• vom 12.01.2007, 16:02 Uhr

Kompendium

Update: 07.10.2009, 15:53 Uhr

Sport

Robert Seeger




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Von Gerald Schmickl

  • "Ich wollte stets schneller sein als die Zwischenzeit!"
  • Sportreporter Robert Seeger über die Gründe, warum er keine Skirennen mehr kommentiert, die Bilanz seiner 40-jährigen Karriere und was er mit all seinen Norwegerpullis macht.

Wiener Zeitung: Herr Seeger, als junger Mann wollten Sie ja gar nicht Sportreporter werden, sondern in die USA auswandern. Die "Green Card" hatten Sie bereits in der Tasche . . .


Robert Seeger: Ja, und die habe ich auch benutzt. Ich bin 1964 in Amerika eingewandert und habe in New York von einem Freund eine Stelle bei der UNO übernommen, in der Filmabteilung, wobei es meine Aufgabe war, Filmrollen, auf denen einzelne Sitzungen und Meetings aufgezeichnet waren, zu archivieren und auf Verlangen in einen Vorführraum zu bringen. Nach einem Dreivierteljahr, im Winter 1964, bin ich nach Hause gefahren, um meine Mutter zu besuchen. Während dieses Weihnachtsurlaubs wurde ich von Radio Steiermark interviewt. Ein Grazer in New York, das war halt damals noch etwas Besonderes! Anscheinend habe ich mich bei diesem Interview geschickt angestellt, denn danach wurde ich gefragt, ob ich mir nicht vorstellen könnte, beim Radio mitzuarbeiten. Das war bis dahin kein Thema für mich gewesen.

Es gab aber noch einen zweiten Grund, warum ich mir überlegte, nicht mehr in die USA zurückzukehren. Denn ich hätte dort, wie jeder Immigrant, zur Musterung müssen. Ursprünglich hatte ich ja vor, 24 Monate Dienst bei der Army zu machen, um danach die amerikanische Staatbürgerschaft zu erhalten. Aber ich wurde von Freunden gewarnt, dass alle Ausländer nach einer kurzen Grundausbildung nach Vietnam versetzt würden. Diese Aussicht und das Angebot vom Rundfunk haben mich schließlich bewogen, nicht mehr nach Amerika zurückzukehren, sondern in Graz zu bleiben. Somit war ich von Februar 1965 bis 31. Juli 2006 beim ORF.

Damit schließen Sie den Kreis Ihrer Berufslaufbahn. Sie sind, wie Sie sagen, seit Mitte vergangenen Jahres in Pension. Ist Ihre Karriere als Sportkommentator damit unwiderruflich zu Ende?

Ich wurde im Juli 2006, mit Erreichung meines 65. Lebensjahres, pensioniert, erhielt aber von der Generalintendantin einen Anschlussvertrag für zwei Jahre, der beinhaltet, dass ich weiterhin Skirennen, Fußball, Schwimmen und Leichtathletik kommentieren darf. Aber dann kam der 12. September 2006, an dem ich von der Agentur des Harti Weirather das Angebot erhielt, einen Werbespot für Iglo zu machen - und zugleich einen Anruf des ÖSV-Präsidenten, der mich ebenfalls zu diesem Auftritt einlud. Ich hatte 48 Stunden Bedenkzeit. Ich erkundigte mich bei der ORF-Rechtsabteilung, die mir deutlich machte, dass das ein Verstoß gegen das Werbeverbot sei - und regelmäßige ORF-Tätigkeiten danach nicht mehr möglich wären. Ich habe mich trotzdem entschieden, den Spot zu machen - und das war, ich sage es ganz offen, eine der besten Entscheidungen meines Lebens!

Wieso das? Sie haben damit ja freiwillig auf die Fortsetzung Ihrer Karriere verzichtet!

Ja, und ich sage Ihnen warum. Seit der Beginn der neuen Skisaison . . .

. . . gibt es kaum mehr österreichische Siege bei den Männern!

(lacht) Ja, so kann man es auch sehen. Ich habe dem ÖSV eh schon mitgeteilt, dass sie langsam aufhören können, um mich zu trauern, und wieder gewinnen sollen. Mittlerweile haben sie es ja geschafft. Aber das nur im Spaß gesagt. Nein, die beste Entscheidung meines Lebens war es deshalb, weil mir etwas gelungen ist, was nur wenigen Sportlern gelingt: Abzutreten, solange man noch wer ist. Ich merke das tagtäglich. Erst heute wieder wurde ich am Grazer Hauptplatz von mehreren Leuten angesprochen, die sagten: "Das heißt ja nichts mehr, seit Sie Skifahren und Fußball nicht mehr kommentieren!" Ich war eine markante Stimme für diese Menschen, eine Art Identifikationsfigur. Was kann einem schon Besseres passieren, als wenn man in guter Erinnerung behalten wird?

Aber nach mehr als 30 Jahren Dauereinsatz im Sportgeschehen hätten Sie doch sicher noch gerne zwei Jahre weitergemacht!?

Ja, ich hätte sicher den Rat meiner Frau ignoriert, die immer sagte, hör doch zum richtigen Zeitpunkt auf. Ich hätte weitergemacht, ich fühle mich ja noch stark. Trotzdem war, rückblickend gesehen, meine Entscheidung richtig. Und die konnte ich nur treffen, weil mir das Schicksal die Möglichkeit dazu gab, sonst hätte ich es nicht gemacht. Dann hätten vielleicht Sie oder ein anderer Journalist in einem Jahr geschrieben: "Langsam Zeit, dass der Alte endlich aufhört." Das hätte mir wehgetan. Oder ich wäre im ORF vielleicht nicht mehr voll eingesetzt worden. Hätte dann vielleicht nicht mehr die Rennen von Kitzbühel kommentieren dürfen, sondern nur mehr die von Maribor.

Betrifft diese Entscheidung nur die Skirennen?

Nein, Ski und Fußball. Wobei es beim Fußball schon länger klar war. Nach meinem neunten Finale bei der letztjährigen WM in Deutschland war für mich Schluss. Damit habe ich eh schon mehr erreicht als jeder andere Kommentator vor mir. Schwimmen und Leichtathletik darf ich hingegen weiterhin kommentieren, das ist mit den Werbeauftritten vereinbar. Mein Ziel ist, diese beiden Sportarten, die ich immer geliebt habe, auch wenn sie nicht so publikumswirksam sind, bei den nächsten Sommerspielen in Peking 2008 zu kommentieren. Als endgültigen Abschluss.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2007-01-12 16:02:44
Letzte Änderung am 2009-10-07 15:53:00



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