Licht im Wert von 1 bis 2 Mrd. Dollar, so die Schätzung, wird allein in den USA
jährlich in den Himmel verpulvert. Das meiste davon nicht absichtlich. Schlecht
abgeschirmte Lampen lassen es seitlich nach oben entweichen, statt es auf die zu
beleuchtenden Flächen darunter zu werfen. Wieviel Licht vergeudet wird, hängt von
Bauart und Anbringung der Beleuchtungskörper ab. Meist sind es einige Prozent, im
Extremfall verschwindet jedoch auch mehr als die Hälfte gen Himmel.
Dort braucht es freilich niemand. Würde man die Photonen konsequent auf ihr
eigentliches Ziel einschwören, könnte man die Leistung der Glühlampen und Röhren
entsprechend drosseln - ohne an tatsächlicher Beleuchtungsstärke einzubüßen, ohne
Sicherheit und Sicherheitsempfinden zu stören.
In den USA wird darüber seit Jahren diskutiert. Mehrere Städte haben ihre
Straßenbeleuchtung umgerüstet oder achten wenigstens bei der Neuinstallierung auf
größere Effizienz: reflektierende Abschirmungen blocken nach oben und in
Horizontnähe ab, bündeln das Licht streng nach unten. Das kalifornische San Diego will
sich solchermaßen 3 Mill. US-Dollar pro Jahr zu ersparen.
In Mitteleuropa scheint dies noch kaum Thema zu sein. Dabei beweist der
Lokalaugenschein: Auch hier strahlen Straßenlampen verschwenderisch nach oben,
beleuchten die Fronten hoher Wohnhäuser mit, als gelte es, einen Großangriff von
Fassadenkletterern abzuwehren. Dieses Licht fehlt am Boden - ein Manko, das durch
stärkere Lampen kompensiert wird.
Bequeme Nacht Ein Blick aus dem Fenster im dritten Stockwerk macht das Problem
deutlich. Eigentlich sollte man die Neonröhren in Straßenlampen, die niedriger
angebracht sind als der eigene Standort, gar nicht erkennen. In einiger Entfernung tut
man es meist dennoch. Ihr schräg nach oben entweichendes Licht wird von Wänden
und Zimmerdecken darüber liegender Wohnräume reflektiert, taucht diese in konstantes
Halbdunkel. Um schlaftrunken den Weg zum Kühlschrank zu finden, braucht man den
Griff zum Lichtschalter oft gar nicht mehr zu tun.
Das ist bequem. Doch dieses Licht ist immer da, ob es nun gebraucht wird oder nicht.
Bei unglücklichem Zusammenspiel von Fensterlage und Straßenlampen kann das
streunende Kunstlicht sogar den Mond an Helligkeit übertreffen - und nicht wenige
Menschen schwören, daß sie das Licht des Vollmonds um die Nachtruhe bringt.
Selten kommt Druck nach effizienteren Beleuchtungskörpern auf. Energie ist nach wie
vor billig. Ein Teil der Produktions- und Folgekosten wird einfach auf kommende
Generationen abgewälzt. Das Kilowatt als Hypothek: fossile Brennstoffe, zu deren
Bildung Jahrmillionen nötig waren, werden in Jahrzehnten verheizt; Veränderungen des
Erdklimas durch freigesetztes Kohlendioxid in Kauf genommen. Radioaktiver Müll wird
produziert, der noch in Jahrtausenden extremes Sicherheitsrisiko darstellen wird.
Natürliche Flußlandschaften werden unwiederbringlich zerstört.
Es ist hübsch, von erhöhtem Standort über ein Lichtmeer von Straßenlampen zu
blicken. Doch es ist auch Luxus. Weitgehend abgeschirmte Beleuchtungskörper wie am
Franz-Jonas-Platz in Wien XXI sind rar. Gleich daneben zielen Scheinwerfer nach
oben, tauchen die Floridsdorfer Pfarrkirche in ein nächtliches Photonenbad. Das
absichtliche Bestrahlen von Bauwerken erfreut sich zunehmender Beliebtheit.
Wahrzeichen wie der Wiener Stephansdom werden so ins rechte Licht gerückt.
Vorstadtkirchen auch. Dabei sind in Szene gesetzte Türme besonders krasses Beispiel
für Ineffizienz: Ein Teil des Lichtkegels schießt notgedrungen am schlanken Bau vorbei
und stürmt den Himmel.
Beleuchtung wird als Garant für nächtliche Sicherheit empfunden. Doch Licht allein ist
zuwenig. Jeder Autofahrer kennt den beklemmenden Moment, wenn ihm die
Scheinwerfer entgegenkommender Fahrzeuge die Sicht stehlen. Obwohl kurzzeitig die
doppelte Lichtmenge zur Verfügung steht, wird die Fahrbahn bei Blendung schlechter
wahrgenommen.
Fußgänger machen ähnliche Erfahrungen. Kugelförmige Beleuchtungskörper in Park-
oder Wohnhausanlagen strahlen mangels jeder Abschirmung oft weniger als die Hälfte
ihres Lichts auf den Boden. Wenn besonders grelle Glühlampen dies ausgleichen,
können sie blenden. Was sich hinter den Kugellampen verbirgt, ist dann schwer
erkennbar. Fazit: Nicht nur die umgesetzten Watt steuern Sicht und Sicherheit, sondern
auch Bauweise und Anbringung der Beleuchtungskörper.
Ein Instrument der Leopold-Figl-Sternwarte, Außenstelle der Wiener Universität am
Schöpfl, zog das Licht des sterbenden Sterns SN 1993J in der Galaxis M81 zu einem
Regenbogen auseinander. Linien unterschiedlicher Intensität verrieten chemische
Elemente und gaben Hinweise auf jene Vorgänge, die sich während seiner Explosion
ereignet hatten. So gelang es erstmals in Österreich, das Spektrogramm einer
Supernova aufzunehmen.
Sternentod Zwölf Millionen Jahre war das Licht des Sterns unterwegs, der kurz so hell
wie eine ganze Galaxie aufleuchtete. Doch in den letzten Millionstel Sekunden seiner
Reise mußte es mit einem Meer künstlicher Lichtquellen konkurrieren. Die stärkste
Spektrallinie hieß "St. Pölten".