• vom 29.05.2012, 15:15 Uhr

Politik & Recht

Update: 30.05.2012, 12:49 Uhr
  • Artikel
  • Kommentare (1)
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Polizei-Opfer erhält Entschädigung

Späte Entschuldigung für Bakary J.



  • Laut Medienbericht.
  • Sprecher des Innenministeriums: "Das war Folter, eine Scheinhinrichtung mitten in Wien."

Bakary J. auf einer Fotografie unmittelbar nach den Misshandlungen, 2006.

Bakary J. auf einer Fotografie unmittelbar nach den Misshandlungen, 2006.APAweb / Privat Bakary J. auf einer Fotografie unmittelbar nach den Misshandlungen, 2006.APAweb / Privat

Wien. Sechs Jahre nach der Folteraffäre um den Afrikaner Bakary J. durch Wiener Polizisten hat sich das Innenministerium nun offiziell bei dem Opfer entschuldigt. Das berichtet die Wochenzeitung "Falter" laut Vorab-Meldung. Ministeriums-Sprecher Karl-Heinz Grundböck hat Bakary J. am vergangenen Mittwoch im Palmenhaus im Burggarten getroffen, wie dieser gegenüber der APA bestätigte.

So heißt es in dem Artikel: "'Ich weiß, es ist spät', sagte Grundböck zur Begrüßung, 'aber ich darf Ihnen heute im Namen des Innenministeriums sagen, dass wir aufrichtig bedauern, was die Polizisten Ihnen angetan haben. Diese Tat ist durch nichts zu rechtfertigen oder zu entschuldigen.'" Zwei Stunden lang sollen die beiden über die Vorfälle vom 6. April 2006 gesprochen haben.

"Scheinhinrichtung"

Zudem wurde Bakary J. eine Entschädigung für das erlittene Leid in Aussicht gestellt. Die Details der Ansprüche werden ein nächster Schritt sein, sagte Grundböck. Die Summe dafür werde von den mittlerweile entlassenen Beamten im Regress zurückgefordert.

"Dieser Fall ist sehr einzigartig. Das war Folter, eine Scheinhinrichtung mitten in Wien", verurteilte Grundböck im Gespräch mit der APA die Taten der damaligen WEGA-Beamten. Im Sinne der Aufarbeitung gebe es polizeiintern derzeit im Rahmen des Projektes "Polizei macht Menschenrechte" Diskussionen darüber, psychisch und physisch besonders fordernde Funktionen im Exekutivdienst zeitlich zu befristen. "Das wird derzeit diskutiert", sagte Grundböck.

Frakturen

Der Schubhäftling Bakary J. war im April 2006 bei einem Polizeieinsatz in eine Lagerhalle in der Leopoldstadt verschafft und dort schwer verletzt worden. Die vier involvierten Polizisten hatten dem Gambier umfangreiche Frakturen von Jochbein, Kiefer und Augenhöhle zugefügt. Zu der Misshandlung kam es nach einem gescheiterten Abschiebeversuch. Die vier WEGA-Beamten wurden vor Gericht gestellt und 2009 wegen Quälens eines Gefangenen zu mehrmonatigen bedingten Haftstrafen verurteilt. Sie durften zunächst weiter Polizeidienst verrichten, allerdings nur im Innendienst. Zwei der Beschuldigten wurden später wegen psychischer Probleme frühpensioniert.

Dienstrechtlich landete der Fall vor der im Bundeskanzleramt angesiedelten Disziplinaroberkommission, die eine Entlassung als nicht gerechtfertigt ansah. Nach einer Rüge des Verwaltungsgerichtshofes wurden schließlich im April 2012 drei involvierte Polizisten entlassen. Der vierte Beamte hatte im Vorfeld eine Geldstrafe akzeptiert.




Schlagwörter

Bakary J, Rassismus, Migration

1 Leserkommentar




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-05-29 15:16:28
Letzte Änderung am 2012-05-30 12:49:42


Beliebte Inhalte



Die einzige Sendung, in der mit Akzent gesprochen wird. Im Bild die Moderatoren Lakis Jordanopoulos und Silvana Meixner. - ORF
  • ORF: "Migrationshintergrund kein Ausschlussgrund für eine Redaktion."
  • weiter

Das Image des Teppichhändlers ist passé. Heute ist die iranische Community vielschichtiger. - dpa
  • Die jüngere Generation ist deutlich toleranter als alteingesessene Iraner.
  • weiter

Die vierfache Mutter Ayse Canli erhält jedes Jahr als Muttertagsgeschenk einen Friseurgutschein und den Eintritt in eine ganz spezielle Frauenmatinee. - Ugur Atay
  • Kritik am herkömmlichen Mutterbild in der Türkei.
  • weiter

Deutschkurs in Deutschland - APAweb / EPA/WALTRAUD GRUBITZSCH
  • 40 Prozent mehr Einwanderer aus Südeuropa, Österreich ebenfalls gefragt.
  • weiter

Florian Pollack , Obmann des "Wiener Jüdischen Chors", heizt der Menge ein. - WJC
  • Bis Sonntag präsentieren 400 Sänger in Wien jüdisches Liedgut.
  • weiter




Werbung



Buch des Monats

Ihr wunderbarer Friseursalon

friseursalon - © Wiener Zeitung / Christa Hager Dass Weißheit nicht im Kopf, sondern auf dem Kopf beginnt, diese Erfahrung ist das Erfolgsgeheimnis des Friseursalons von Frau Khumalo... weiter




Februar 2013

Der Friedhof vor Europas Toren

CAP ANAMUR - APA / EPA/FRANCO LANNINO Wenn Bücher über menschenrechtliche Missstände nach zehn Jahren nach wie vor aktuell sind, dann wirft das kein gutes Licht auf die Wirklichkeit... weiter



"Um die imposanten Locations wie Berge, Flüsse und Wälder in Szene setzen zu können und ihnen genügend Raum zur Entfaltung zu geben, haben wir im Format 2.35:1 gedreht, einem in Österreich eher selten verwendeten Seitenverhältnis", betont Kameramann und Bildgestalter Satoshi.

Syrische Flüchtlinge im Libanon. 19. April 2013: "Wo wart ihr so lange?" fragen die Flüchtlinge. Seitdem sie vor zwei Monaten in das Servitenkloster gezogen sind, sind sie aus dem Blickfeld der Medien verschwunden.

Mit einer für österreichische Verhältnisse ungewöhnlichen Protestaktion machten vergangene Woche Flüchtlinge aus Somalia auf ihre Situation aufmerksam.






Frankreich: Amandine Bourgeois - "L'enfer et moi"

Der Teil einer Installation des pakistanischen Künstlers von Imran Qureshi im Metropolitan Museum in New York. Die letzten Stufen werden noch eingekleidet, und dann kanns los gehen:

18. 5. 2013: Ein lesbisches Paar in Myanmar: Der "Internationale Tag gegen Homophobie" geriet weltweit zu einem bunten und eindringlichen Protest gegen Diskriminierung. Noch herrscht auf der Croisette vor dem Palais des Festivals in Cannes die Ruhe vor dem Sturm.

Werbung