• vom 03.08.2012, 15:15 Uhr

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Update: 16.08.2012, 17:31 Uhr
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Destruktion und Erlösung


Von Karl Weidinger

  • Was bringt Rockstars dazu, ihre Instrumente zu zerstören? Der Kulturwissenschafter Otmar Wagner hat sich mit dem "Mythos Gitarrenzertrümmerung" beschäftigt.

Seit alters her wird der Korpus eines Musikinstruments gerne mit der weiblichen Anatomie verglichen. Jedoch gibt es keine Erwähnungen in der überlieferten Musikgeschichte, dass Geigen, Bratschen oder Kontrabässe je misshandelt worden wären. Mit der rebellierenden Urkraft der Rockmusik trat die Gitarre ihren Siegeszug in der Populärkultur an. Die akustischen Ausdrucksmittel - vorerst noch unverstärkt (analog würde man heute dazu sagen) - erinnerten viele an die Rundungen einer Frau und befeuerten zahlreiche männliche Phantasien rund um den musikalischen Vortrag.

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Nur männliche?

Otmar Wagner ist Spezialist für künstlerische Zerfallsprozesse.

Otmar Wagner ist Spezialist für künstlerische Zerfallsprozesse.Foto: Weidinger Otmar Wagner ist Spezialist für künstlerische Zerfallsprozesse.Foto: Weidinger

"Speziell bei der Diskussion rund um Männer und Gitarren hat man festgestellt, dass die Gitarre als Instrument mit beidem belegt wird, sowohl als Phallussymbol wie auch als weibliches Surrogat", sagt der Kulturtheoretiker Otmar Wagner. "Je nachdem, wird die Gitarre entweder gestreichelt oder liebkost - wie man das von Jimi Hendrix seit Woodstock kennt, quasi als pseudosexueller Akt. Auch wird das Instrument als prothetische Verlängerung verwendet, oder wie bei Wendy O. Willams im Post-Punk der 1980er Jahre als Ironisierung eingesetzt. Sie zerstörte ihre Gitarre mit einer Kettensäge, um den Gitarrenhals schließlich als Beute wegzutragen."

Otmar Wagner ist studierter Theaterwissenschafter und beschäftigte sich zuerst mit einem Kompendium über die verwendeten Gegenstände in der Performance-Kunst, um sich dann - aus Interesse und Leidenschaft - in die, wie er es nennt, "Universalgeschichte der dokumentierten Gitarrenzerstörung" zu vertiefen.

Das Phänomen der Zerlegung von Instrumenten begann Anfang der 1960er Jahre im Rahmen der Fluxus-Bewegung gehäuft aufzutreten, erläutert Wagner. Diese Form der Destruktion war jedoch nicht als Zerstörung anzusehen, sondern als eine Art von Verwandlung, als Metamorphose, um Dinge zum Fließen zu bringen (lateinisch: fluxus, fließen). Man verzichtete auf den musikalischen Vortrag, dafür zerstampfte man die Symbole einer starren musikalischen Darbietungsform, die zugleich auch Symbole einer erstarrten Gesellschaft darstellten. "Und deswegen wurden Klaviere, Gitarren, Violinen geschändet, um die Dinge wieder aufzuweichen, zum Fließen zu bringen - und natürlich auch neue Klangergebnisse zu erzeugen."

Aber wurde das tatsächlich jemals als stilistisches Ausdrucksmittel oder gar als genuine Gesellschaftskritik wahrgenommen?




Schlagwörter

Rockmusik, Extra

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-08-03 13:53:18
Letzte Änderung am 2012-08-16 17:31:37


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