Flammen lodern vor dem Reiterdenkmal des Jan ika von Trocnov. Soldaten eskortieren den Präsidenten der Republik beim Einzug in den prachtvoll restaurierten Festsaal. Ein Bläserchor intoniert markerschütternd den Hussitenchoral von den "Gotteskämpfern", und im Kontrast dazu singt ein Jugendchor die Staatshymne "Wo ist meine Heimat?" a cappella und einstimmig. Michal Luke, der Generaldirektor des Nationalmuseums, skizziert an Hand der Leitwörter Tradition, Museum und Kultur den zukünftigen Verwendungszweck.
Wie Ausstellungskurator Marek Junek später im Gespräch präzisiert, sollen hier Soldaten vor Auslandseinsätzen angelobt werden, soll die Schuljugend mit der Geschichte ihres Staates vertraut gemacht werden; außerdem sollen 2010 hier gleich fünf Werke Thomas Bernhards aufgeführt werden, weil diese ein Spiegel des 20. Jahrhunderts seien.
Václav Klaus verkneift sich in seiner Festrede jegliche Anspielung auf den Lissaboner Vertrag und bietet stattdessen eine Kurzfassung der "komplizierten Geschichte" der Nationalen Gedenkstätte. Er sei froh, dass die Gedenkstätte jetzt erstmals tatsächlich der Öffentlichkeit dienen werde, und wünscht den Besuchern, "dass sie hier zu Erkenntnissen gelangen und Respekt vor unserer Geschichte gewinnen".

Danach spielt das Symphonieorchester des Tschechischen Rundfunks unter dem Staatswappen mit der hussitischen Parole "Die Wahrheit siegt" Dvoøáks "Böhmische Suite". Abermals erklingen die "Gotteskämpfer" und Václav Klaus begibt sich, sichtlich gut gelaunt, auf die Besichtigungstour des Gebäudes, ehe die Eröffnung mit Rinderlendenbraten, mährischem Wein und österreichischem Apfelsaft ausklingt.
Hussiten und Legionäre
Die hussitischen Anspielungen - eine der mitgetragenen Standarten zeigt auch das Symbol des Kelchs - sind nicht nur angesichts des bekennenden Hussiten Václav Klaus angebracht, sondern entsprechen auch dem Ort des Geschehens. Der dem Hradschin moldauabwärts gegenüberliegende Vítkov-Hügel ist durch eine Schlacht der Hussitenkriege ins historische Bewusstsein getreten.
Die vereinten Kampftruppen der Städte Prag und Tábor schlugen hier am 14. Juli 1420 das Heer des böhmischen Königs und späteren römischen Kaisers Sigismund. Der Sieg der Hussiten wurde erst in letzter Minute errungen und war für die Tschechen fortan eine Inspiration zum Durchhalten in aussichtsloser Lage.
Als sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die rasch anwachsende Siedlung nördlich der Königlichen Weinberge (des heutigen Stadtteils Vinohrady) verselbständigte, gab sie sich den Namen ikov. Erste Pläne nationaltschechischer Kreise, dem Namensgeber auf der steilen Anhöhe ein Denkmal zu errichten, wurden jedoch nicht verwirklicht, da die Errichtung des Nationaltheaters und die Wiederbelebung des berühmteren Vyehrad damals Vorrang hatten.
Zu einem Umschwung kam es erst nach der Ausrufung der Tschechoslowakischen Republik 1918, als die Tschechen das Bedürfnis verspürten, den zumal in Prag übermächtigen Zeugnissen der habsburgischen und damit monarchischen Vergangenheit Symbole des jungen Nationalstaats und der Republik entgegenzusetzen. Das bekannteste Beispiel für dieses Ansinnen ist die Umgestaltung der Prager Burg, die der slowenische Architekt Joe Pleènik im Auftrag des Staatsgründers Tomá G. Masaryk durchführte.
Neue Traditionen
Der selbstbewusste und wehrbereite junge Staat wollte eine neue Militärtradition begründen und fand sie im "Ersten Widerstand", den aus der k. und k. Armee desertierte Tschechen im Ersten Weltkrieg in den Heeren Italiens, Frankreichs, Serbiens und Russlands geleistet hatten. Diesen Legionären, letztlich aber der Staatlichkeit, die durch von außen genährte, polnische, ungarische und deutsche Anschlusswünsche, rein intern aber durch slowakische Sezessionspläne gefährdet war, sollte Tribut gezollt werden. So wurde die Nationale Gedenkstätte ( Národní památník ) auf dem Vítkov, die nach Plänen des Filmarchitekten Jan Zázvorka ab 1928 errichtet wurde, auch zu einem Monument des Tschechoslowakismus.

Das mit großem Elan betriebene Projekt musste mit den deutschen Aspirationen kollidieren, als die Tschechoslowakei im Gefolge des Münchner Abkommens 1938 zum Teil und im Jahr darauf vollends zerschlagen wurde. Der weitgehend fertig gestellte Bau wurde zu einem Wehrmachtslager degradiert. Und als 1950 Bohumil Kafkas ika-Statue enthüllt wurde, war auch das demokratische Intermezzo der Jahre 1945 bis 1948 bereits Geschichte.
Für die Kommunisten war eine Gedenkstätte für die Legionäre unannehmbar, hatten doch viele von diesen gegen die Rote Armee gekämpft. So wurde an das Gebäude ein Gedenksaal für die Sowjetarmee angefügt und mit der Beisetzung kommunistischer Protagonisten begonnen. Endgültig zum Mausoleum wurde das ursprünglich nur als Gedenkstätte des unbekannten Soldaten konzipierte Gebäude, als 1953 der Rädelsführer der Revolution von 1948, Klement Gottwald, verstarb und sein Leichnam nach Moskauer Vorbild konserviert und zur Schau gestellt wurde.