WZ-Reflexionen

- © AFP/Natalia Kolesnikova

Oktober-Revolution

Toter Oktober7

  • Vor 100 Jahren kam Lenin durch die Oktoberrevolution an die Macht: Ein unbequemes Gedenkjahr, um das sich der Kreml drückt.

Lenin war kein Mann der sanften Worte. "Dieser schmutzige Schaum", wie er seine politischen Gegner nannte, müsse endlich von der Weltrevolution "hinweggespült" werden. Über das Programm der Provisorischen Regierung, die er wenige Monate später stürzen sollte... weiter




"Wir machen viele Experimente mit dem Publikum. Manches wird verstanden, manches nicht. Daraus lernen wir." (Matthias Beitl). - © Stanislav Jenis

Interview

"Heimat ist ein gefährlicher Begriff"9

  • Matthias Beitl, der Direktor des Wiener Volkskundemuseums, spricht über Ausstellungen, die nicht von allen Besuchern verstanden werden, erklärt den Unterschied zwischen Heimat- und Volkskundemuseum - und verrät, warum er keine Trachten mehr trägt.

"Wiener Zeitung": In Wahlkampfzeiten hat der Heimatbegriff Hochkonjunktur. Da packen Politiker ihre Lederhosen aus und sprechen wieder Dialekt. Aber was genau ist das eigentlich: Heimat? Matthias Beitl: Ich war überrascht, als beim Präsidentschaftswahlkampf im letzten Jahr der Begriff Heimat sehr... weiter




Judas, der seinen Herrn Jesus mit einem verlogenen Kuss verriet, gilt bis heute als der Prototyp des Verräters. - © Wikimedia/ Ausschnitt aus einem Fresko von Giotto, Scrovegni-Kapelle,Padua.

Kulturgeschichte

Zwischen Schuld und Tapferkeit4

  • Der Verrat und die Verräter spielen in den großen Erzählungen der Weltliteratur ebenso eine Rolle wie in den kleinen, oft schäbigen Geschichten der Politik. Ein Überblick von Judas bis Julian Assange.

Ein Jüngling hat beschlossen, den Tyrannen seiner Stadt zu erdolchen, wird aber von den Schergen gefasst und zum Kreuzestod verurteilt. Der Tyrann willigt ein, als der Attentäter bittet, seine Hinrichtung um drei Tage zu verschieben; "mit arger List" akzeptiert er den Freund des Attentäters als... weiter




"So wurde ich ein Verleger, ohne ein Verleger werden zu wollen . . ." Peter Engelmann. - © Peter Jungwirth

Interview

"Postmoderne ist die zeitgemäße Aufklärung"3

  • Vor 30 Jahren gründete Peter Engelmann den in Wien ansässigen Passagen Verlag, der sich vor allem auf gegenwärtige französische Philosophie spezialisiert hat.

"Wiener Zeitung": Dreißig Jahre Passagen Verlag - das ist ein Anlass, diese Erfolgsgeschichte zu rekonstruieren. Wie ist es zur Verlagsgründung gekommen? Peter Engelmann: Die Person, die den Anstoß für die Verlagsgründung gegeben hat, war Michel Foucault... weiter




Ruhmeshalle der Franzosen und Grabstätte nationaler Größen: Das Panthéon im Pariser Quartier latin, hier im Flaggenschmuck eines Staatsfeiertags.  - © Robert Bressani

Literatur

Tradition des Austauschs2

  • Frankreich ist Ehrengast auf der Frankfurter Buchmesse. Wie präsent ist die französische Literatur auf dem deutschsprachigen Buchmarkt? Ein Überblick.

Im Oktober 1989 war Deutschland ein geteiltes Land. Helmut Kohl und François Mitterrand standen an der Spitze ihrer politisch und wirtschaftlich etwa gleich starken Staaten, vielen Westdeutschen waren Franzosen näher als Ostdeutsche, und Bücher gab es nur auf Papier... weiter




Gemeindebau

Jazz für Doderer von der 2er Stiege6

  • Eine halbe Million Wiener wohnt in Gemeindebauten. Darunter auch der weltbekannte Jazzer Franz Koglmann.

Man stelle sich vor: Wien, gehüllt in feinen Nieselnebel. Graue Gemeindebauten, Pfützen auf Asphalt. Wer an so einem Tag unterwegs ist, huscht mehr als er geht. Und doch huscht der Interviewer beschwingt, er lächelt sogar. Seine Ohren sind mit kleinen Kopfhörern verstöpselt... weiter




Das Schloss Gratzen/Nové Hrady bei Gmünd war vermutlich das Vorbild für den fiktiven Schauplatz von Mörikes Novelle. - © Ludwig

Musik und Literatur

"Nur eine flüchtige Erscheinung"

  • 1787 reiste Wolfgang Amadeus Mozart nach Prag, um dort seinen "Don Giovanni" uraufzuführen. Eduard Mörike hat diese Episode 1855 in der Novelle "Mozart auf der Reise nach Prag" fantasievoll neu erzählt.

Vor 230 Jahren reiste Wolfgang Amadeus Mozart in Begleitung seiner Frau Constanze zum zweiten Mal von Wien nach Prag, wo er die Uraufführung des "Don Giovanni" leiten sollte. Die Monate vor dieser Reise waren von Todesfällen überschattetet: Mozarts Vater und ein Freund starben bereits vor dem Sommer... weiter




Günther Paal im Gespräch mit WZ-Redakteur Mathias Ziegler. - © Moritz Ziegler

Interview

Die Verantwortung des Schiffskochs4

  • Der Kabarettist Günther Paal alias Gunkl erklärt, wie er mit seinem Asperger-Syndrom umgeht, warum er kein Best-Of-Programm spielen möchte - und warnt davor, die Intelligenz des Publikums zu unterschätzen.

"Wiener Zeitung": In Ihrem neuen Programm "Zwischen Ist und Soll - Menschsein halt" kommen wieder die gewohnten Gunkl’schen Schachtelsätze vor. Erwarten Sie eigentlich vom Publikum aktives Zuhören oder können Sie auch damit leben, wenn jemand nur im Saal sitzt und sich einfach berieseln lässt... weiter




Zeichen einer problematischen Tendenz: Das gigantische Holocaust-Mahnmal in Berlin wird immer mehr zu einem Foto- und Abenteuerspielplatz. - © dpa/Jörg Carstensen

Tag des Denkmals

Verquaderung des Gedenkens4

  • Dem Trend zur abstrakten Denkmalsetzung ist am ehesten mit einer Portion Expressionismus beizukommen.

Die Frage "Wem und wie sollen wir heute Denkmäler errichten" ist problematischer, als es den Anschein hat. Den Durchschnittsbürger lässt dieses Thema ja in der Regel einigermaßen kalt. Wir sind weit entfernt vom Eifer des 19. Jahrhunderts. Damals sprossen allerorts die Denkmalvereine und bedachten... weiter




Der SF-Film "Arrival" behandelt die Differenz zwischen Natur- und Geisteswissenschaft. - © themovie

Wissenschaft

Unrentabel, aber sinnvoll17

  • Ökonomisch betrachtet, sind Geisteswissenschaften vor allem eines: teuer und kaum profitbringend. Dennoch sind sie nötig, denn sie tragen zu einem differenzierten Weltverständnis bei.

Stellen Sie sich vor, es wäre ein unidentifizierbares (sic!) Flugobjekt in einem entlegenen Teil Tirols gelandet. Niemand weiß, weshalb es dort rund drei Meter über der Erde schwebt. Niemand kann erklären, wie sich der Monolith zur Erde bewegt hat. In der Atmosphäre sind keinerlei Spuren zu finden... weiter




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