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  • Artikel vom 25.04.1998, 00:00 Uhr

Kompendium

Update: 01.03.2005, 16:57 Uhr
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Eine US-Sonde lieferte klare Hinweise, daß Wassereis auf dem Mond existiert

Oasen am Wüstentrabanten


Von Christian Pinter

Ein Stück Land auf dem Mond mit Wassereis wäre "vielleicht das wertvollste Grundstück im ganzen Sonnensystem", meinte US-Geologe Paul D. Spudis einmal euphorisch. Denn sollten sich

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Menschen aufmachen, eine Basis auf dem Erdtrabanten zu errichten, glichen sie Abenteurern in der Wüste: Was man nicht mitschleppt, fehlt. Wasser wird rasch begehrter sein als Gold. Denn eine

Mondbasis von der Erde aus mit Wasser zu versorgen, ist kostspielig und hemmt die Realisierbarkeit eines solchen Projekts. Eisvorkommen vor Ort würden daher viele Probleme lösen. Man hätte Wasser zum

Trinken, Sauerstoff zum Atmen und Wasserstoff zum Antrieb der Turbinen. Inmitten der lunaren Wüste gäbe es plötzlich "Oasen". Kein Wunder, daß die Suche nach Eis zu einem vorrangigen Ziel der

Mondforschung geworden ist.

Nun ist man mit Hilfe der Sonde Lunar Prospector endlich fündig geworden. Es gibt klare Hinweise, daß auf dem öden Erdbegleiter tatsächlich Wassereis existiert. Allerdings nur an ausgewählten

Plätzen. Bereits mit freiem Auge erkennt man helle und dunkle Regionen auf dem Trabanten. Jede Kultur schuf sich hierzu ihre eigene Erklärung. Die einen sprachen vom "Mann im Mond" oder einem

"Mondgesicht", die anderen von "zwei Kindern mit Wassereimer" oder einem "Hasen mit Reismühle". Im Altertum glaubten manche Philosophen sogar, der gefleckte Mond sei ein getreues Spiegelbild der

Erdoberfläche. Für sie war er mit ähnlich üppigen Gaben ausgestattet wie unsere Welt. Auch mit Wasser.

Anfang des 17. Jahrhunderts wurden erstmals Fernrohre zum Mond gerichtet. Mit zunächst sehr einfachen Instrumenten sah man helle, zerklüftete Bergketten und dunkle, völlig strukturlos wirkende

Ebenen. Die Assoziation mit irdischen Gebirgen und Meeren lag abermals nahe. Um sich zurechtzufinden, wählte man vertraute Bezeichnungen, versetzte "Alpen", "Karpaten" oder den "Kaukasus" auf den

Mond. Die dunkelgrauen Ebenen dazwischen wurden "Mondmeere" getauft. Gian Battista Riccioli gab ihnen 1651 lateinische Fantasienamen. Der Jesuit erfand ein "Meer der Gefahren", ein "Schäumendes

Meer", ein "Meer der Dünste" oder ein "Honigmeer". Kleinere Gebilde wurden Seen, Buchten oder Sümpfe genannt.

Himmelskörper als

Projektionsflächen

Die Namenswahl erfolgte nicht ganz zufällig. Getreu dem Aberglauben, wonach vor Vollmond gutes, danach schlechtes Wetter herrsche, bekamen die gleich nach Neumond sichtbar werdenden Regionen

sympathischere Bezeichnungen. Auf das "Meer der Fruchtbarkeit", das "Meer der Ruhe" oder das "Meer der Heiterkeit" folgen das "Wolkenmeer", das "Regenmeer", das "Meer der Feuchtigkeit" oder der

"Ozean der Stürme". Doch ein wildes Wettergeschehen gibt es auf dem Mond nicht. Auch die "Mondmeere" stellten sich bei näherer Betrachtung als Täuschung heraus. Bereits frühen Fernrohrbeobachtern

fielen zahllose kreisrunde Gebilde auf, die an den gewölbten Rand von Weinkrügen (griech. crater) erinnerten. Man glaubte, Vulkankegel ähnlich jenen auf der Erde vor sich zu haben. Johannes

Kepler zog spekulativere Schlüsse. Er sah in den Gebilden künstliche Bauwerke von Mondbewohnern, die im Schatten der Wälle Schutz vor der sengenden Sonne suchten. Jedenfalls fanden sich mehrere

Krater auch in den vermeintlichen "Mondmeeren", was deren Interpretation als Wasserflächen erschwerte.

Alle in den Teleskopen "erdähnlich" wirkenden Himmelskörper wurden zur Projektionsebene menschlicher Fantasien. Nicht wenige Astronomen glaubten, daß Mond, Planeten und vielleicht sogar die Sonne von

fremden Lebewesen besiedelt wären. Allerdings setzte die Existenz von Leben auch das Vorhandensein einer "Lufthülle" voraus. Auf dem Mond fehlten Wolken, wie man sie auf Mars, Jupiter oder Saturn

ausmachen konnte. Also mußte man feinere Verfahren entwickeln, um die Eigenschaften der vermeintlichen Mondatmosphäre zu untersuchen.

Dabei bot das Studium unserer eigenen Lufthülle interessante Hinweise. Sie vermindert die Helligkeit eines Sterns und läßt ihn funkeln. Lichtstrahlen werden außerdem ein wenig nach oben gebrochen, so

daß wir Gestirne nicht exakt an jener Himmelsstelle sehen, an der sie rein theoretisch glänzen sollten. So wird die Sonne beim Untergang nicht nur geschwächt, sondern auch zum Oval. Der untere

Sonnenrand wird ein wenig stärker hinauf versetzt als der obere. Besonders deutlich werden all diese Effekte nahe dem Horizont, weil die Lichtstrahlen dann einen längeren Weg durch die Erdatmosphäre

zurücklegen müssen.

Ähnliche Effekte sollten sich am Mondrand zeigen. Oft schiebt sich der Begleiter an ein Gestirn heran und bedeckt es schließlich. Doch das geschieht ohne Vorwarnung: Es gibt keine Schwächung, kein

Funkeln, keine Lichtbrechung. Der Stern verschwindet schlagartig. 1834 schloß Wilhelm Bessel aus dem Studium solcher Sternbedeckungen, daß dem Trabanten eine nennenswerte "Lufthülle" fehlen muß.

Seriöse Spekulationen über Leben auf dem Mond waren damit obsolet.

In den sechziger Jahren unseres Jahrhunderts suchte man erneut nach Spuren einer lunaren Atmosphäre, diesmal freilich aus ganz anderen Motiven. Selbst eine äußerst dünne Gasschicht hätte Mondraketen




Schlagwörter

Astronomie, Mond

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2012
Dokument erstellt am 1998-04-25 00:00:00
Letzte Änderung am 2005-03-01 16:57:00


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