• vom 10.10.2003, 00:00 Uhr

Kompendium

Update: 01.03.2005, 12:15 Uhr

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Anmutig wie eine Nixe




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Von Peter Michael Braunwarth

  • Über die Malerin und Kinderbuchautorin Bettina Ehrlich

Maria Altmann, die Tochter von Adele Bloch-Bauers Schwester Marie-Therese ("Thedy"), ist aufgrund der Restitutionsforderung, die sie in Sachen von sechs der wichtigsten Klimt-Gemälde gegenüber der Republik Österreich erhebt, seit ungefähr vier Jahren vielen ein Begriff. Hier soll jedoch an eine andere Nichte erinnert werden, an Bettina, die Tochter von Adele Bloch-Bauers Bruder Eugen Bauer (1869 bis 1915).

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Bettina Bauer wird am 19. März 1903 in Wien geboren. Wegen ihrer schwachen gesundheitlichen Konstitution verbringt sie bereits in der Kindheit viel Zeit in Grado, ein Ort, der bestimmend für ihr Werk werden sollte. 1920 bis 1923 studiert sie an der Kunstgewerbeschule in Wien, danach für zwei Jahre in Berlin. Sie etabliert sich als freie Künstlerin, Malerin und Lithographin, später kommt als ein erfolgreicher Zweig ihrer Tätigkeit textiler Handdruck hinzu.

In den zwanziger Jahren ist sie mit Arthur Schnitzlers Sohn Heinrich befreundet. Der Dichter kann sie gut leiden, sie ist regelmäßig zu Gast in der Sternwartestraße. (Tagebuch 18. 3. 1925: "Bettina B.; hübsch und sympathisch.-") Bettina erinnert sich noch 60 Jahre später an diese Einladungen zum Essen, an die Wirtschafterin, die die weißen Kittel aus der Ärztezeit des Hausherrn auftrug. Auch zwei Anekdoten, die sie über Schnitzler erzählt, haben mit dem Essen zu tun: Bei einer Begegnung im Berliner Hotel Bellevue sitzen beide in der Halle zusammen. Schnitzler bestellt Brötchen mit Kaviar, aber als sie kommen, nimmt er keines und fordert Bettina auf, alle zu essen. Bettina verwundert: "Aber Herr Doktor, ich weiß doch, dass das Ihre Lieblingsspeise ist. Warum nehmen Sie denn nichts?" "Weil man seine Selbstbeherrschung an kleinen Dingen üben soll, damit man sie bei größeren Gelegenheiten außer acht lassen kann." In Wien besucht sie der Autor in ihrer Wohnung in der Taubstummengasse, und steigt alle vier Stockwerke zu Fuß hinauf: "Aber Herr Doktor, warum haben Sie denn nicht den Aufzug benützt?" "Ja, wissen Sie, ich hab von einem Menschen gehört, der in einem Aufzug immer vom Keller in den Dachboden und wieder hinunter fahren musste, weil der Aufzug kaputt war. Und die Vorstellung, in einem Aufzug zu verhungern, ist mir unerträglich!"

1930 heiratet Bettina Bauer den Zeichner, Radierer und Bildhauer Georg Ehrlich (1897 bis 1966), wie sie ein Absolvent der Wiener Kunstgewerbeschule (und Schüler Oskar Strnads). Die Kunsthistorikerin Erika Tietze-Conrat schrieb: "Er gewann die meiste Sicherheit und das größte Selbstvertrauen durch seine Heirat mit Bettina, die ebenso schön ist wie sie begabt ist - gleichermaßen als Malerin und Autorin. Bettina verbindet die Weitherzigkeit der Bohèmienne mit dem Lebensstil einer Frau von Welt." 1938 emigrieren beide nach London, das ihr fester Wohnsitz bleibt.

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Dokument erstellt am 2003-10-10 00:00:00
Letzte Änderung am 2005-03-01 12:15:00



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