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  • Artikel vom 08.07.2011, 14:00 Uhr

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Update: 08.07.2011, 14:45 Uhr
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Die "Harnas Wildlife Foundation" kümmert sich in Namibia um Raubtiere, die vom Aussterben bedroht sind. - Über den Konflikt zwischen Tierschützern und der lokalen Bevölkerung in Afrika.

Auf der Suche nach Achioa


Von Martin Zinggl

Geparden sind eine der gefährdetsten Tierarten: In Namibia leben rund 500 in freier Wildbahn. - Foto: Martin Zinggl

Geparden sind eine der gefährdetsten Tierarten: In Namibia leben rund 500 in freier Wildbahn. Foto: Martin Zinggl

Um sieben Uhr morgens mitten in der namibischen Steppe: Sanftes Sonnenlicht steigt am Horizont empor und spiegelt sich in feinen Wassertröpfchen auf der Veranda der Harnas Wildlife Foundation. Beim alltäglichen Morgenmeeting der Wildtier-Organisation verhalten sich fast alle ihre sechzig Mitarbeiter ruhig und gelassen - nur einer trommelt nervös mit den Fingern auf den Tisch, so dass der Kaffee in den Tassen vibriert.

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Marnus Roodbol, Raubtierforscher aus Südafrika, präsentiert die GPS-Tracking-Daten eines vor einer Woche in die Freiheit entlassenen Geparden und kommentiert sie mit spürbarer Erregung. "Etwas stimmt da nicht", sagt der 28-jährige Ranger. "Seit vierzig Stunden hat sich Achioa nicht mehr bewegt. Abfahrt in einer Stunde." Das Ziel der heutigen Mission: 20°1225,63’S, 20°2540,76’O - Namibias Hereroland.

Es ist noch kein halbes Jahr her, als ein Farmer aus der Umgebung bei der Harnas Wildlife Foundation angerufen und mitgeteilt hat: "Ich habe einen Geparden gefangen, er hat meine Viehherde attackiert!" Und der Farmer drohte: "Entweder ihr holt ihn ab, oder ich erschieße ihn". Für die Mitarbeiter von Harnas eine bekannte Situation. Marnus zögerte nicht lange, fuhr zu dem Farmer, lud die Raubkatze in sein Auto und nahm sie bei sich auf. Sie war verletzt und abgemagert. Auf dem 10.000 Hektar großen, eingezäunten Gelände von Harnas kam der Gepard allmählich zu Kräften, wurde schließlich wieder gesund und erreichte dank strikter Diät sein Normalgewicht.

Der Einzelgänger

Raubtierforscher Marnus Roodbol im namibischen Naturschutzgebiet.

Raubtierforscher Marnus Roodbol im namibischen Naturschutzgebiet.Foto: Martin Zinggl Raubtierforscher Marnus Roodbol im namibischen Naturschutzgebiet.Foto: Martin Zinggl

Dann setzten Marnus und sein Team das Raubtier - samt Peilsender - in einem Naturschutzgebiet des nordöstlich gelegenen Boes- manlandes aus. Es war ein großer Tag. Zufrieden feierte das Forscherteam die Freiheit des jungen Männchens. Man trank Sekt und gratulierte einander. Der Gepard warf einen letzten Blick zurück zu Marnus. Danach schlug er elegant zwei Haken und war auch schon im Dickicht der Kalahari verschwunden. Das Team taufte das gerettete Tier in der Sprache der San "Achioa" - Einzelgänger.

In einem weißen Landrover rattert Marnus von Harnas über eine holprige Straße in nördliche Richtung. Mit ihm fährt Davide Pignero, ein italienischer Tierarzt, ebenfalls im Dienste der Harnas- Tierfarm tätig. Gemeinsam wollen sie Achioa finden. Ein ständig piepsender GPS-Empfänger soll ihnen dabei helfen. "Alles ist möglich", meint Marnus. "Vielleicht liegt Achioa irgendwo verletzt, oder er hat sein Halsband verloren." "Expect the unexpected" - so lautet der Leitspruch der Harnas-Wildtierfarm. Unverhofft kommt oft.

Nach rund drei Stunden auf der C44 biegt Marnus kurz nach der Ortschaft Gam ab und nimmt die alte Straße nach Tsumkwe. Vierzig Kilometer wird er durch Niemandsland fahren und dafür rund drei weitere Stunden benötigen. Manchmal stehen Kinder im Lendenschurz am Rande der Piste und winken unermüdlich dem Auto nach.

Dornige Äste klatschen gegen die Windschutzscheibe. "Seit den 1970er Jahren ist der weltweite Bestand an Geparden um ein Drittel zurückgegangen", sagt der junge Veterinär Davide. "In Namibia gibt es nur noch etwa 2500 von ihnen." Marnus fällt ihm ins Wort: "Aber lediglich 500 Geparde leben hier in freier Wildbahn. Es ist der höchste Bestand weltweit. Und wenn wir uns nicht um sie kümmern, sind sie bald ausgestorben". Auf der Liste gefährdeter Tierarten stehen die Geparde schon seit langem.

Der Geländewagen streift einen massiven Ast. Eine zwei Meter lange Schwarze Mamba kracht gegen die Motorhaube. "Fenster zu!", schreit Marnus. Die Schlange zischt und bäumt sich auf. Marnus bremst, sie fällt zu Boden und schlängelt sich eilig davon. "Alle ok?" Und weiter geht die Fahrt durch das stachelige Buschland.

Harnas hat einen Vertrag mit der lokalen Bevölkerung des Boesmanlandes geschlossen, welcher es der Organisation erlaubt, in einem Naturschutzgebiet der Region Wildtiere auszusetzen. "Wir arbeiten Hand in Hand mit den Menschen hier. Sie wissen über die Bedeutung der Tiere Bescheid und tun den Geparden nichts. Allerdings sind wir jetzt in Hereroland, also weit entfernt von der Stelle, wo der Gepard freigelassen wurde", sagt Davide. "Achioa hat sich in dieser Woche viel weiter weg bewegt, als wir gedacht haben".

Suche per GPS
Das wuchtige Auto plagt sich durch sandige Kurven und über zugewachsene Pfade, bis Marnus abrupt abbremst und aus dem Wagen springt. Die Töne im GPS-Empfänger werden klarer. Mitten im afrikanischen Nichts, in einer unwirtlichen und lebensfeindlichen Umgebung. "Wir sind sehr nahe", sagt der Forscher. Er und Davide klettern aufs Autodach und eruieren mittels einer Antenne, wo in der flachen, weiten Ebene Achioa sich befindet. Der GPS-Empfänger schlägt aus. "Verdammt!", schimpft Marnus und zeigt mit dem Finger nach Osten. "Da hinten ist ein Boma", das heißt ein Gehöft - rund zwei Tage Fußmarsch entfernt von der nächsten Ortschaft. Marnus und Davide nähern sich vorsichtig dem Gehöft, das aus zwei Lehmhütten mit Strohdächern und eingezäunten Viehgehegen besteht. "Vorsicht!", ruft Marnus, "sie haben wahrscheinlich Waffen". Schwärme zitronengelber Schmetterlinge flattern umher.



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Schlagwörter

Afrika, Extra

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2012
Dokument erstellt am 2011-07-07 19:54:09
Letzte Änderung am 2011-07-08 14:45:11


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