• vom 13.04.2001, 00:00 Uhr

Kompendium

Update: 01.03.2005, 15:01 Uhr

Mystik

Festtag für Schwarzseher




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Von Christian Pinter

  • Freitag, der 13.: Die Geschichte eines "Unglücksdatums"

Kein anderes kalendarisches Zusammenspiel beunruhigt Zeitgenossen so sehr wie "Freitag, der 13." - einer im Vorjahr veröffentlichten Umfrage zufolge schreiben ihm immerhin 8 Prozent der Österreicher besondere Wirkung zu. Einige Menschen fürchten sich geradezu panisch. Einziger Trost: er taucht zwar mindestens einmal, höchstens aber dreimal pro Jahr auf. Im April 2001 fällt er ausgerechnet auf den Karfreitag. Ein passender Anlass, der Herkunft des angeblichen "Unglücksdatums" nachzuspüren.


Einige sagen, dass ein Fluch Pate stand: Am Freitag, den 13. Oktober 1307, wurden Mitglieder des Templerordens festgenommen. Der geistige Ritterorden, dessen Namen sich vom Tempelberg in Jerusalem ableitet, war 1119 zum Schutz von Pilgern gegründet worden. Die Eroberung von Ländereien verschaffte ihm Macht und Vermögen. Mit Billigung Roms wurde er Bankier europäischer Höfe. Speziell die französische Krone war arg verschuldet. Philipp IV. wollte sich der Außenstände entledigen, indem er - mit Unterstützung des von ihm abhängigen Papstes Klemens V. - den Orden der Ketzerei und Unmoral anklagte. Als man den letzten Großmeister, Jacques de Molay, zum Scheiterhaufen führte, soll er König und Papst baldigen Tod prophezeit haben. Sie starben tatsächlich binnen weniger Monate.

Miserables Image

Doch in Wahrheit ist die Sache viel komplexer. Da ist zunächst das seltsam miserable Image der "13". In US-Hotels sucht man oft ein Zimmer, ja ein ganzes Stockwerk mit dieser Aufschrift vergeblich. Ähnliches gilt für Bürokomplexe. Viele Fluggesellschaften, auch die AUA, übergehen diese Sitzreihe, und in der Formel 1 fehlt die Nr. 13 ebenfalls im Starterfeld.

Es gibt Zeitgenossen, die 13-köpfige Tischgesellschaften meiden. Wer eine solche als erster verlässt, so ein Aberglaube, dem drohe baldiges Ableben. Von einem Nobelrestaurant ist bekannt, dass es notfalls eine hölzerne Katze als "14. Gast" an die Tafel setzt. Gelegentlich muss das Letzte Abendmahl zur Erklärung des schlechten Rufs der "13" herhalten. Jesus feierte es mit seinen zwölf Jüngern. Der 13. Teilnehmer wäre, so wird vorgerechnet, entweder Jesus selbst gewesen oder Judas Ischariot, der ihn verriet.

Beim Blick in den Kalender stößt man alle 29 oder 30 Tage auf das Vollmondsymbol. Der Mondmonat ist die älteste Kalendereinheit. Denn das Eintreten des vollen Mondrundes war jedermann ersichtlich. Auch ohne Lese- oder Rechenkenntnisse ließ sich z. B. leicht ein Treffen "am Tag nach dem Vollmond" ausmachen. Manche Völker glaubten überhaupt, der Mond sei bloß zur Zeiteinteilung geschaffen worden.

Wie schon die alten Babylonier erkannten, dauert das komplette Phasenspiel des Mondes 29,53 Tage. Notiert man die Örter aufeinanderfolgender Vollmonde zwischen den Sternen, rücken diese jeweils um ein Zwölftel des Himmelsrunds weiter. Auch die Sonne legt in einem Monat ein Zwölftel ihres Jahreswegs zurück. Daher teilte man die Bahn in zwölf Abschnitte, die Tierkreiszeichen.

Die uns heute vertrauten zwölf Sternbilder des Tierkreises, wie etwa Steinbock oder Jungfrau, gehen im wesentlichen auf die Babylonier zurück. Die Griechen umgaben sie später mit eigenen Mythen, benannten sie teilweise um.

Offensichtlich repräsentierte die "12" wie kaum eine andere Zahl die himmlische Ordnung. In altorientalischen Kulturen wurde sie zum Symbol der Vollkommenheit und auch auf dem griechischen Olymp wohnten wohl nicht zufällig 12 Götter. Ottonische Herrscher setzten auf ihre Prunkkästen die 12 Tierkreiszeichen sogar über die 12 Apostel, als ob hier eine Beziehung bestünde.

Leider umfasst das Sonnenjahr nicht exakt 12, sondern 12,37 Mondmonate. Nach einem Dutzend Vollmonden sind nämlich erst 354 Tage vergangen - 11 zu wenig. Folgt man dem reinen Mondkalender, würde ein bestimmtes Kalenderdatum im Lauf eines einzigen Menschenlebens durch sämtliche Jahreszeiten wandern. Diese Erfahrung machen Moslems z. B. mit dem Fastenmonat Ramadan. Um die Termine von Aussaat und Ernte zu bestimmen, reicht der Blick zum Mond allein nicht.

Der 13. Mond

Wollte man den Mondkalender mit dem Sonnenjahr ins Reine bringen, mussten die elf fehlenden Tage eingesetzt, also z. B. ein hypothetischer, kurzer "13. Mond" eingeschaltet werden. Am Himmel gibt es ihn freilich nicht. Die schöne Anbindung des Kalenders an die sichtbaren Mondphasen ging damit verloren. Das Problem des "13. Mondes" störte die klare Himmelsordnung, löste wohl Unbehagen aus.

Die Babylonier entschieden sich, alle paar Jahre einen zusätzlichen Monat einzufügen. Julius Cäsar teilte die elf überzähligen Tage hingegen auf die zwölf Monate auf. Er schuf damit die Basis unserer heutigen Kalendermonate, die mit Ausnahme des Februar alle länger sind als der Mondmonat. Die Ähnlichkeit der Worte "Monat" und "Mond" lässt den Ursprung jedoch noch erahnen.

Der Astronomiehistoriker Ernst Zinner fasste es so zusammen: "Die Menschen lernten den Mondwechsel zur Zeitteilung verwenden und von da aus zur Einteilung des Jahres fortschreiten. 12 Mondwechsel während eines Jahres galten als Regel; aber nach einer Reihe von Jahren musste es sich herausstellen, dass diese Rechnung nicht stimme", so Zinner. "Damit ergab sich, dass die anscheinend so glatte Rechnung zwischen Jahren und Monaten nicht richtig war. Der 13. Monat, der Schaltmonat, wurde als ungehörig angesehen. Die Zahl 13 selbst kam dadurch in Verruf und wurde zur Unglückszahl."

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Dokument erstellt am 2001-04-13 00:00:00
Letzte Änderung am 2005-03-01 15:01:00


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