• vom 25.11.2017, 14:30 Uhr

Geschichten


Yoga-Tourismus

New Age und alte Weisheiten




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Von Günter Spreitzhofer

  • Die Beatles waren hier, Donovan auch und Mike Love von den Beach Boys . . . Die selbsternannte Yoga-Welthauptstadt Rishikesh zehrt von ihrem Hippie-Image ebenso wie von ihrem spirituellen Erbe.



Das Rückgrat des Tourismus in Rishikesh bilden kleine Yogaschulen wie diese.

Das Rückgrat des Tourismus in Rishikesh bilden kleine Yogaschulen wie diese.© Spreitzhofer Das Rückgrat des Tourismus in Rishikesh bilden kleine Yogaschulen wie diese.© Spreitzhofer

Helga ist begeistert. Gestern noch im Büro in Hernals, heute schon Dreadlocks im Haar und Crocs am Bein. Bloß 20 Euro haben die acht Kilometer vom Busbahnhof bis zur Hängebrücke Lakshman Jhula gekostet, mit einer Vikram, einem gecharterten Sammeltaxi in Gestalt einer Riesen-Autorikscha. Und morgen beginnt der einwöchige Astrologie-Grundkurs mit Handlese-Ausbildung, gleich neben der German Bakery, wo die Zimtschnecken so gut sein sollen. Hat ihre Freundin gesagt.

Information

Günter Spreitzhofer, geb. 1966, ist Lektor am Institut für Geographie und
Regionalforschung der Universität Wien; Arbeitschwerpunkte:
(Südost)Asien; Tourismus, Urbanisierung & soziokulturelle
Transformation.

In Rishikesh leben rund 75.000 Menschen. Nicht alle steuern Vikrams, aber das Taxifahren zahlt sich aus, obwohl Inder nur ein paar Cents für die Strecke zahlen, die den Touristen 20 Euro kostet. Zu Pilgerzeiten ist der Andrang groß, doch Zählen ist nicht einfach, denn viele sind bloß auf der Durchreise und lagern überall. Sadhus, die heiligen Männer Indiens, rauchen allerlei Gras unter den Balkonen schäbiger Apartment-Blocks, wenn im Sommer die Monsunregen prasseln. Sonst übrigens auch meistens. Doch nicht jeder vermeintliche Sadhu ist ein wahrhaftiger, nur weil er Orange trägt.

Am heiligen Fluss

Die Stadt liegt am heiligen Fluss Ganges an der Südflanke des nordindischen Himalaya: Benannt wurde der alte Pilgerort des Hinduismus nach Hrishikesha, einem Beinamen Vishnus. Das Wort bedeutet "Meister der Sinne" - oder eben Gott Vishnu.

Zur Verwaltungsregion Rishikesh werden fünf lose miteinander verbundene Gebiete gezählt: Siedlungen an beiden Seiten des Flusses. Diese Gebiete beinhalten Rishikesh selbst mit seinen Geschäften und Gebäuden der öffentlichen Verwaltung, den Vorort Muni-Ki-Reti oder "Sands of the Sages", Shivananda Nagar, die Heimat des Shivananda Ashrams und der "Divine Live Society" nördlich von Rishikesh, die Tempelregion von Lakshman Jhula ein wenig weiter nördlich, sowie weitere Ashrams am östlichen Ufer des Ganges.

Rishikesh, das "Tor zum Himalaya" rund 250 km nördlich von Delhi, hat jedenfalls lange Tradition und gilt als Heimstätte des 120 Jahre alten Kailas Ashram Brahmavidyapeetham. In dieser Mediations- und Übungsstätte soll Swami Sivananda - einer der Pioniere des modernen Yoga - Vedische Traditionen studiert und an seinen Schüler Andre van Lysebeth weitergegeben haben. Diese sogenannte Rishikesh-Reihe wurde zur Grundlage für viele Hatha-Yoga-Richtungen, unter anderem auch für die Yoga-Vidya-Reihe, auf deren Grundlage alleine in Deutschland alljährlich hunderte Yoga-Lehrer ausgebildet werden.

Das Städtchen liegt dort, wo der Ganges die letzten grünen Schluchten am Fuß des Himalaya verlässt und sich seinen Weg durch die nordindischen Tiefebenen zu bahnen beginnt. Seit Jahrhunderten strömen Pilger genau hier nordwärts, hinauf zu den Quellflüssen des heiligen Flusses. Zigtausende klettern alljährlich zu den Tempelanlagen von Kedarnath, Badrinath, Yamunotri oder Gomukh, wo Gletscher die ersten Wasser des Ganges freigeben. Ein wenig Meditieren davor in Rishikesh soll jedenfalls näher zur Moksha, zur Erlösung, führen. Angeblich. Dazu ein Bad im heiligen Fluss, der hier noch grün und eisig ist und so schnell fließt, dass sich auch mit Rafting reichlich Rupien machen lassen.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-11-23 17:56:05
Letzte ─nderung am 2017-11-24 12:16:23



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