• vom 25.12.2017, 10:54 Uhr

Vermessungen

Update: 25.12.2017, 12:31 Uhr

Ordensleute

Witze und Streiche in der Klosterzelle




  • Artikel
  • Kommentare (4)
  • Lesenswert (10)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Mathias Ziegler

  • 5183 Ordensleute gibt es in Österreich. Dass sie mit dem Anlegen des Habits nicht ihren Humor ablegen, zeigen Beispiele wie jenes vom fidelen Pater Martin.

Auch Ordensleute haben Facebook: Der Franziskanerpater Martin Bichler beweist auf diesem von ihm geposteten Foto seinen guten Draht beziehungsweise Seil nach oben. - © privat

Auch Ordensleute haben Facebook: Der Franziskanerpater Martin Bichler beweist auf diesem von ihm geposteten Foto seinen guten Draht beziehungsweise Seil nach oben. © privat

"Das ist weder ein Theater noch ein Casino. Sie haben den Chor verdorben und die Kirche entweiht!" Mit diesen harschen Worten wusch 1992 in "Sister Act" die Mutter Oberin Schwester Mary Clarence alias Deloris Van Cartier den Kopf, nachdem das im Zeugenschutzprogramm als Nonne getarnte Showgirl mit dem Klosterchor die Heilige Messe gerockt hatte. Sekunden später kam bekanntlich ein hellauf begeisterter Bischof ins Büro und wendete das Blatt - der Rest ist Filmgeschichte.

Lachen in Klöstern

Information

Literatur:

Florian Kobler: Pater Martin - Der lachende Franziskaner. Freya Verlag, 112 Seiten, 14,90 Euro.

MathiasZiegler ist Stellvertreten- der Chef vom Dienst der "Wiener Zeitung".

Wie viele junge Menschen die Kultkomödie mit Whoopie Goldberg als getarnte Nonne im Zeugenschutzprogramm und Harvey Keitel als Gangster vor 25 Jahren nicht nur ins Kino, sondern später auch ins Kloster gelockt hat, ist nicht bekannt. Fest steht aber, dass sie das Image der katholischen Kirche im Allgemeinen und der Orden im Speziellen ordentlich aufpoliert hat.

Die lebenslustigen Nonnen aus "Sister Act" sind gar nicht so realitätsfern. Denn: "Im Kloster wird viel gelacht, vor allem, wo junge Mitbrüder sind", betont Prälat Martin Felhofer, Abt des Prämons-tratenserstiftes Schlägl im Mühlviertel. Allerdings war das Lachen in den Klöstern bis zum frühen Mittelalter verpönt. So ließ Umberto Eco in seinem berühmten Roman "Der Name der Rose" den Benediktinermönch Jorge von Burgos klarstellen: "Unser Herr Jesus hat weder Komödien noch Fabeln erzählt, ausschließlich klare Gleichnisse, die uns allegorisch lehren, wie wir ins Paradies gelangen, und so soll es bleiben!" Woraufhin der Franziskaner William von Baskerville (in der Verfilmung von Sean Connery dargestellt) konterte: "Ich frage mich, warum Ihr so abweisend gegen den Gedanken seid, dass Jesus gelacht haben könnte. Ich für meinen Teil halte das Lachen durchaus für ein gutes Heilmittel, ähnlich dem Baden, um die schlechten Körpersäfte und andere Leiden des Körpers zu kurieren, insbesondere die Melancholie."

Ein realer Franziskaner, Pater Martin Bichler, erzählt sogar, dass es im Kloster nicht nur "manchmal ganz schön lustig zugehen kann", sondern dass es die Diener Gottes sogar mitunter faustdick hinter den Ohren haben. So berichtet Pater Martin von einem Streich, der das halbe Kloster um den Schlaf gebracht hat: "Ich habe einmal einem Mitbruder die Tür seiner Klosterzelle ausgehängt und versteckt. Er musste die ganze Nacht ohne Tür schlafen, was an sich kein Problem gewesen wäre, wenn es da nicht diese Kuckucksuhr gegeben hätte, die einen bei offener Tür jede volle Stunde aus dem Schlaf riss."




weiterlesen auf Seite 2 von 6




4 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-12-21 17:02:18
Letzte Änderung am 2017-12-25 12:31:07



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Was bleibt?
  2. Der musealisierte Nationalstaat
  3. "Konservieren hat mit Beziehungspflege
    zu tun"
  4. "Eine völlig neue Art des Arbeitens"
  5. "Geld allein ist das absolut Gute"
Meistkommentiert
  1. Was bleibt?
  2. Der musealisierte Nationalstaat
  3. "Geld allein ist das absolut Gute"
  4. "Eine völlig neue Art des Arbeitens"

Werbung




Werbung


Werbung