• vom 25.09.2015, 14:00 Uhr

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Update: 25.09.2015, 15:26 Uhr

Oberösterreich

"Hoamat, Hümmi, Huckableim"




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Von Andreas Rauschal

  • Die geografische Verortung Oberösterreichs ist relativ einfach. Wer uns Mostschädl aber wirklich kennenlernen will, muss genauer ins Hoamatland einischauen. Ein ABC aus gegebenem Anlass.

Aussi: Hinaus! Und außerdem "auffi" (hinauf - das Gegenteil von "obi", hinunter), "ummi" (hinüber) oder "viri" (nach vorne)! "Grüß Gott" in Oberösterreich, wo die Leute noch klingen, wie sich die Mundln von Wien im Regelfall einen Bauern vorstellen. Die Betonung liegt übrigens auf "Grüß Gott", weil "Guten Tag" oder "Grüß Sie" nur die Mundln sagen, "di wos koan Heagod net kennan" (die gottlos / womöglich der Sozialdemokratie verpflichtet sind). Zieht der Bauer nach Wien (Oberösterreichisch: "auf Wean"), könnte er sich aus Integrationsgründen bemühen, statt "auffi" "rauf" zu sagen. Vermutlich aber lässt er es bleiben, weil es bei ihm ohnehin nur gezwungen und "södsom" (seltsam) klingt. Oberösterreicher gelten als stur und veränderungsresistent (kritisch betrachtet), aber auch als angenehm, weil gemütlich, geerdet und beständig. Lieblingswörter: "Longsom!" (langsam), "na!" (nein). Das "i" am Ende von "aussi" ist übrigens symptomatisch. Siehe auch "Hümmi" (Himmel) oder "Schümmi" (Schimmel).

Bratlpappn: Rundliche Gesichtsausformung, die aus Bratl-in-der-Rein-Abusus entsteht. "Bratl in der Rein", Schweinsbraten im Bräter serviert - in den zu den mitgebratenen Kartoffeln und dem geviertelten Stöckl-Kraut auch noch Knödel kommen -, gilt in Oberösterreich nicht nur als Grundnahrungsmittel, nein, es gilt auch als Menschenrecht. Und es erklärt Gemeinsamkeiten mit dem bayerischen Nachbarn. Siehe auch I wie Innviertel.


Drawig: Grundsätzlich stellt sich angesichts der Hektomatikwelt da draußen die Frage: "Jo spinnan denn di?" ("Haben die einen an der Waffel?"). Manchmal, wenn er etwa zum Frühschoppen muss und schon spät dran ist, hat es aber auch der Oberösterreicher sehr eilig. Weil die Vorbehalte gegen diesen Zustand so groß sind, wurde ein Codewort dafür erfunden, das außerhalb von ob der Enns niemand versteht. "Heit ho i’s owa wieda drawig!" ("Heute sind meine Zeitressourcen wieder schockierend verknappt!"). Gehen Sie dieser Person aus dem Weg. Oder spendieren Sie ihr einen Schnaps.

Eferding: Der Gemüseladen und das Biokistl von Oberösterreich. In Eferding, da haben die Bauern die dicksten Kartoffeln, die krümmsten Gurken und das rescheste Kraut. Und stell dir vor: Der Salat, der ist in Eferding noch grüner, als der Landeshauptmann im Hoamatland schwarz ist! Eingekocht und eingelegt wird die Ernte als Supermarktware bis in die Bundeshauptstadt (also "auf Wean") exportiert.

Erdöpfikas: Kartoffelhaltiger Aufstrich, Spezialität aus OÖ. Gekochte mehlige Erdäpfel werden mit Zwiebel, Sauerrahm, Butter und Kümmel verarbeitet. Abgeschmeckt mit Salz und Pfeffer, bestreut mit etwas Paprikapulver und frischem Schnittlauch auf einer Scheibe Bauernbrot serviert ein absolutes Ereignis. Und ein Wunder: Dafür werden sogar gestandene Bratlpappn freiwillig auf Fleisch verzichten!

Griass di!: Dem Hang zur Sozialdemokratie unverdächtige Grußformel, die (fast) jedem zuteilwerden kann. Auch Unbekannten wie zum Beispiel "di Urlauba", den Touristen, sowie "di Zuagroaßten", also den Neuankömmlingen in der Gemeinschaft. (Den Dativ mag man in Oberösterreich übrigens nicht so gerne. Siehe auch: "Heit gemma mit di Hund schbazian", heute gehen wir mit den Hunden - quasi: mit die Hunde - spazieren). Aber auch bei der Begrüßung von demütig als ranghöher Empfundenen denkbar ("Griass di, Bürgamoasta", "Griass di, Herrdogda!"). Wichtige Wörter mit "G" sind in Oberösterreich außerdem: "Godi" und "Ged" (Taufpatin und Taufpate; sprachlich näher an den im Englischen noch heute erhaltenen Bezeichnungen "Godfather" und "Godmother"); sowie vor allem das ", goi?" (gell?) am Satzende, für das auch die Höflichkeitsform existiert ("goin’s?" - quasi: gell, Sie?). Wird ungefähr so verwendet wie in Vorarlberg das ", odr?" oder in Bayern das ", gay?".

Hoamatland: Die urige bis urtypische Bezeichnung für Oberösterreich geht auf den "Hoamat-
gsang" (Musik: Hans Schnopfhagen. Text: Stelzhamer Franz) zurück, der seit 1952 offiziell die Landeshymne stellt. Achtung: Muss andächtig und mit großer Demut gesungen werden! Politisch übrigens dankbar, weil darin keine Söhne vorkommen, dafür aber Muadern, Hünderl und, na gut, Herrn dann doch.

Huckableim: "Huckableim" oder "Hucknbleim", egal, Hauptsache noch nicht nach Hause! Man bleibt also sitzen, bevorzugt im Wirtshaus. Allerdings fällt einem zu diesem Thema noch etwas anderes ein. Seit dem Jahr 1977 hat Oberösterreich erst zwei Landeshauptmänner erlebt. Josef Ratzenböck wurde 1995 von Josef "Sepp" Pühringer abgelöst, der aktuell mit dem brutal kreativen Wortspiel "Sepp-verständlich!" wahlwirbt. Was die Steherqualitäten der Landesfürsten als "Huckableiba" betrifft, braucht sich Oberösterreich also nicht vor Niederösterreich oder Wien zu verstecken!

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2015-09-24 14:08:05
Letzte nderung am 2015-09-25 15:26:57



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