• vom 25.10.2015, 13:00 Uhr

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Wissenschaft

Relativitätstheorie"leicht fasslich"




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Von Thomas Hofmann

  • Über Albert Einsteins vielfältige wissenschaftliche Kontakte nach Wien.

Eintrittskarte für Einsteins Wiener Vortrag am 13. 1. 1921.

Eintrittskarte für Einsteins Wiener Vortrag am 13. 1. 1921.

1921 wurde Einstein in Wien von Ferdinand Schmutzer fotografiert. Wikimedia Commons/ Public Domain

1921 wurde Einstein in Wien von Ferdinand Schmutzer fotografiert. Wikimedia Commons/ Public Domain 1921 wurde Einstein in Wien von Ferdinand Schmutzer fotografiert. Wikimedia Commons/ Public Domain

Am 13. Jänner 1921 gab es in Wien zahlreiche volksbildnerische Vorträge und Versammlungen. Alleine die Urania, einer von fünf Veranstaltern an diesem Tag, offerierte neun Vorträge. Unter all den Veranstaltungen war freilich der Vortrag "Die Relativitätstheorie" von Universitätsprofessor Dr. Albert Einstein der Straßenfeger schlechthin. Er fand im großen Saal des Wiener Konzerthauses statt und nicht weniger als 2000 Personen hatten sich schon im Vorverkauf Eintrittskarten besorgt. Angesichts des großen Interesses war man seitens des Veranstalters, der Urania, auf das Konzerthaus mit dem größten damals in Wien verfügbaren Saal ausgewichen.

Zur Zielgruppe im restlos ausverkauften Konzerthaussaal gehörten an diesem Abend "Angehörige aller Schichten". Tags zuvor, am 10. und 11. Jänner, hatte Einstein Vorträge vor der Scientific Community in der 1869 gegründeten Wiener Chemisch-Physikalischen Gesellschaft, gehalten. Das Reden vor großem Publikum von mehr als 2000 Zuhörern stellte für den Physiker eine große Herausforderung dar. Daher fragte Einstein zu Beginn, ob er auch überall im Saal gut verstanden werde. Als dies von den hinteren Reihen und der Galerie verneint wurde, "forcierte er seine Stimmmittel".

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Der Bezugskörper
Unter dem Titel "Der Uraniavortrag Albert Einsteins" druckt die "Neue Freie Presse" am folgenden Tag eine Originalpassage seines Vortrages ab. "Wenn ich", sagte Einstein, "zweimal auf diesen Tisch klopfe, so wird man sagen, es haben hier zwei Ereignisse zu verschiedenen Zeiten stattgefunden, am selben Ort und zu verschiedener Zeit. Und diese Aussage scheint ganz einwandfrei zu sein. Wenn wir aber genau überlegen, sehen wir, dass diese offensichtlich richtig gemeinte Aussage falsch ist, denn wir wissen, dass die Erde sich um ihre eigene Achse und um die Sonne bewegt, und dass sich in den verschiedenen Zeiten, in denen ich hier auf den Tisch geklopft habe, das Lokal mit der Erde mitbewegt hat, so dass die beiden Ereignisse sich nicht an demselben Orte vollzogen haben können. Wir müssen also sagen, dass sich diese beiden Ereignisse in Bezug auf diesen Saal an demselben Orte vollzogen haben. So hat alles, was geschieht, Bezug auf einen anderen Körper, den wir als den Bezugskörper bezeichnen wollen. Wenn wir sagen, ein Wagen fährt auf der Straße, so ist der Straßenboden der Bezugskörper. So ist es in allen Fällen des täglichen Lebens, aber wir sind gewohnt, in der landläufigen Sprechweise auf diesen Bezugskörper keine Rücksicht zu nehmen. Dann es gibt Ereignisse, die nach den allgemeinen Begriffen an verschiedenen Orten, aber zu gleicher Zeit stattfinden. Auch das kann nur mit Heranziehung eines Bezugskörpers gelten. Wenn in diesem Saale zwei Lichtquellen zu gleicher Zeit aufleuchten, so werden die im Saale befindlichen Personen die Gleichzeitigkeit des Erscheinens feststellen können, handelt es sich aber um einen sehr großen Raum, auf dem die Schnelligkeit der Lichtausbreitung nicht in einem Augenblick das Ziel erreicht, so wird an verschiedenen Stellen das Licht zu verschiedener Zeit wahrgenommen werden."

Wenn in der Zeitung der Vortrag als "leicht fasslich" gelobt wurde, so ist von Karl Popper, der als 18-Jähriger dabei war, folgender Ausspruch überliefert: "Das Ganze ging völlig über mein Verständnis hinaus." Popper dürfte nicht der Einzige gewesen sein. In der "Wiener Zeitung" endet der mit "F.T." signierte Artikel über "Professor A. Einsteins Vortrag" mit dem Satz: "Alle diese Betrachtungen entwickelte Einstein in einer klaren einfachen Sprache, deren schönster Vorzug, die logische Folgerichtigkeit, freilich nur von physikalisch Vorgebildeten gewürdigt werden konnte."

Der Gastvortrag Einsteins 1921 war lange geplant worden. Er hätte bereits im Herbst 1920 stattfinden sollen. Der Präsident der Wiener Urania, Ludwig Koessler, schlug zunächst den 6. November als Termin vor. Doch der Physiker lehnte in einem Brief vom 11. Oktober ab. "Es ist mir ganz unmöglich, am 6. November in Wien zu sein. Dagegen werde ich im Dezember oder Januar sicher nach Wien kommen und wäre bereit, Ihnen dann einen Vortrag zu halten, am liebsten in einem nicht allzu großen Saal, denn meine Stimme ist nicht sehr kräftig."

Am Sonntag den 19. Dezember begann der Kartenvorverkauf für Mitglieder der Urania, ab Montag dann für die breite Öffentlichkeit ("Nichtmitglieder"). Angekündigt waren Vortrag und Vorverkauf neben den hauseigenen "Urania Mitteilungen" auch in den Zeitungen, wie dem "Neuen Wiener Journal" vom 15. Dezember 1920.

Ein früherer Vortrag
Diesem Wien-Aufenthalt war im Jahr 1913 Einsteins Teilnahme an einem Megakongress mit 3800 Teilnehmern vorangegangen. Auf der 85. Versammlung der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte, die vom 21. bis 28. September in Wien abgehalten wurde, referierte "Herr A. Einstein - Zürich" am 23. September um neun Uhr im großen Hörsaal des physikalischen Instituts vor 350 Zuhörern. Sein Thema: "Zum gegenwärtigen Stande des Gravitationsproblems." Der Vortrag fand an der Adresse Strudlhofgasse (Nr. 4) im ersten Stock, dem heutigen Lise-Meitner-Hörsaal statt, benannt nach der in Wien Leopoldstadt geborenen Kernphysikerin (1878-1968).

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Dokument erstellt am 2015-10-23 14:23:05



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