle die einzige Neuerung, die nur mit einer Gesetzesänderung umsetzbar ist - wann das so weit sein soll, konnte der Minister nicht sagen. Außerdem soll für alle drei Medizin-Unis eine gemeinsame Anlaufstelle geschaffen werden, um die Anerkennung von Arztausbildungen zu beschleunigen. Die Kriterien für eine Nostrifikation bleiben aber für alle Abschlüsse gleich. Schließlich soll die Naric auch bei allen nicht-reglementierten Berufen - dort ist, anders als bei Ärzten, Architekten oder Steuerberatern, keine Nostrifizierung des Abschlusses nötig - Gutachten anbieten, die den Arbeitgebern die Einstufung des jeweiligen Abschlusses erleichtern. Mit diesen Maßnahmen soll das Schlagwort von "Integration durch Leistung" mit Leben erfüllt werden - "denn Leistung muss auch ermöglicht werden", sagte Kurz.

Lösung bei anderen Ausbildungen bis Sommer
Allerdings profitiert nur ein kleiner Teil der Migranten von diesen Neuerungen. Derzeit laufen lediglich 200 Nostrifikationen und 2000 Beratungen über die Naric. Dazu kommt auch die fehlende Anerkennung von Schul- und Lehrabschlüssen, die sich die Volkspartei erst mit zwei SPÖ-geführten Ministerien ausschnapsen muss. Man sei aber in guten Gesprächen sowohl mit Unterrichtsministerin Claudia Schmied als auch mit Arbeitsminister Rudolf Hundstorfer, meinte Kurz. Eine interministerielle Arbeitsgruppe in Hundstorfers Ressort soll bis zum Sommer Vorschläge erarbeiten, hieß es dort.

Und da wird man sich dann doch einiges von Deutschland abschauen können. Dort tritt nämlich am 1. April ein neues Berufsanerkennungsgesetz in Kraft, mit dem nicht nur die bestehenden Anerkennungsvorschriften zusammengefasst werden sollen. Auch soll ein Rechtsanspruch auf Anerkennung fast aller Berufsabschlüsse entstehen. Dies gibt es in Österreich bisher nicht. Die deutsche Sozialwissenschafterin Martina Müller-Wacker, die 2007 als Co-Autorin der Studie "Brain Waste" eine Debatte zu dem Thema ausgelöst hat, schildert der "Wiener Zeitung" weitere positive Aspekte der Gesetzesänderung: Einerseits soll bei mangelnder formeller Qualifikation auch die Berufserfahrung mitberücksichtigt werden, andererseits soll auch eine Statistik eingeführt werden - inklusive Evaluierung des Gesetzes in vier Jahren. Denn in Deutschland gibt es bisher kaum Zahlen zu dem Thema. Bekannt ist nur, dass drei Millionen in Deutschland lebende Menschen über einen ausländischen Abschluss verfügen.

Durch den derzeit vorherrschenden Fachkräftemangel gerieten brachliegende Qualifikationen immer mehr in den Fokus von Politik und Wirtschaft, sagt Müller-Wacker. Angeschoben würden Verbesserungen aber in erster Linie durch die Europäische Union. So müssen freilich auch in Österreich Qualifikationen von EU-Ausländern anerkannt werden - lediglich länderspezifische Ausbildungen, so zum Beispiel jene für Juristen, müssen teilweise nachgeholt werden. Generell bräuchten Deutschland und Österreich eine "bessere Willkommenskultur", sagt Müller-Wacker. Bis dahin sei es aber noch ein weiter Weg.




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Dokument erstellt am 2012-03-05 18:17:06


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