• vom 27.08.2017, 15:30 Uhr

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Stadtrundgang

Symbolischer Sitz der Präsidenten




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Von Rudolf Stumberger

  • In Washington DC zeigt sich die politische Geschichte der USA in Monumenten, Memorials und Museen. Auch Donald Trump hinterlässt erste Spuren.

In dieser späteren Statue sitzt der Präsident, der historischen Wirklichkeit entsprechend, im Rollstuhl. - © Loop Images/Getty

In dieser späteren Statue sitzt der Präsident, der historischen Wirklichkeit entsprechend, im Rollstuhl. © Loop Images/Getty



Diese Statue zeigt Franklin D. Roosevelt mit Mantel sitzend, ganz, wie er sich selbst gern sah.

Diese Statue zeigt Franklin D. Roosevelt mit Mantel sitzend, ganz, wie er sich selbst gern sah.© Loop Images/ Getty Diese Statue zeigt Franklin D. Roosevelt mit Mantel sitzend, ganz, wie er sich selbst gern sah.© Loop Images/ Getty

Washington DC ist das politische Zentrum der USA, daher verwundert es nicht, dass die Hauptstadt viele Orte aufweist, die mit Symbolen aufgeladen sind. Dazu gehören die Denkmäler ebenso wie die Museen. In ihrer Summe erzählen sie die Geschichte der Vereinigten Staaten und rund um das Gewässer des Tidal Basin finden sich die Statuen und Memorials der Staatsgründer und ersten US-Präsidenten: Abraham Lincoln, Thomas Jefferson, Georg Washington. Aber auch die jüngere Geschichte hat ihre Spuren hinterlassen: etwa jene von John F. Kennedy auf dem Arlington Friedhof oder die von Richard Nixon im "Newseum".

Information

Rudolf Stumberger, geboren 1956, arbeitet als Journalist und freiberuflicher Dozent für Soziologie und Wirtschaft in München.

Momentan ist Präsident Trump dabei, sich in die Stadt einzuschreiben. Wenn die Straßen durch die Polizei gesperrt werden und am Ende des Autokonvois mit der Regierungslimousine ein Krankenwagen mit dabei ist, weiß man, der Präsident ist unterwegs. Vielleicht zum ehemaligen Hauptpostamt an der Pennsylvania Avenue, eines der größten Gebäude der Hauptstadt, das mit seinen diversen Türmchen an ein riesiges Schloss erinnert. Heute ist das Gebäude an Donald Trump vermietet, der es zu einem Nobelhotel (fünf Sterne, Übernachtungen ab 800 Dollar) umgestaltet hat. Da das "Trump International Hotel" nur einen Katzensprung vom Weißen Haus entfernt liegt, kann es schon sein, dass der Chef mal persönlich vorbeischaut.

Vorbeigeschaut hat auch ein Reporter des britischen "Daily Mirror" - und dabei herausgefunden, dass die meisten Dinge in Trumps Washingtoner Luxushotel nicht in den USA gefertigt wurden, sondern in Europa oder
Asien. Für einen Präsidenten, der die USA wieder groß machen will, und das vor allem durch die Stärkung heimischer Produktion, ist das ein bisschen peinlich.

Das Newseum

Es gibt zwei Institutionen der Stadt, in denen Trump noch nicht präsent ist. Da ist zum einen das genannte "Newseum" in einem modernen sechsstöckigen Gebäude, ebenfalls an der Pennsylvania Avenue. Das im Jahr 2008 eröffnete private Museum widmet sich dem Journalismus und der Pressefreiheit. Gezeigt werden unter anderem ein Stück der Berliner Mauer und die Spitze eines der zerstörten World-Trade-Türme von New York, dazu die jeweiligen Titelblätter der Tageszeitungen.

Das ehemalige Hauptpostamt ist an Donald Trump vermietet, der es zu einem Luxushotel umgestalten ließ.

Das ehemalige Hauptpostamt ist an Donald Trump vermietet, der es zu einem Luxushotel umgestalten ließ.© Stumberger Das ehemalige Hauptpostamt ist an Donald Trump vermietet, der es zu einem Luxushotel umgestalten ließ.© Stumberger

Im fünften Stock wird die Geschichte des Journalismus erzählt. Ein Kapitel ist dabei dem Watergate-Skandal gewidmet: Anfang der 1970er Jahre enthüllte die "Washington Post" bekanntlich die Machenschaften des damaligen Präsidenten Richard Nixon rund um den Einbruch in das Büro der Demokratischen Partei. Angesichts der Berichte trat Nixon 1974 von seinem Amt zurück.

Auch heute ist die "Washington Post" fleißig dabei, Präsident Trump auf die Finger zu schauen. Die Zeitung hat zum Beispiel eine Redakteurin nur dazu abgestellt, die Behauptungen und Aussagen des US-Präsidenten auf ihre Richtigkeit hin zu überprüfen. Dass der jetzige Präsident einen Großteil der Presse als Feind betrachtet, gegen den er eifrig antwittert, ist längst kein Geheimnis mehr. Bis ins Newseum aber hat es die Medienfeindschaft von Trump noch nicht geschafft, wenn auch auf der letzten der Geschichtstafeln darauf hingewiesen wird, dass die Presse im 21. Jahrhundert zunehmend in die Kritik gerät . . .

Abwarten, wie die Dinge sich entwickeln, will man wohl auch im Besucherzentrum des Weißen Hauses. Der Wohn- und Regierungssitz des Präsidenten ist für die Öffentlichkeit nicht zugänglich, daher will man diese "Welt" den Besuchern durch das "Visitor Center" zugänglich machen. Zu sehen sind dort allerlei Dinge über das Leben der Präsidenten und ihrer Familien im Weißen Haus. Man erfährt zum Beispiel, dass der frühere US-Präsident Ronald Reagan während seiner Regierungszeit Unmengen an Süßigkeiten in sich hinein futterte, genauer gesagt: drei Tonnen. Auf einer Tafel sind alle Porträts der bisherigen Regierungschefs im Weißen Haus zu sehen, die Serie hört allerdings bei Barack Obama auf. Trumps Konterfei fehlt in der Galerie der Mächtigen noch.

Welche Spuren der jetzige Präsident in der Stadt hinterlassen wird, steht noch in den Sternen. Demgegenüber steht das Urteil der Geschichte über Franklin D. Roosevelt fest, so meinten jedenfalls die Initiatoren seines weitläufigen Denkmals. Franklin D. Roosevelt (1882-1945), 32. Präsident der Vereinigten Staaten (und nicht zu verwechseln mit Theodore D. Roosvelt, dem 26. Präsidenten), steht für ein soziales Amerika und für Reformen zugunsten der Armen, der Arbeiter und Arbeitslosen.

Geschichts-Tableau

Das erst 1997 eingeweihte Denkmal am Ufer des Tidal Basin besteht nicht nur aus einer Statue, sondern zeigt auf einer begehbaren Fläche von 30.000 Quadratmetern die Geschichte der USA in zwölf Jahren seit den 1930er Jahren; wobei Wasserläufe und Wasserfälle die einzelnen Abschnitte symbolisieren. Roosevelt ist mit einem breitem Mantel, der den Stuhl verdeckt, sitzend dargestellt. Der Präsident war Zeit seines Lebens behindert und auf einen Rollstuhl angewiesen, was aber in der Öffentlichkeit kaum bekannt war. So zeigt ihn das Denkmal so, wie er den Menschen in Erinnerung geblieben war. Auf Proteste von Behindertenverbänden hin wurde dem Denkmal mittlerweile aber eine zweite Figur beigefügt, die Roosevelt im Rollstuhl zeigt.


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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-08-24 16:36:12
Letzte nderung am 2017-08-24 16:44:28



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