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Update: 12.08.2017, 12:30 Uhr

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Von Georg Biron

  • Immer mehr Menschen entscheiden sich für einen Trip auf hoher See. Auch die Kritik an den Meeresriesen wächst.

- © afp/Jean-Sebastien Evrard

© afp/Jean-Sebastien Evrard



"Jeden Monat finden in Europa im Schnitt rund 1000 Kreuzfahrten ohne nennenswerte Zwischenfälle statt. Keine andere Art des Reisens ist dermaßen sicher", sagt Stefan Jaeger, der Präsident der European Cruiser Association (EUCRAS). Die Autofahrt oder der Flug zum Schiff sei weitaus gefährlicher als die Kreuzfahrt selbst.

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Georg Biron, geboren 1958 in Wien, ist Schriftsteller, Reporter, Regisseur und Schauspieler.

Tatsächlich verzeichnet die EUCRAS nur sehr selten tödliche Unfälle mit Passagieren, gerade einmal drei waren es in den vergangenen zehn Jahren. Im April 2007 fuhr das Kreuzfahrtschiff "Sea Diamond" vor dem Hafen der griechischen Insel Santorin nach einem Navigationsfehler auf Grund und sank. Dabei ertranken zwei Urlauber. Ebenfalls zwei Tote waren im März 2010 zu beklagen, als in einem Sturm vor der spanischen Costa Brava Monsterwellen von bis zu acht Metern Höhe die "Louis Majesty" trafen und mehrere Fenster ins Innere schleuderten. Einen Negativrekord von 32 Todesopfern gab es im Jänner 2012, als die "Costa Concordia" vor der toskanischen Küste nach einem Navigationsfehler einen Felsen rammte.

Venedig wird von Touristenmassen aus Kreuzfahrtschiffen buchstäblich überrannt. Die UNESCO fordert ein Verbot der Riesen.

Venedig wird von Touristenmassen aus Kreuzfahrtschiffen buchstäblich überrannt. Die UNESCO fordert ein Verbot der Riesen.© Reuters Venedig wird von Touristenmassen aus Kreuzfahrtschiffen buchstäblich überrannt. Die UNESCO fordert ein Verbot der Riesen.© Reuters

Grundsätzlich hat die Kreuzfahrtbranche ein hohes Sicherheitsniveau. Die "SOLAS"-Richtlinien (Safety of Life at Sea) schreiben vor, wie viele Rettungsboote und Rettungswesten auf einem Schiff vorhanden sein müssen. Außerdem gibt es ähnlich wie die TÜV-Prüfung für Autos auch bei Schiffen regelmäßig technische Kontrollen. Alle fünf Jahre wird die Sicherheit penibel überprüft. Dabei werden auch Schiffe mit älterem Baujahr vorschriftsmäßig gewartet.

Trend Themenreisen

"In Krisenzeiten steht der Sicherheitsgedanke für viele Urlauber an erster Stelle", sagt Ruefa-Geschäftsführer Walter Krahl, der heuer einen Zuwachs von 17 Prozent bei den Umsatz- und Passagierzahlen erwartet und optimistisch in die Zukunft blickt: "Auch 2018 gehen wir von einem zweistelligen Umsatzplus aus."

Kreuzfahrten haben sich als gute Alternative zu Mittelmeer-Pauschalreisen etabliert. Die Reedereien setzen auf All-Inclusive Angebote für die ganze Familie. Mit Erfolg: 132.100 Menschen haben in Österreich im Vorjahr eine Hochseekreuzfahrt gebucht, 25.000 davon bei Ruefa. Dort machen Seereisen zehn Prozent der Umsätze aus: Mittelmeerkreuzfahrten ab 500 Euro pro Person, Megaliner mit Freizeitparks an Bord und neue Routen im hohen Norden locken ein breites Publikum an. Besonders Themenkreuzfahrten liegen voll im Trend.

"Ob Gourmet-Reise mit Sternenkoch oder Expeditionsrouten nach Grönland oder Spitzbergen, bei Themenreisen sehen wir ein enormes Wachstumspotenzial", erzählt Krahl.

Der Markt deckt viele Interessen ab. Unter Deck gibt es Konzerte von den Philharmonikern ebenso wie Heavy-Metal-Gigs, Comedy-Shows, Karaoke-Abende, "Meet & Greet" mit Stars wie z. B. David Hasselhoff oder Norbert Hofer, literarische Lesungen, Film-Festivals, Yoga-Kurse und Selbsthilfe-Workshops. Deutlich in Mode gekommen sind schwule Kreuzfahrten. Für den heißen Spaß sorgen Party-Veranstalter, die aus jeder deutschen Metropole sowie aus Österreich und der Schweiz kommen. Das inhaltliche Spektrum dieser Themenkreuzfahrten wird durch Vorträge zur Männergesundheit sowie Sport und Ernährung abgerundet. Als Gast steht der aktuelle "Mr. Gay Germany" als Trauzeuge für schwule Hochzeiten zur Verfügung.

"Auch für die Reisebüros sind die Kreuzfahrtkunden ein wichtiges Standbein", sagt Josef Peterleitner, Präsident des Österreichischen Reisebüroverbandes ÖRV. "Es werden rund 80 Prozent der Kreuzfahrten im Reisebüro verkauft."

Nach wie vor liegen die Mittelmeerkreuzfahrten an der Spitze, gleichzeitig wachsen aber auch die Schiffsreisen im Norden Europas, an der Ostsee sowie in ferne Länder und rund um die Welt.

Vielfalt an Routen

Der Personenkreis 45plus ist nach wie vor das größte Kundensegment, doch immer häufiger entscheiden sich in Österreich auch Familien und jüngere Menschen für eine Kreuzfahrt. Vermehrt werden Kabinen mit Balkon gebucht, und auch spezielle Routen wie etwa in die Arktis oder Antarktis gewinnen an Beliebtheit.

"Viele Reedereien erweitern ihre Kreuzfahrtflotte und das Routenangebot, um die Wünsche von Stammkunden oder neuen Gästen erfüllen zu können", erklärt Ulli Soukop, Vorsitzende des ÖRV-Kreuzfahrtenausschusses. "Aufgrund des Preis-Leitungsverhältnisses erhält man bei keiner anderen Urlaubsform für sein Geld eine so große Vielfalt an Routen, Destinationen und Angeboten."

2016 sind weltweit 448 Kreuzfahrtschiffe unterwegs gewesen. Ende 2017 werden 26 weitere Schiffe ihre Jungfernfahrt angetreten haben. Immer mehr Leute wollen auf hoher See Urlaub machen: Im Vorjahr waren es 24,2 Millionen weltweit, heuer werden es 25,3 Millionen sein, teilt der Branchenverband CLIA (Cruise Lines International Association) in seinem neuen Jahresbericht mit.

"Die Kreuzfahrtindustrie reagiert auf die globale Nachfrage, und wir sind zuversichtlich", sagt die CLIA-Präsidentin Cindy D’Aoust. Sie erwartet, dass im Lauf der nächsten zehn Jahre 97 neue Schiffe mit einem Investitionsvolumen von rund 50 Milliarden Euro in Betrieb gehen. "Der größte Kreuzfahrt-Markt sind die USA mit 11,3 Millionen Passagieren, vor Deutschland, Großbritannien und Australien", so D’Aoust.

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Schlagwörter

Touristik, Kreuzfahrt-Boom

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-08-10 18:33:08
Letzte ńnderung am 2017-08-12 12:30:07



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