Im Rahmen einer Untersuchung des Instituts für Geographie und Regionalforschung der Universität Wien im Jahr 2011 wurde folgende Typisierung der Vierkanthöfe ersichtlich: "Verlassene" Vierkanter sind vielfach dem Verfall preisgegeben, die letzten Sanierungsmaßnahmen liegen meist über 50 Jahre zurück. Die Landwirtschaft wurde aufgegeben. Wenn nicht die Entsiedlung droht, dann findet eine Rückentwicklung zur Haufensiedlung statt. Zum Teil wird neben dem noch bestehenden Vierkanter gebaut, alte Stallungen werden als Einstellplätze genutzt.
"Beharrende" Vierkanter sind in der Regel durch eine alternde Gesellschaft gekennzeichnet. Diese ist bäuerlich strukturiert, die Übergabe der Landwirtschaft ist unklar, Flächen sind zumindest teilweise verpachtet. Selbst wenn der Wunsch besteht, dass der Hof im Besitz der Familie bleiben sollte, ist die Zukunft ungewiss.
Die "spezialisierten" Vierkanter sind in der Regel durch eine intensivierte Landwirtschaft gekennzeichnet. Es handelt sich um Großbetriebe mit dazu gepachteten Flächen. Die Spezialisierungen liegen häufig in der Tierhaltung, wobei Gänse, Hühner und Schweine deutlich vor Milchwirtschaftsbetrieben liegen. Die Zukunft liegt weiterhin in der intensiven Landwirtschaft, auch im Biolandbau oder in einer anderen Spezialisierung.
Beim "umgebrochenen" Vierkanter spielt die Landwirtschaft als Nutzungsform keine Rolle mehr. Kennzeichen ist die Revitalisierung der Bausubstanz und die Veränderung der bisher traditionellen Nutzungsform. Touristische Betriebe zählen ebenso dazu wie private Wohnnutzungsformen oder auch Vermietungen von Flächen. Der Hof dient vielfach als Anlageobjekt, als realisierter Traum vom Leben am Land und symbolisiert die Ablöse von einer bäuerlichen Struktur.
Die Bandbreite spannt sich also vom verlassenen Hof - Äußeres (noch) da, Inneres verschwunden - zum umgebrochenen Hof. Das architektonische Landschaftselement Vierkanter wird sowohl vom Äußeren - zum Teil postmoderne Fassadengestaltung - als auch vom Inneren - unkonventionelle Nutzungsformen - in neues Gewand gekleidet.
Das kulturelle Erbe der Vierkanter ist von gravierenden Umbrüchen geprägt. Das Aufgeben von Landwirtschaften und damit von Höfen als bäuerliche Vierkanter, die landwirtschaftliche Intensivierungen und Revitalisierung von Vierkanthöfen, sowie die Neu-Inwertsetzungen und Umgestaltung zu nicht-bäuerlichen Vierkantern sind Kennzeichen dieser Entwicklung.
Insgesamt ergibt sich über die vergangenen Jahrzehnte betrachtet eine immer kleiner werdende Zahl an Höfen, wo Landwirtschaft im Haupterwerb betrieben wird. Es handelt sich dabei zunehmend um Höfe mit einem hohen Spezialisierungsgrad, oft mit einer Nischenproduktion. Vielfach sind dies flächenstarke Betriebe, charakterisiert durch großen Eigenbesitz, Zupacht und Zukauf von Nutzflächen. Die Hofbesitzer sind oft jüngere Menschen mit einer Zukunftsvision.
Daneben existieren noch landwirtschaftliche Betriebe, die traditionell und zum Teil extensiv geführt werden. Bei diesen Höfen ist eine Weiterführung in der nächsten Generation noch offen oder bereits absehbar nicht mehr gegeben. Die Ältesten verharren im Status quo, nach ihnen droht der Verfall.
Neue Strukturen
Vor diesem Hintergrund zeichnet sich ein weiterer Paralleltrend ab. Es entstehen in Architektur und Nutzung zunehmend postmoderne Strukturen. Höfe werden von Außenstehenden übernommen, umgebaut und umfunktioniert. Sei es als Firmensitz oder als Alterssitz, sei es als Spekulationsobjekt oder als langfristige Wertanlage. Noch sind diese Entwicklungen nur vereinzelt festzustellen. Sie könnten jedoch je nach gesamtwirtschaftlicher Entwicklung gemeinsam mit einem partiellen Comeback der Landwirtschaft zu einem dauerhaften Trend werden.
Generell kann festgehalten werden, dass die Vierkanthöfe als Bausubstanz große Aufmerksamkeit genießen, eine landwirtschaftliche Nutzung aber unter den gegenwärtigen sozioökonomischen Rahmenbedingungen nur für eine Minderheit langfristig von Interesse ist. Oder anders ausgedrückt: Es besteht dem Vierkanter gegenüber eine große Wertschätzung in seiner Bedeutung als kulturellem Erbe. Die flächendeckende Erhaltung und Pflege sind jedoch nicht sichergestellt.
Werner Dietl, Martin Heintel Norbert Weixlbaumer sind Mitarbeiter des Instituts für Geographie und Regionalforschung der Universität Wien. Sie haben 2011 ein Buch zum Thema veröffentlicht: Vierkanter Haag. Entwicklungsperspektiven eines regionalen Kulturgutes. Wien. ISBN 978-3-900830-78-6x, 15.- Euro.