• vom 17.02.2012, 13:30 Uhr

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Update: 17.02.2012, 14:20 Uhr

Ökologie

Öllampen und Solartechnik




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Von Rudolf Stumberger

  • Die ökologische Lebensweise der Amish-Minderheit in den USA entspringt einem sehr konservativen Geist, beeindruckt aber viele heutige Touristen und Besucher.

Die Kutsche ist noch immer ein weit verbreitetes Verkehrsmittel.

Die Kutsche ist noch immer ein weit verbreitetes Verkehrsmittel.© Stumberger Die Kutsche ist noch immer ein weit verbreitetes Verkehrsmittel.© Stumberger

Hier, inmitten des US-Bundesstaates Ohio, sieht es ein bisschen aus wie im Allgäu: eine sanft geschwungene Hügellandschaft, viel Grün und dazwischen braungescheckte Kühe. Etwas seltsam muten freilich die schwarzen einspännigen Kutschen an, die man allerorts auf den Straßen sieht. Sie sind das typische Transportmittel der Amish, einer deutschstämmigen religiösen Gemeinschaft, die für ihre traditionelle Lebensweise und ihren Technik-Verzicht bekannt sind. Rund 36.000 von ihnen leben im Holmes Country, und das Städtchen Berlin/Ohio ist der touristische Mittelpunkt dieser weltweit größten Amish-Gemeinde. "Das einfache Leben", lautet das Motto der Fremdenverkehrswerbung - und in der Tat findet man selten eine Region, in der ökologisches Wirtschaften so wie hier seit jeher zum Alltagsleben gehört.

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Maschinen ohne Strom
Einen ersten Eindruck davon vermittelt etwa das Kaufhaus "Lehman’s Hardware" in dem kleinen Ort Kidron. Der Laden wurde 1955 gegründet und versorgt seitdem die Amish mit Haushaltsmaschinen, die ohne Elektrizität auskommen. Gerne zeigt Verkäufer Nik Sohar zum Beispiel eine der Waschmaschinen, die ohne Strom funktionieren. Sie kostet 779 Dollar und wird mit der Hand betrieben.

Information

Die nassen Wäschestücke werden durch zwei engstehende Gummi-Rollen gepresst und so ausgewrungen. (Die Amish-Höfe zeichnen sich übrigens durch flatternde Wäsche vor den Häusern aus, was sonst im Lande kaum mehr vorkommt, weil meist elektrische Trockner benutzt werden.)

Ein paar Ecken weiter im Laden gibt es Kühlschränke, die mit Gas funktionieren (1095 Dollar). No electric, please!, gilt auch für Kühltruhen. Kommen wir zu den Küchenmaschinen: Schlagobers wird natürlich mit handbetriebenen Quirlern geschlagen - wie bei uns in den 1950er Jahren - und auch ein handgestampftes Butterfass steht nicht weit entfernt. So geht es weiter, durch die Lampenabteilung mit den Ersatzteilen für die Öl- und Gaslampen, zur hand- oder pferdegetriebenen Eismaschine - man isst hier gerne Speiseeis - bis zu den Bestandteilen für selbst gemischtes Waschpulver (Soda plus Seife) und Dampfdruckkochtöpfen für das Einmachen von Obst. Wer hierher zum Einkaufen kommt und kein Tourist ist, lebt und produziert öko-analog.

Wie das geht, sieht man draußen auf den Feldern: Die Sämaschinen werden von Pferden gezogen. Traktoren, Autos, Fernseher und dergleichen Technik mehr werden von den Amish abgelehnt. Das Regelwerk dazu aber ist variantenreich, was sich zum Beispiel auf dem Bauernhof von Reuben Miller studieren lässt. Der 52-Jährige versorgt an diesem Abend gerade seine 30 Milchkühe und steckt ihnen die elektrischen Melkmaschinen an die Euter, der Kuhstall ist durch Neonlampen erhellt. Vorne, am Eingang zum Kuhstall, hockt und liegt eine Bande von Katzen, große und kleine, wohl an die 20 Stück, und beobachtet das Geschehen. Und das völlig unberührt von der nahen Anwesenheit des Hofhundes, der gähnend und faul daliegend ebenfalls ein bisschen in der Gegend herumschaut.

Die ökologisch hergestellten Produkte werden vor Ort verkauft.

Die ökologisch hergestellten Produkte werden vor Ort verkauft.© Stumberger Die ökologisch hergestellten Produkte werden vor Ort verkauft.© Stumberger

In Holmes Country/Ohio (mit der Hauptstadt Berlin) lebt die weltweit größte Gruppe der deutschstämmigen Amish-Gemeinde. Fotos:Stumberger

In Holmes Country/Ohio (mit der Hauptstadt Berlin) lebt die weltweit größte Gruppe der deutschstämmigen Amish-Gemeinde. Fotos:Stumberger© Stumberger In Holmes Country/Ohio (mit der Hauptstadt Berlin) lebt die weltweit größte Gruppe der deutschstämmigen Amish-Gemeinde. Fotos:Stumberger© Stumberger

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Schlagwörter

Ökologie, Amish, Extra

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2014
Dokument erstellt am 2012-02-17 10:47:24
Letzte Änderung am 2012-02-17 14:20:47


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