• vom 30.12.2010, 16:17 Uhr

Zeitgenossen

Update: 03.01.2011, 14:52 Uhr

"Lachen ist immer gesund"

Ellen Müller




  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Ingeborg Hirsch

  • Die Lachyoga-Trainerin Ellen Müller spricht über die Heil- und Produktivkräfte der Heiterkeit - und darüber, in welchen Situationen Lachen nicht angebracht ist.

"Wiener Zeitung": Frau Müller, lachen die Österreicher zu wenig?

Werbung

Ellen Müller: In einer Studie habe ich einmal gelesen, dass in Deutschland im Schnitt sechs Minuten pro Tag gelacht wird und in Österreich gar nur drei Minuten! Inwiefern dies belegbar ist, ist mir nicht wirklich bekannt. Allerdings denke ich, dass allgemein gar nicht genug gelacht werden kann. Das Lachen ist eine Möglichkeit, das Leben in all seinen Facetten zu bewältigen, Distanz zu Problemen zu gewinnen und Nähe zu Menschen aufzubauen. Lachen - und auch Lachyoga - ist aus meiner Sicht keine Frage von Unterhaltung, sondern eine Frage der Haltung mir selbst und anderen gegenüber.

Wie sind Sie zum Lachyoga gekommen?

Ellen Müller.Foto: Müller

Ellen Müller.Foto: Müller Ellen Müller.Foto: Müller

Ursprünglich war ich aus persönlichen Gründen auf der Suche nach Möglichkeiten, mit chronischen Schmerzen umzugehen, und bin dabei immer wieder auf das Lachen gestoßen. Dabei werden schmerzstillende sowie entzündungshemmende Substanzen angeregt, und die Muskulatur lockert sich. Im Zuge meiner Recherchen bin ich auf den indischen Arzt und Lachforscher Madan Kataria gestoßen. Nachdem ich selbst eine Person bin, die weder besonders gut Witze erzählen, noch sonderlich über die meisten lachen kann, und ich in dieser Lebensphase das Gefühl hatte, keinen Grund zum Lachen zu haben, machte mich Katarias Methode "Lachyoga oder Lachen ohne Grund" sehr neugierig.

Was hat sich für Sie durch Lach-yoga verändert?

Aufgrund meiner intensiven Erfahrungen mit unterschiedlichen Zugängen zum Lachen hat sich meine körperliche und geistige Verfassung eindeutig verbessert. Ich denke, diese Verbesserung ist auch auf die positive mentale Einstellung zurückzuführen, die sich ergibt, wenn man sich mit diesem Thema beschäftigt. Es hat mir dann die Kraft gegeben, vieles in meinem Leben, das mich belastet hat, zu verändern. Heute sind meine chronischen Gelenksschmerzen wie weggeblasen.

Was hat Sie am Lachyoga am meisten überrascht?

Die Tatsache, wie leicht diese Methode anwendbar ist und wie schnell sie Gutes bewirken kann. Es sind simple Bewegungen, Atem-, Dehn-, pantomimische und spielerische Übungen, die zum Lachen anregen. Aus der anfänglichen Starthilfe, nämlich dem Imitieren des Lachens, kommt schließlich das spontane Lachen ganz von selbst.

Wie reagieren Menschen, die zum ersten Mal in einen Lachyoga-Workshop oder in den "Lachclub" kommen?

Die Reaktionen sind durchwegs positiv. Die anfängliche Scheu und Verlegenheit wird schrittweise spielerisch in der Gruppe abgebaut. Es entstehen sehr schnell Nähe und ein Zusammengehörigkeitsgefühl. Ängste, Hemmungen und Anspannungen werden mit Lachen rasch aufgelöst. Zu mir kommen Menschen ja freiwillig und sind bereit zu lachen. Das sind Personen, die etwas verändern oder Stress auf lustvolle Weise abbauen wollen, sowie mehr Heiterkeit und Leichtigkeit in ihr Leben bringen möchten.

Auf YouTube gibt es ein Video, in dem ein Mann in einem vollgestopften U-Bahn-Abteil aus vollem Herzen zu lachen beginnt. Nach anfänglichem Erstaunen lacht schließlich der ganze U-Bahnzug mit. Die Leute zerkugeln sich vor Lachen: Können Sie sich vorstellen, dass so etwas funktioniert?

Ängste und Anspannungen werden mit Lachen rasch aufgelöst.

Ängste und Anspannungen werden mit Lachen rasch aufgelöst. Ängste und Anspannungen werden mit Lachen rasch aufgelöst.

Ja - ich weiß sogar, dass es funktioniert! Um zu beweisen, dass Lachen ansteckend ist, habe ich bereits vor einigen Jahren mit Freunden ein U-Bahn-Gelächter in Wien angezettelt. Ich stieg zur Hauptverkehrszeit in die U-Bahn, setzte mich mit einem Buch hin und fing in der vollen U-Bahn laut zu lachen an. Zu Beginn haben einige Leute einfach peinlich betreten weggesehen. Als ich allerdings weiter vor mich hin lachte, sahen mich immer mehr Menschen an und begannen selbst zu schmunzeln, einige kicherten vor sich hin und andere begannen tatsächlich zu lachen. Das Lachen steigerte sich und schien von einer Person auf die andere über zu springen. Am meisten lachten die Kinder und freuten sich sichtlich über die plötzlich entstandene Heiterkeit in der U-Bahn. Einige fragten, warum ich so lache - und ich erwiderte, dass ich ohne Grund lache. Das erzeugte noch mehr Lachen. Der U-Bahn-Waggon war tatsächlich mit Lachen erfüllt. Es gab nur wenige wirklich "Lach-Resistente", die allerdings die anderen und mich natürlich auch durch ihre finsteren Mienen noch mehr zum Lachen brachten.

Was ist der Unterschied zwischen Clowning und Lachyoga?

Beim Clowning werden die Zuschauer vom Clown zum Lachen gebracht. Die Zuschauer brauchen selbst nicht aktiv zu sein. Beim Lachyoga werden die Teilnehmer eingeladen, unter der Anleitung eines Trainers die Eigeninitiative zu ergreifen und selbst aktiv zu werden, um das Lachen anzuregen. Es sind unterschiedliche Wege mit dem gleichen Ziel. Wie Sie zum Lachen kommen, ist egal, Hauptsache, Sie lachen, mit oder ohne Grund, denn es ist auf alle Fälle gesund!

Gibt es aus Ihrer Sicht Möglichkeiten, mehr Lachen und Humor im medizinischen Bereich zur Anwendung zu bringen?

Das ist sehr wünschenswert und wird bereits mit Clowning praktiziert. Ich denke, es könnte sicherlich anhand weiterer Methoden ausgebaut werden. Derzeit gibt es in einigen Spitälern Pilotprojekte - Stressabbau und Teambuilding anhand von Lachyoga-Workshops, also "Gesundheitsvorsorge und Gesundheitserhaltung mit Spaß" für Mitarbeiter in pflegenden Bereichen.

weiterlesen auf Seite 2 von 2



Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2010-12-30 16:17:00
Letzte Änderung am 2011-01-03 14:52:00



Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. "Ich habe den Solo-Weg intensiv erforscht"
  2. Schlaue Füchse, böse Wölfe
  3. Was sind Werte wert?
  4. Schwimmende Gemeindebauten
  5. Krachende Romantik
Meistkommentiert
  1. "Ich habe den Solo-Weg intensiv erforscht"
  2. Reisen im richtigen Gang
  3. Schwimmende Gemeindebauten


Werbung