• vom 26.09.2014, 14:00 Uhr

Vermessungen

Update: 27.09.2014, 13:38 Uhr

Naturhistorisches Museum

Ausgestopfte Vielfalt




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Von Christian Pinter

  • Musentempel und Mikrotheater des Lebens: Ein Streifzug durch das Naturhistorische Museum am Wiener Burgring, das seinen 125. Geburtstag feiert.

Der rekonstruierte "Terrorvogel" schmückt sich mit fremden Federn . . .

Der rekonstruierte "Terrorvogel" schmückt sich mit fremden Federn . . .© Pinter Der rekonstruierte "Terrorvogel" schmückt sich mit fremden Federn . . .© Pinter

"Dem Reich der Natur und seiner Erforschung" - die Widmung des Naturhistorischen Museums (NHM) in Wien prangt in goldenen Lettern unter seiner Kuppel. Die prächtig geschmückte Fassade erinnert an Erfindungen wie Mikroskop oder Fernrohr, an Entdecker wie Magellan oder James Cook und an Wissenschafter wie Kopernikus oder Darwin. In einer Allegorie zieht die Forschung der Natur den Schleier weg. Von der Dachbalustrade blicken, zu Stein erstarrt, Aristoteles, Ptolemäus, Galileo Galilei oder Alexander von Humboldt herab.

Eigentlich sollte der Hamburger Gottfried Semper 1869 als Gutachter im Architektenwettbewerb fungieren: Doch dann legte er lieber selbst Pläne für die beiden Museen am Burgring vor. Man stellte ihm Carl von Hasenauer zur Seite, einen der ursprünglichen Kandidaten. Bald redeten die beiden nicht mehr miteinander. Als Semper 1876 abreiste, vollendete Hasenauer das Kunsthistorische und das Naturhistorische Museum alleine - das NHM etwas früher. Kaiser Franz Josef eröffnete es am 10. August 1889.

Information

Information:

Weil der eigentliche Jubiläumstermin in die Sommerzeit fiel, feiert man das Wiegenfest mit einem"Tag der offenen Tür" am 28. September 2014. Zu erleben ist dann auch die Klangin-stallation "Sonar Impact" und der Experimentalfilm "Natural History" von James Benning.

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Dank der Arbeitszimmer und Labors fanden die Wissenschafter im neuen Musentempel beste Bedingungen vor. Noch heute sind 60 der 330 NHM-Mitarbeiter in der Forschung tätig. In den zen-tralen Laboratorien sind sogar DNA-Untersuchungen oder Analysen mit einem bis zu 300.000-fach vergrößernden Rasterelektronenmikroskop möglich. Die 39 Schausäle ermöglichten 1889 außerdem die systematische Präsentation eines großen Teils der Sammlung. Mittlerweile reicht der Platz nicht mehr aus. Die allermeisten der 30 Millionen Objekte verharren in einem vollklimatisierten Tiefspeicher.



Museum im Museum
Die Besucher des Hauses - im Vorjahr waren es 726.000 - wandeln auf der breiten Marmorstiege in den ersten Stock hinauf. Am Hauptabsatz hält das großformatige "Kaiserbild" Franz I. Stephan beim Studieren von Sammlungsstücken fest. Dabei stehen ihm unter anderem der kaiserliche Leibarzt Gerard van Swieten und Johann Ritter von Baillou zur Seite. Von diesem Florentiner hatte der Kaiser den Grundstock der Naturaliensammlung im Jahr 1748 erworben: 30.000 Edelsteine, Muscheln und Fossilien. Nach Franz Stephans Tod öffnete Maria Theresia die damals noch in der Hofburg logierende Kollektion dem Publikum und schuf so ein richtiges Museum.

Auch jener "Edelsteinstrauß", den die Kaiserin ihrem Gatten 1764 als Morgengabe schenkte, wird im NHM ausgestellt: Er ist mit 2102 Brillanten und Diamanten besetzt. Im Hochparterre macht man den Gast aber auch mit Prosaischem vertraut, wie den verschiedenen Gesteinen der Erde: Der Bogen reicht vom Schwarzen Raucher aus der Tiefsee bis zum vier Milliarden Jahre alten Acasta-Gneis aus Kanada. Er ist der Methusalem unter den irdischen Gesteinen.

Das NHM kann sich gewissermaßen selbst ausstellen. Vieles hat der neuen Zeit getrotzt, wie etwa die stilvollen, aus dunklem Holz gefertigten Schaukästen und Vitrinen. In den Mineraliensälen beherbergen sie eine unglaubliche Vielfalt farbenfroher Exponate. In strengem Kontrast dazu stehen die meist grauen oder braunen Meteorite. Sie stammen von Dutzenden Kleinplaneten ab, vom Mond oder vom Mars. Zumeist 460 Millionen Jahre älter als selbst Acasta-Gneis, tragen sie die Erinnerung an die Geburtszeit des Sonnensystems noch in sich.

Mit 1100 Objekten weilt der Besucher hier in der größten und historisch bedeutendsten Meteoritenschausammlung der Welt. Nirgendwo sonst wäre er von so vielen Außerirdischen umgeben. Seit dem Umbau des Saals im Jahr 2012 verraten gut integrierte Medienstationen, wie man Meteorite aufstöbert oder wie sich irdisches Gestein beim Einschlag ("Impakt") besonders mächtiger Himmelsgeschosse verändert. Der Geochemiker Christian Köberl, seit 2010 Generaldirektor des NHM, ist einer der weltweit führenden Impaktforscher.

Die "Lehre vom Altseienden", die Paläontologie, nutzt Fossilien, um vorzeitliches Leben zu erforschen. Vor 3,8 Milliarden Jahren gab es erste einzellige Bakterien. Vielzeller traten anscheinend erst drei Jahrmilliarden später in Erscheinung. Allerdings zeigt eine Sonderschau im NHM noch bis zum 5. Oktober die Gabonionta - ein von der Natur viel früher gewagtes, aber mutmaßlich folgenlos gebliebenes Experiment mit der Vielzelligkeit.

Vor 25 Millionen Jahren trug der "Terrorvogel" seinen Kopf sehr hoch - und zwar bis zu drei Meter über dem Boden. Mit nicht mehr als dem fossilen Skelett als Vorbild schufen kunstfertige Mitarbeiter des NHM eine aufregende Rekonstruktion. Ein geschweißtes Stahlskelett trägt nun den Abguss des Originalschädels und stützt einen Körper aus Polyurethanschaum. Die Haut stammt von Sträußen, die Federn von Truthähnen und Kranichen, die Wimpern und Augenbrauen von Kasuaren. Fliegen muss das Modell nicht können, jagte doch auch das Original per pedes - allerdings mit 50 km/h!

Der aufrechte Gang
Unser Wissen über die Dinosaurier gründet sich ebenfalls auf Fossilien. Im 2011 neu gestalteten Sauriersaal folgt das Auge dem langen, gar nicht enden wollenden Skelett eines Diplodocus. Der schwerste dieser Sauropoden hätte 20 Afrikanische Elefanten aufgewogen; doch die gab es vor 150 Millionen Jahren noch nicht.

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Dokument erstellt am 2014-09-25 17:41:11
Letzte ─nderung am 2014-09-27 13:38:53



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