• vom 03.06.2012, 08:13 Uhr

Politik & Recht

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UNICEF-Studie über Kinder und Abschiebung

"Stilles Leid"



  • Viele Kinder und Jugendliche leiden an posttraumatischen Störungen.
  • Geschäftsführerin spricht von "systematischen Kinderrechtsverletzungen".

Die aktuelle Studie der UNICEF sieht die seelische Gesundheit von Kindern nach der Flucht nicht ausreichend beachtet. (Foto zum Vergrößern bitte anklicken)

Die aktuelle Studie der UNICEF sieht die seelische Gesundheit von Kindern nach der Flucht nicht ausreichend beachtet. (Foto zum Vergrößern bitte anklicken)APAweb / EPA/STRINGER Die aktuelle Studie der UNICEF sieht die seelische Gesundheit von Kindern nach der Flucht nicht ausreichend beachtet. (Foto zum Vergrößern bitte anklicken)APAweb / EPA/STRINGER

Wien/Berlin. Bei Abschiebungen oder Rückführungen werden laut der UNICEF-Studie "Stilles Leid" das Kindeswohl und die seelische Gesundheit von Kindern nicht ausreichend beachtet. Die Untersuchung von Heranwachsenden und ihren Familien, die 2010 in den Kosovo zurückgebracht worden waren, habe demnach sehr hohe Raten schwerer psychosozialer Probleme und Symptome ergeben. So leide etwa jedes dritte Kind zwischen sechs und 14 Jahren (29 Prozent) und jeder dritte Jugendliche (30,4 Prozent) unter klinisch nachweisbaren posttraumatischen Belastungsstörungen.

Information

Nach Angaben von UNICEF hat Österreich im Jahr 2010 888 Menschen in den Kosovo abgeschoben, im Jahr 2011 mehr als 400 Menschen.

Internationales Team

Für die Studie hat laut UNICEF ein internationales Team aus Psychologen, Ärzten und Sozialwissenschaftlern 164 Buben und Mädchen sowie 131 Eltern untersucht, die 2010 von Deutschland und Österreich - meist gegen ihren Willen - in den Kosovo zurückgebracht worden waren.

Ergebnis: Fast die Hälfte aller Jugendlichen (44,2 Prozent) leidet an Depressionen, ein Viertel (25,5 Prozent) berichtet von Gefühlen der Hoffnungslosigkeit und ein Fünftel (19,1 Prozent) empfindet das Leben als nicht lebenswert. 25,5 Prozent haben Selbstmordgedanken. Ein Drittel (33 Prozent) der Mädchen zwischen sechs und 14 Jahren zeigt demnach Symptome einer klinischen Depression, 35,2 Prozent leiden unter Angstzuständen. Jedes zweite Kind und jeder zweite Jugendliche beschrieb seine Rückkehr als das schlimmste Erlebnis seines Lebens (54,9 Prozent).

"Systematische Kinderrechtsverletzungen"

"Hinter dem harmlos erscheinenden Begriff Rückführung verbergen sich systematische Kinderrechtsverletzungen", kritisierte Gudrun Berger, Geschäftsführerin von UNICEF Österreich. Die meisten seien durch den Akt der Rückführung traumatisiert. "Sie wurden in eine fremde Heimat rückgeführt und leiden seither unter Depressionen, Angstzuständen, oder sogar Selbstmordgedanken - und das in einem Land, in dem Kinder und Jugendliche faktisch keinen Zugang zum Gesundheitssystem haben."

Man rufe angesichts der Ergebnisse der Untersuchung dazu auf, die Rechte der Kinder und ihre besonderen Schutzbedürfnisse bei Abschiebungen und Rückführungen jederzeit sicher zu stellen, etwa unkomplizierten und ungehinderten Zugang zu einer psychiatrischen bzw. psychologischen Gesundheitsversorgung.




Schlagwörter

Abschiebung, Asyl, Kosovo, Migration

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-05-31 13:33:28
Letzte Änderung am 2012-05-31 16:26:59


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