• vom 29.05.2016, 15:00 Uhr

Vermessungen


Kulturgeschichte

Die Kunst, einen Park anzulegen




  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Christian Hlavac

  • Vor 150 Jahren starb der bedeutende Gartenkünstler Peter Joseph Lenné. Seine schönsten Anlagen sind in Berlin und Umgebung zu bewundern, aber auch in Österreich lassen sich Spuren seiner Arbeit finden.



Peter Joseph Lenné, um 1850 gemalt von Carl Begas d. J.

Peter Joseph Lenné, um 1850 gemalt von Carl Begas d. J.© Wikimedia Commons Peter Joseph Lenné, um 1850 gemalt von Carl Begas d. J.© Wikimedia Commons

Information

Literaturempfehlung:
Clemens Alexander Wimmer: Der Gartenkünstler Peter Joseph Lenné.
Eine Karriere am preußischen Hof. Lambert Schneider Verlag, Heidelberg 2015, 240 Seiten, 29,95 Euro.

Am 10. und 11. Juni 2016 findet im Schloss Weikersdorf in Baden das Symposium "Auf den Spuren des Gartenkünstlers Peter Joseph Lenné"statt. Christian Hlavac zählt zu den Referenten . Mehr unter der Telefonnummer 02742-74333 oder www.naturimgarten.at

Christian Hlavac ist Gartenhistoriker und Publizist. Soeben erschien sein Buch "Die Gartenmanie der Habsburger" (Amalthea Verlag, gemeinsam mit Astrid Göttche).

Heinz Ohff, der deutsche Kunstkritiker und Feuilletonchef des Berliner "Tagesspiegel", prägte mit seiner 1981 erschienenen Biographie über den "vielseitigen und hochangesehenen" Gartengestalter Peter Joseph Lenné unser Bild vom "einfachen Gärtner, der zum Generaldirektor der königlich preußischen Gärten" aufstieg. Im Dezember 2015 revidierte nun der Gartenhistoriker Clemens Alexander Wimmer mit seiner wegweisenden neuen Biographie dieses zuckerlrosafarbene Bild von Lenné, dessen Gartenanlagen heute Publikumsmagneten sind.

Aber muss uns der 1789 geborene und 1866 gestorbene Lenné in Österreich interessieren? Ja. Sonst würde sich nicht dieser Tage ein Symposium in Baden bei Wien dem deutschen Gartenkünstler und dessen Einfluss auf Österreich widmen. Anlass ist das 150. Todesjahr des gebürtigen Rheinländers. In Österreich dürfte sein Name nur Fachleuten geläufig sein, Besucher von Gärten und Parks in Berlin und Brandenburg stoßen hingegen bei fast jedem Schritt auf "seine" Anlagen, die zum großen Teil zum UNESCO-Welterbe gehören. In Österreich sind seine Spuren nicht so augenfällig und zahlreich wie in Deutschland.

Die Gärtnerfamilie Lenné kann bereits in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts in Österreich nachgewiesen werden: Es existiert ein Dienstzeugnis aus dem Jahr 1737 über den in Bonn geborenen Großvater von Peter Joseph, Johann Cunibert Lenné (1714-1787), welches er nach seiner knapp zweijährigen Dienstzeit als "Obergeselle im Hofgarten der kaiserlichen Residenzstadt Wien" erhielt.

Lenné in Laxenburg

Nicht nur Peter Joseph Lennés Großvater, sondern auch sein Vater Joseph (1756-1821) hielt sich zu Weiterbildungszwecken in Wien auf. Er knüpfte dort 1773 wichtige berufliche Kontakte, die seinem Sohn Peter Joseph später nützlich werden sollten. Clemens Alexander Wimmer hält in seiner Biographie fest, dass bei Peter Joseph Lennés Lehrzeit von 1805 bis 1808 Unklarheiten und Widersprüche bestehen. Auch zu seinen anschließenden Reisen nach Süddeutschland, in die Schweiz und nach Italien gibt es mehr offene Fragen als Antworten, denn viele Informationen stammen nur von Lenné selbst.

Erstaunlich ist, dass fast alle Biographen Lennés Autobiographie unkritisch übernahmen, die er 1853 in dritter Person anlässlich seiner Aufnahme als Ehrenmitglied in die preußische Akademie der Künste verfasste.

Unstrittig ist Lennés Aufenthalt in jungen Jahren in Österreich. Sichtbares Zeichen dafür ist der lange verloren geglaubte, im Oktober 2000 wieder aufgetauchte Laxenburg-Entwurfsplan aus 1815. Dieser ist der älteste bekannte, von Lenné eigenhändig entworfene und gezeichnete Plan. Er versuchte, die Gestalt und die Laubfarbe der jeweiligen Baumarten in dem zur Präsentation bestimmten Plan zum Ausdruck zu bringen. Bei seiner Planung "sprengte" Lenné die optischen Grenzen des Parks und bezog die Umgebung mittels Sichtachsen in den Park mit ein.

Neben der Signatur hat sich auch eine Notiz vom 10. Februar 1815 erhalten, die eine Tätigkeit Lennés als Planzeichner in Laxenburg bestätigt. So wurde der "Gärtner Lenné" mit September 1814 für "5 bis 6 Monathe" aufgenommen, um für die Laxenburger Gartenverwaltung Pläne zu zeichnen. "Da nun mit Ende Februar d. J. die 6 Monathe verflossen, zur vollständigen Herstellung der angefangenen Garten Aufnahme und sonstigen Zeichnungen aber noch weitere 6 Monathe erforderlich sind, so erbittet man sich die hohe Erlaubniß den vorbenannten Gärtner Lenné zu diesem Ende noch ferner beibehalten (. . .) zu dürfen."

Die Anstellung wurde vom 1. März 1815 beginnend für weitere sechs Monate verlängert, wobei Lenné aus unbekannten Gründen Laxenburg vor Ablauf seines Vertrages verließ. Jedenfalls erhielt er keine feste Anstellung bei Hof, wobei offen bleiben muss, ob er diese tatsächlich anstrebte. Was blieb von Lennés Tätigkeit in Laxenburg? Wenige seiner Ideen wurden aufgegriffen, wie die vorgeschlagenen Uferlinien des großen Teiches gegen Achau, die Umgestaltung der barocken Achsen sowie seine Vorschläge für größere Wasserflächen und große Wiesenräume.

Lenné selbst erwähnt stolz in seiner Autobiographie, dass er bereits bei der Beauftragung des Planes für Laxenburg den Titel eines "kaiserlichen Garten-Inge- nieurs" erhielt. Unkritisch übernahmen bisher alle Biographen und Fachleute - auch der Autor dieser Zeilen - diese Angabe.

Ehrgeiz und Eitelkeit

Die Crux an dieser Behauptung Lennés: diesen Titel gab es nie in der Hofhierachie. Dieses Beispiel zeigt wie viele andere auch, dass Peter Joseph die Ratschläge seines Vaters befolgte: sei ein guter "Schauspieler" auf beruflicher und gesellschaftlicher Ebene, verfolge deinen Vorteil und achte auf ein gutes Einkommen. Deutlich tritt durch die vorhandenen Quellen die Förderung bzw. Protektion Lennés durch den Vater und ein hohes Maß an Ehrgeiz, Anmaßung und Selbstgefälligkeit zu Tage. Unter anderem zeigt uns die mehrfach nachweisbare Schmückung mit irreführenden, gut klingenden Titeln Lennés Streben nach Anerkennung.

Werbung
weiterlesen auf Seite 2 von 2




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2016-05-27 13:26:06
Letzte ─nderung am 2016-05-27 13:33:26



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. "Heimat ist ein gefährlicher Begriff"
  2. "Postmoderne ist die zeitgemäße Aufklärung"
  3. Zwischen Schuld und Tapferkeit
  4. Tradition des Austauschs
Meistkommentiert
  1. "Postmoderne ist die zeitgemäße Aufklärung"
  2. "Heimat ist ein gefährlicher Begriff"

Werbung




Werbung


Werbung