• vom 22.04.2012, 09:15 Uhr

Politik & Recht

  • Artikel
  • Lesenswert (4)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Asylpraxis "deutlich restriktiver geworden"



  • Kritik von NGOs: Trotz "Straflosigkeit und Rechtlosigkeit" in Tschetschenien werden immer mehr Menschen wieder dorthin zurück geschickt.

Proteste von Flüchtlingen aus Tschetschenien gegen ihre Abschiebung aus Polen. - Apaweb/EPA/Michal Szypki

Proteste von Flüchtlingen aus Tschetschenien gegen ihre Abschiebung aus Polen. Apaweb/EPA/Michal Szypki

Wien. Heimische NGO-Vertreter haben sich besorgt über die Lage von tschetschenischen Asylsuchenden, die in ihre Heimat zurückgeschickt werden, gezeigt. Es werde für Tschetschenen immer schwieriger, Asyl in Österreich zu bekommen, kritisierte die Anwältin und Vorsitzende von SOS Mitmensch, Nadja Lorenz. Die Praxis sei deutlich restriktiver geworden, hieß es. Die positiven Bescheide seien von 60 Prozent im Jahr 2006 auf 20 Prozent im vergangenen Jahr gesunken. Wer Menschen nach Tschetschenien zurückschicke, bringe sie aber nach wie vor in Lebensgefahr, sagte Heinz Patzelt von Amnesty International, darüber dürfe eine verbesserte Infrastruktur nicht hinwegtäuschen.

Ökonomisches Aufbruchsland

Tschetschenien werde zwar zu Recht als "Aufbruchsland" hingestellt, dies gelte aber nur für die Wirtschaft. "In Tschetschenien herrscht Friedhofsruhe",  so Patzelt, nach wie vor würden Leute verschwinden, es gebe Folter, und das Regime habe kein Interesse daran, nach der Wahrheit zu suchen. Es herrsche ein "Klima der Rechtlosigkeit und Straflosigkeit", sagte Lorenz. Die Verfolgung von Rechtsverletzungen sei "gleich null." Wer auch nur im Verdacht stehe, gegen Präsident Ramsan Kadyrow zu sein, lebe in Gefahr, so Patzelt.

In Österreich werden Asylanträge zum einen vom Bundesasylamt, zum anderen vom Asylgerichtshof als Zweitinstanz entschieden. Geglaubt werde den Betroffenen grundsätzlich nichts, so die Journalistin Susanne Scholl. Die Behörden gingen davon aus, dass sich die Situation in Tschetschenien verbessert habe und dass viele Asylanträge missbräuchlich gestellt werden, meinte auch Lorenz. Die Betroffenen werden oft für "nicht glaubwürdig" gehalten. Es gehe dabei meistens um widersprüchliche Schilderungen der Ereignisse. "Von Leuten, die so traumatisiert sind, kann man nicht erwarten, dass sie alles chronologisch korrekt erzählen", betonte Scholl.

"Goldener Westen"

Wenn Asylwerber nach Tschetschenien zurückkehren müssen, stehen sie vor zwei weiteren Problemen, gab Hans-Georg Heinrich, Vize-Präsident vom ICEUR-Institut (International Center for Advanced and Comparative EU-Russia/NIS Research) zu bedenken. Zum einen seien alle verdächtig, die im Ausland waren, zum anderen halte sich in der Russischen Föderation immer noch "hartnäckig" der Glaube, dass der Westen golden sei. Wer zurückkehre, stehe daher unter dem Generalverdacht, Geld zu haben, und sei leichtes Opfer von Erpressungen. Auch die Möglichkeit, in andere Regionen der Russischen Föderation zurückzukehren, sei für viele keine Alternative. Als Tschetschene sei man in ganz Russland Repressionen ausgesetzt, so Heinrich.




Schlagwörter

Tschetschenien, Asyl

Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-04-20 17:56:49
Letzte Änderung am 2012-04-20 18:30:10


Beliebte Inhalte



Yvonne Pichler ist im Inneren eine Jüdin. - Ugur Atay
  • Yvonne Pichler erzählt vom Jonglieren zwischen allen spirituellen Welten.
  • weiter

  • Sexuelle Diskriminierung wird als Asylgrund selten akzeptiert.
  • weiter

Isabel Arévalos (links) füllt mit ihren Mitstreiterinnen im Akkord Empanadas mit Fleisch und Spinat. - Flener
  • Wiens paraguayische Community umfasst 80 Männer und Frauen.
  • weiter

Somali-Unterricht soll es auch bald in Schulen im 20. und 21. Bezirk geben. - Luiza Puiu
  • Zum ersten Mal findet an zwei Wiener Volksschulen Unterricht in Somali statt.
  • weiter

Auf Initiative des grünen Kultursprechers Klaus Werner-Lobo wurde darum das Projekt "kültür gemma!" ins Leben gerufen. - Screenshot: Archiv
  • Projekt "kültür gemma!" vom grünen Kultursprecher Werner-Lobo initiiert.
  • weiter

Isabel Arévalos (links) füllt mit ihren Mitstreiterinnen im Akkord Empanadas mit Fleisch und Spinat. - Flener
  • Wiens paraguayische Community umfasst 80 Männer und Frauen.
  • weiter

Die einzige Sendung, in der mit Akzent gesprochen wird. Im Bild die Moderatoren Lakis Jordanopoulos und Silvana Meixner. - ORF
  • ORF: "Migrationshintergrund kein Ausschlussgrund für eine Redaktion."
  • weiter

Auf Initiative des grünen Kultursprechers Klaus Werner-Lobo wurde darum das Projekt "kültür gemma!" ins Leben gerufen. - Screenshot: Archiv
  • Projekt "kültür gemma!" vom grünen Kultursprecher Werner-Lobo initiiert.
  • weiter



Werbung



Buch des Monats

Ihr wunderbarer Friseursalon

friseursalon - © Wiener Zeitung / Christa Hager Dass Weißheit nicht im Kopf, sondern auf dem Kopf beginnt, diese Erfahrung ist das Erfolgsgeheimnis des Friseursalons von Frau Khumalo... weiter




Februar 2013

Der Friedhof vor Europas Toren

CAP ANAMUR - APA / EPA/FRANCO LANNINO Wenn Bücher über menschenrechtliche Missstände nach zehn Jahren nach wie vor aktuell sind, dann wirft das kein gutes Licht auf die Wirklichkeit... weiter



"Um die imposanten Locations wie Berge, Flüsse und Wälder in Szene setzen zu können und ihnen genügend Raum zur Entfaltung zu geben, haben wir im Format 2.35:1 gedreht, einem in Österreich eher selten verwendeten Seitenverhältnis", betont Kameramann und Bildgestalter Satoshi.

Syrische Flüchtlinge im Libanon. 19. April 2013: "Wo wart ihr so lange?" fragen die Flüchtlinge. Seitdem sie vor zwei Monaten in das Servitenkloster gezogen sind, sind sie aus dem Blickfeld der Medien verschwunden.

Mit einer für österreichische Verhältnisse ungewöhnlichen Protestaktion machten vergangene Woche Flüchtlinge aus Somalia auf ihre Situation aufmerksam.






Chondrocladia lyra, ein fleischfressender Schwamm, lebt über drei Kilometer tief im Pazifik vor der Küste von Kalifornien. Die Art wurde von der Universität von Arizona in Tempe (USA) für die Liste der skurrilsten Entdeckungen 2012 ausgewählt.

23.05.2013: Nach 28 Jahren stießen Biologen auf eine unbekannte Affenart in Afrika: die Lesula-Affen. Sie leben versteckt in der Lomami-Region in der Dem. Rep. Kongo und wurden nun von der Universität von Arizona für die Liste der skurrilsten Entdeckungen 2012 ausgewählt. Nach Sony (PlayStaion 4) und Nintendo (WiiU) hat nun auch Microsoft seine Vision der zukünftigen Spielkonsolenwelt vorgestellt. Kinect Group Program Manager Scott Evans demonstrierte bei der Präsentation der "Xbox One" gleich einmal den neuen Kinect-Sensor, der nun nicht mehr als Zubehör erhältlich sein wird, sondern fix im Lieferumfang enthalten sein wird.

Mailands "neubabylonischer" Hauptbahhnhof Frankreich: Amandine Bourgeois - "L'enfer et moi"

Werbung