• vom 31.07.2012, 14:14 Uhr

Politik & Recht

Update: 31.07.2012, 17:05 Uhr
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Die Flagge ist der Ausweis einer Nation und mitunter so kompliziert wie deren Geschichte

Ein patriotisches Stück Stoff


Von Edwin Baumgartner

  • Revolution, Krieg und Blutvergießen sind oft Themen der Nationalflaggen.

Flaggen gehören heute zu den Olympischen Spielen wie die Butter aufs Brot. Zahlreiche Flaggen nützen die Möglichkeiten der Symbolik, um - mitunter durchaus blutige - Geschichten zu erzählen.

Flaggen gehören heute zu den Olympischen Spielen wie die Butter aufs Brot. Zahlreiche Flaggen nützen die Möglichkeiten der Symbolik, um - mitunter durchaus blutige - Geschichten zu erzählen.© APA/HELMUT FOHRINGER Flaggen gehören heute zu den Olympischen Spielen wie die Butter aufs Brot. Zahlreiche Flaggen nützen die Möglichkeiten der Symbolik, um - mitunter durchaus blutige - Geschichten zu erzählen.© APA/HELMUT FOHRINGER

Flaggen, wohin man schaut. Logisch: Olympische Spiele. 204 Nationen - 204 Nationalflaggen. Manche schlicht, manche schreiend bunt. Patriotischer Stoff, der patriotischen Stoff erzählt: vom Werden einer Nation, von Revolutionen, von Kriegen und Siegen. Mit Nation und Kampf beginnt die Geschichte der Flagge - und die ist am Anfang maritim. Die Idee der Nationalflagge nämlich kommt um 1600 auf, sozusagen als Nationalitätsausweis für ein Schiff. Später werden Flaggen für die Verständigung auf See benützt; und für klare Zeichensetzung obendrein: Jenes Schiff eines Kriegsverbands, auf dem sich der Admiral befindet, hisst dessen Flagge und wird dadurch zum Flaggschiff. Flaggschiff ist also eine übertragbare Funktion. Wechselt der Admiral das Schiff, wechselt auch das Flaggschiff.

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Das Wort "Flagge" stammt vom altnordischen "flogra" ab, was "flattern" bedeutet. Die Flagge ist eine Weiterentwicklung der Standarte, die spätantiken und mittelalterlichen Truppen als Markierungspunkt galt: Man folgte der Standarte in die Schlacht, und wenn es dem Feind gelang, die Fahne zu erobern, konnte er gehörig Verwirrung stiften.

Genau genommen sind Flaggen übrigens keine Fahnen und umgekehrt. Eine Fahne ist ein Unikat, sie dient als Zeichen einer Gruppe, in früheren Zeiten etwa einer Zunft, heute eines Vereins oder eines Regiments. Die Fahne ist fest mit dem Fahnenstock verbunden, sie kann geschwenkt, nicht jedoch gehisst werden.

Was hingegen gehisst wird, und zwar in der Regel auf einem senkrechten oder schrägstehenden Mast, ist eben die Flagge. Sie ist reproduzierbar, sie wird in verschiedenen Größen und Stückzahlen hergestellt. Weht die Flagge von einer Querstange, heißt sie Banner. Was die Olympiamannschaften bei der Eröffnungsfeier trugen, ist streng genommen ein Hybrid: Kein Unikat, also keine Fahne, aber fest mit dem Stock verbunden, ergo keine Flagge.

Flaggen stehen für Nationen, hinter der Flagge versammelt sich die Bevölkerung eines Landes. In vielen Fällen erzählen ihre Symbole die Geschichte einer Nation. Eine verwickelte Geschichte führt bisweilen zu einer komplizierten Flagge, etwa jener des Gastgeberlandes der Olympischen Spiele.

Der Union Jack Großbritanniens zählt zu den komplexesten Flaggen überhaupt. Kein Wunder: Er besteht aus drei übereinandergelegten Flaggen. Das aufrechte rote Kreuz auf weißem Grund steht für England, das weiße Schrägkreuz auf blauem Grund für Schottland, das rote Schrägkreuz auf weißem Grund für Irland.

König Jakob I., der England und Schottland in Personalunion regiert, führt den Union Jack, vorerst noch ohne irisches Kreuz, im Jahr 1606 als Nationalflagge ein. Nach dem Ende des englischen Bürgerkriegs, 1649, in dessen Verlauf Oliver Cromwell Irland unterwarf, wird die englisch-schottische Flagge um eine irische Harfe ergänzt - aber das dauert nur bis 1660. Danach verzichtete man auf die Darstellung Irlands auf der britischen Flagge. Das dauert bis 1801, als im Verlauf der Integration Irlands ins großbritische Reich auch die irische Flagge in die britische aufgenommen wird.

England dominiert
Der Union Jack sagt übrigens ganz deutlich, wer im Reich das Sagen hat: Das englische Kreuz liegt dominierend über dem schottischen und dem irischen. In Schottland sah man das im Jahr 1606 ganz anders - und zeichnete das schottische Kreuz über das englische und das irische. Dass diese Version des Union Jack keinen Bestand hatte, versteht sich von selbst.

Wer oft englische Filme oder Fernsehserien sieht, speziell jene, in denen Schiffe vorkommen, hat sicherlich schon britische Flaggen entdeckt, die das komplizierte Gebilde aus Kreuzen auf nur ein Viertel einer sonst einfärbig roten oder einfärbig blauen Flagge beschränken. Diese Flaggen sind das "Red Ensign" (bei rotem Grund), das von Handelsschiffen, und das "Blue Ensign" (bei blauem Grund), das von der Kriegsmarine geführt wird. Auch diverse britische Kolonien führten das "Blue Ensign", das sie mit einem charakteristischen Zusatz ergänzten, Gambia etwa mit einem Elefanten.

Eine gerade durch ihre Einfachheit einprägsame Flagge ist die französische, oft als die "Tricolore" bezeichnet, was heraldisch jedoch falsch ist. Als "Tricolore" gilt nämlich jede Flagge, deren Symbolik ausschließlich aus drei unterschiedlichen Farben besteht. Die französische Flagge ist daher eine Tricolore, wie auch die unserer Nachbarländer Italien und Deutschland Tricoloren sind.

Die französische Tricolore ist die Flagge der Französischen Revolution. Ursprünglich war sie mit umgekehrter Farbenfolge als Seekriegsflagge in Verwendung - da symbolisierte der weiße Streifen noch das Königshaus. Dieses Weiß war freilich einschränkend flankiert durch Rot und Blau, die Farben des Volks von Paris, das die Macht des Königs begrenzte.

Die Abschaffung der Monarchie am 21. September 1792 macht diese Symbolik hinfällig, man belegt die Farben mit einer neuen: Weiß für Freiheit, Blau für Gleichheit, Rot für Brüderlichkeit. Am 15. Februar 1794 wird die Flagge mit der heutigen Farbreihenfolge zur Nationalflagge Frankreichs erklärt und ist es seither geblieben.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-07-31 14:20:07
Letzte Änderung am 2012-07-31 17:05:07


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