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  • Artikel vom 27.01.2012, 14:30 Uhr

Zeitgenossen

Update: 27.01.2012, 18:44 Uhr
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"Das ist nicht mehr mein Theater"

Heinz Marecek


Von Christine Dobretsberger
  • Heinz Marecek erzählt, wie er zum Schauspielerberuf fand, warum er heute Film- und TV-Aufnahmen der Bühnenarbeit vorzieht - und wie er in (fast) allen Lebenslagen Witz und Humor bewahrt.

Heinz Marecek - Robert Wimmer

Heinz Marecek Robert Wimmer

"Wiener Zeitung": Herr Marecek, Ihre kürzlich erschienene Autobiographie trägt den Titel "Ich komme aus dem Lachen nicht heraus" und beginnt bezeichnenderweise mit dem Satz: "Lachen zieht sich durch mein Leben wie ein silberner Faden." Darf man davon ausgehen, dass es bereits in Ihrer Kindheit ziemlich lustig zuging?

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Heinz Marecek: Wir waren eine ausgesprochen lachfreudige Familie! Mein Vater hatte Witz, meine Mutter unglaublichen Humor. Bei den gemeinsamen Mahlzeiten ist sehr viel gelacht worden . . .

. . . nicht zuletzt über die Doppelconférencen von Karl Farkas und Ernst Waldbrunn . . .

. . . ja, die sind mir bis heute in lebhafter Erinnerung. Meine Eltern gingen zwar selten ins Theater, ließen dafür aber kein einziges neues Simpl-Programm aus. Die lustigsten Kabarettszenen wurden dann daheim wochenlang nachgespielt. Schon damals hatte ich eine ziemlich konkrete Vorstellung davon, wie Waldbrunn, Farkas oder Maxi Böhm die Pointen setzen, ohne sie jemals selbst auf der Bühne gesehen zu haben.

"Gemeinsames Lachen ist für mich die wichtigste Voraussetzung für Liebe und Freundschaft": Heinz Marecek im Gespräch mit "Wiener Zeitung"-Mitarbeiterin Christine Dobretsberger.

"Gemeinsames Lachen ist für mich die wichtigste Voraussetzung für Liebe und Freundschaft": Heinz Marecek im Gespräch mit "Wiener Zeitung"-Mitarbeiterin Christine Dobretsberger.Robert Wimmer "Gemeinsames Lachen ist für mich die wichtigste Voraussetzung für Liebe und Freundschaft": Heinz Marecek im Gespräch mit "Wiener Zeitung"-Mitarbeiterin Christine Dobretsberger.Robert Wimmer

Sie schreiben, dass Sie in "Betragen" immer die Note "3" hatten. War daran ebenfalls Ihr Sinn für Humor schuld?

Es gab keinen Streich, den ich ausgelassen hätte. Wenn jemand eine Idee für einen Blödsinn hatte, konnte er fest mit meiner Mitwirkung rechnen. Außerdem konnte ich nicht ruhig sitzen. All das führte haufenweise zu Klassenbucheintragungen. Es gibt kein Zeugnis, in dem nicht ein Dreier in "Betragen" steht.

Was haben Ihre Eltern dazu gesagt?

Heinz Marecek

Heinz MarecekRobert Wimmer Heinz MarecekRobert Wimmer

Recht war es ihnen nicht, aber wichtiger war ihnen, dass die anderen Noten in Ordnung waren.

Wie reagierten Ihre Eltern, als Sie Ihren Berufswunsch äußerten, Schauspieler werden zu wollen? Ebenfalls mit dieser Gelassenheit?

Ja, das war wirklich unfassbar, weil ich mich sehr lange auf dieses Gespräch vorbereitet hatte. Wochenlang überlegte ich mir alle möglichen Argumente und Gegenargumente, stellte mir vor, was meine Eltern sagen würden, wie mein Bruder reagieren würde - und wartete auf einen günstigen Zeitpunkt.

Wann kam der?

Dieser Zeitpunkt kam in Form von zwei Schularbeiten. Sowohl mein Bruder als auch ich brachten am selben Tag einen Schularbeitseinser nach Hause. Wir legten die Hefte gut sichtbar in die Küche, wo meine Mutter gerade Marillenknödel machte. Als mein Vater nach Hause kam, warf er einen kurzen Blick auf diese beiden Hefte und sagte im Vorbeigehen: "Naja, das Hirn haben die Buben von mir." Und meine Mutter konterte: "Ganz sicher sogar, weil meines habe ich ja noch." Damit war wieder Lachen angesagt und ich nutzte die gute Stimmung und sagte: "Ich möchte Schauspieler werden". Die Reaktion meines Vaters war der lapidare Satz: "Dann wird es am besten sein, wenn du ans Reinhardt Seminar gehst".

Es gab vonseiten Ihrer Eltern also keinerlei Einwände?

Nein. Aber das war für mich paradoxerweise ein Schock, weil ich auf Konfrontation eingestellt war. Plötzlich hatte ich alle Einwände, die ich eigentlich meinen Eltern zugedacht hatte, in dialektischer Weise mit mir selbst auszutragen.

In Ihrem Buch bezeichnen Sie das Theater als Flucht aus einer Realität, in der Sie sich nicht richtig einordnen konnten. Wie ist das zu verstehen?

Manche Menschen wissen schon als Kind, welchen Beruf sie einmal ergreifen möchten und sehen sich beispielsweise als Arzt oder Ingenieur. Derlei konkrete Vorstellung hatte ich nicht. Mein Schlüsselerlebnis war wohl eine Schulaufführung, im Rahmen derer ich den Ansager spielte. Damals war ich sechs Jahre alt. Das war eine sehr prägende Geschichte. Ab diesem Zeitpunkt ging ich sehr oft ins Theater und der Wunsch, Schauspieler zu werden, kristallisierte sich mehr und mehr heraus.

Nach der Schule klappte dann auch alles wie am Schnürchen.

Ja, erstaunlicherweise. Zwei Wochen nach der Matura machte ich die Reinhardt-Seminar-Prüfung, und nach Ende der Ausbildung ergab sich das Arbeiten im Beruf völlig organisch. Zuerst spielte ich am Theater der Jugend, dann an der Volksoper in der "West Side Story", danach war ich ein Jahr in Graz. 1971 ging es dann an den Kammerspielen und im Theater in der Josefstadt los.

Die Kammerspiele nennen Sie Ihr "Kinderfreibad".

Ja, rückblickend betrachtet waren es meine lustigsten Theaterjahre. Egal, mit wem man dort gearbeitet hat, ob mit Maxi Böhm, Ernst Waldbrunn, Elfriede Ott, Otto Schenk, es war immer eine Riesenhetz. Gleichzeitig waren es aber auch sehr lehrreiche Jahre. An den Kammerspielen habe ich den Beruf wirklich erlernt. Wir hatten neun Vorstellungen pro Woche und kannten die Rollen in- und auswendig. Dies gab einem die Sicherheit, auch offen für Variationen zu sein.

Heißt das, dass auf der Bühne Spielraum für spontane Einfälle war?

Für spontane Ideen nicht, aber für zuvor angekündigte sehr wohl. Dies ist in erster Linie Ernst Waldbrunn zu verdanken. Mit ihm konnte man wunderbar über Szenendetails reden. Damals lernte ich diesen Zusammenhang von Pause und Pointe, also wie perfektes Timing funktioniert. Waldbrunn war zudem ein Mensch, der absolut nicht neidig auf den Erfolg eines Kollegen war. Er konnte sich von Herzen mit anderen mitfreuen.




Schlagwörter

Theater, Interview, Extra, Marecek

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2012
Dokument erstellt am 2012-01-27 12:29:14
Letzte Änderung am 2012-01-27 18:44:19


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