• vom 20.04.2012, 14:00 Uhr

Zeitgenossen

Update: 20.04.2012, 14:17 Uhr
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"Unsere Aufgabe ist es, Hoffnung zu geben"

Nana Mouskouri


Von Marie von Baumbach

  • Die Sängerin Nana Mouskouri spricht über die politischen Verhältnisse in Griechenland, erzählt von ihrer langen Bühnenkarriere, von der Zusammenarbeit mit ihrer Tochter Lenou - und von ihren Begegnungen mit Maria Callas.

"Ich habe keine Hobbies. Ich kann nur singen. Die Bühne ist meine Welt." - Nana Mouskouri während eines Konzerts in Stuttgart, 2009. - Foto: epa/ Marijan Murat

"Ich habe keine Hobbies. Ich kann nur singen. Die Bühne ist meine Welt." - Nana Mouskouri während eines Konzerts in Stuttgart, 2009. Foto: epa/ Marijan Murat

"Wiener Zeitung": Frau Mouskouri, in den letzten Monaten sind Amy Winehouse und Whitney Houston verstorben. Sie stehen seit fünfzig Jahren auf der Bühne, keine Skandale, keine Drogen, keine Affären. Haben Sie mehr Disziplin als die anderen?

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Ja, ich habe Disziplin. Jeder Sänger braucht Disziplin, um erfolgreich zu sein. Von meinen Eltern habe ich gelernt, keinen Versuchungen nachzugeben, sondern immer gerade meinen Weg zu gehen. Zum Glück habe ich früh begonnen. Die Welt war in den 60er Jahren ganz anders. Man brauchte die Medien damals auch, aber erst mit Madonna hat sich wirklich etwas verändert. Der Druck ist heute größer. Alles ist viel visueller und schneller geworden. Skandale in der Musik gab es natürlich immer schon, Maria Callas ist ein frühes Beispiel für eine große Künstlerin, die auch zu jung gestorben ist.

Information

Zur Person

Nana Mouskouri ist nach den Statistiken der "International Federation of the Phonographic Industry" (IFPI) mit über 250 Millionen verkauften Tonträgern - gleich hinter Madonna - die zweiterfolgreichste Sängerin der Welt. Mehr als 300 Gold-, Platin, ja sogar Diamant-Schallplatten hat sie als Auszeichnung bekommen. Sie hat mehr als 1500 Titel eingesungen, in griechischer Sprache, wie auch in Französisch, Englisch und Deutsch, aber auch in Wallonisch, Japanisch, Russisch und Hebräisch. Seit 2004 gibt es eine umfangreiche Mouskouri-Kollektion auf 34 CDs, begleitet von einer Nana Mouskouri-Biografie.
Als Johanna Mouskouri wurde die griechische Sängerin am 13.Oktober 1934 in Chania auf Kreta geboren. Bereits mit 15 Jahren begann sie ihre musikalische Ausbildung am Conservatorium Héllenique in Athen, sie studierte dort Klavier, Gesang und Harmonielehre. Ihre erste Platte ging 1959 über den Tresen, und im selben Jahr gewann sie beim "Festival de la Chanson Héllenique" den ersten Preis. Berühmt wurde Nana Mouskouri, als sie mit Mikis Theodorakis Gedichte von Yiannis Ritsos aufnahm. Ihre Weltkarriere startete sie 1961 mit dem zunächst nur auf deutsch aufgenommenen Schlager "Weiße Rosen aus Athen", später tourte sie mit Harry Belafonte um die Welt.
Nana Mouskouri engagierte sich schon früh politisch - auch gegen die Militärjunta in Griechenland, für die Wiedereinführung der Demokratie in ihrer Heimat. Seit 1993 ist sie UNICEF-Sonderbeauftragte, zwischen 1994 und 1999 war sie als Abgeordnete der christdemokratischen Partei Griechenlands im Europaparlament. Ihr Markenzeichen sind die langen, streng gescheitelten schwarzen Haare und die rechteckige, schwarz gerahmte Brille - obwohl sie angeblich Hunderte unterschiedliche besitzt.

Veranstaltungshinweis:

Anlässlich des 50jährigen Jubiläums ihres großen Hits "Weiße Rosen" kehrt Nana Mouskouri, die sich 2008 von ihren Fans verabschiedete, zurück auf die Bühne. Ihre Tournee führt sie auch nach Wien. Am 27. April um 20.00 Uhrwird sie in der Stadthalle, Halle F, auftreten.

Kannten Sie Maria Callas persönlich?

Ich habe Ende der 50er Jahre in Clubs für sie und Aristoteles Onassis gesungen. Sie wollte immer traditionelle, griechische Lieder hören, die ich von meiner Mutter kannte. Ich war am Anfang meiner Karriere auch sehr scheu und dick wie sie und habe dann abgenommen. Außerdem wollte ich verschiedene Musikstile singen, so wie sie unterschiedliche Opern gesungen hat. Die Callas war ein Vorbild für mich.

Haben Sie je darüber nachgedacht, Opernsängerin zu werden?

Mir hat die Vorstellung, Teil einer Opernaufführung zu sein, nie gefallen. Ich mochte die Arien, aber nicht die Rezitative, ich wollte Solostücke singen. Als ich Maria Callas erzählt habe, dass sie mich vom Konservatorium entfernt haben, weil ich nicht nur klassische Musik singen wollte, hat sie mir gesagt: "Sei lieber eine sehr gute populäre Sängerin als eine mittelmäßige Opernsängerin".

Viele Künstlerinnen sind an ihren Beziehungen zu den falschen Männern zugrunde gegangen. Hatten Sie jemals das Gefühl, dass ein Mann Ihre Kariere zerstören wollte?

Als Griechin war mein Traum immer, zu heiraten und Kinder zu bekommen. Also heiratete ich einen Musiker und bekam zwei Kinder. Ich arbeitete viel und war erfolgreich. Ich wollte Karriere machen, er wollte zurück nach Griechenland. Das war der Grund für unsere Scheidung. Danach hatte ich natürlich Angst. Aber ich wollte nicht, dass sich mein Privatleben auf die Stimme auswirkt, deswegen habe ich mich immer geschützt. Ich habe gesehen, wie Maria Callas unter Onassis gelitten hat und kaum noch singen konnte. Hätte ich meine Stimme verloren, hätte ich nicht mehr existiert.

Sie waren seit Ihrer Abschiedsvorstellung 2008 zu Hause und sind nicht mehr aufgetreten. Waren Sie einsam?

Auf der Bühne ist man auch einsam. Aber zu Hause zu sein, ist eine ganz andere Form von Einsamkeit. Ich habe keine Hobbies. Ich kann nur singen. Die Bühne ist meine Welt. Aber ich dachte, diese Welt gehört nun den Jüngeren. Ich habe mein früheres Leben vermisst. Meine Kinder gehen ihren eigenen Weg. Mein Sohn lebt in Kanada und meine Tochter Lenou ist Sängerin. Jetzt geht sie mit mir auf Tournee. Wir haben auch schon Lieder zusammen eingespielt, was mich sehr glücklich macht.

Haben Sie nie darüber nachgedacht, zu unterrichten?

Nana Mouskouris Tochter Lenou.

Nana Mouskouris Tochter Lenou.Foto: Yvan Bousseau, Koch Universal Music Nana Mouskouris Tochter Lenou.Foto: Yvan Bousseau, Koch Universal Music

Ich wollte einmal unterrichten und eine Gesangsschule in Stuttgart gründen. Oder Meisterklassen in Griechenland, Frankreich und England geben. Leider hat es nicht geklappt. Die Welt hat sich verändert. Ich bin mir nicht sicher, ob die Gründe zu singen, noch die gleichen sind wie früher. Wir haben gesungen, weil es uns Freude machte, und weil wir nicht anders konnten. Heute will man unbedingt ein Star sein. Heute machen die Leute alles wegen des Geldes.

Wie wichtig war Ihnen das Geld?

Als ich angefangen habe, war "Sänger" kein richtiger Beruf. Meine Mutter sagte, du musst arbeiten, du musst deiner Familie helfen. Das erste Geld, das ich verdient habe, habe ich meiner Familie gegeben. Geld war nie das Entscheidende für mich, und ich hatte immer das Glück, von Menschen umgeben zu sein, die mich persönlich schätzen und nicht von den sogenannten großen Managern.

Sie haben mit Bob Dylan und Joan Baez gearbeitet. Gibt es heute noch politische Stimmen in der Musik?

Ich glaube nicht. Ich habe viele von Bob Dylans Liedern gesungen, "Farewell Angelina" oder "Blowin’ in the wind". Ich glaubte an das, was er sang und mochte seinen Stil. Bob Dylan zeigte die Probleme auf, aber er attackierte nicht. In den 80er Jahren habe ich ein paar kritische, politische Lieder gemacht, darunter "The Eleventh Commandment". Griechische Lieder drehen sich normalerweise immer um Liebe und Hoffnung. Unsere Aufgabe als Sänger ist es, Hoffnung zu geben.

Wenn Sie heute 18 Jahre alt wären, würden Sie in Griechenland auf die Straße gehen?

Ich bin froh, dass ich heute nicht mehr jung bin. Ich verstehe die Unsicherheit der jungen Menschen, aber ich würde nicht selbst demonstrieren, weil ich Angst vor Massen habe. Eine Demonstration beginnt meistens sehr friedlich, aber es reicht ein Moment, und das Ganze kippt. So viele Menschen kann man nicht kontrollieren.

"Eine Demonstration beginnt meistens sehr friedlich, aber es reicht ein Moment, und das Ganze kippt. So viele Menschen kann man nicht kontrollieren", sagt Nana Mouskouri über die derzeitigen Unruhen in Griechenland.

"Eine Demonstration beginnt meistens sehr friedlich, aber es reicht ein Moment, und das Ganze kippt. So viele Menschen kann man nicht kontrollieren", sagt Nana Mouskouri über die derzeitigen Unruhen in Griechenland.Foto: epa/ Orestis Panagiotou "Eine Demonstration beginnt meistens sehr friedlich, aber es reicht ein Moment, und das Ganze kippt. So viele Menschen kann man nicht kontrollieren", sagt Nana Mouskouri über die derzeitigen Unruhen in Griechenland.Foto: epa/ Orestis Panagiotou

Maria Callas war ein Vorbild für Nana Mouskouri.

Maria Callas war ein Vorbild für Nana Mouskouri.Foto: dpa/Ipol Maria Callas war ein Vorbild für Nana Mouskouri.Foto: dpa/Ipol




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-04-19 18:51:14
Letzte Änderung am 2012-04-20 14:17:54


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