• vom 22.09.2012, 14:00 Uhr

Zeitgenossen

Update: 24.09.2012, 12:45 Uhr
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"Ich mag gern Welt-Mann sein"

Andreas Altmann


Von Irene Prugger

  • Andreas Altmann über sein neues Buch, "Gebrauchsanweisung für die Welt", seine Kritik am Pauschaltourismus, seinen Ekel vor "Exotik" - und was ihm Freude und Fassungslosigkeit beschert.

"Ich will so weltwach und neugierig sein wie möglich . . .": Andreas Altmann in Vietnam. - privat

"Ich will so weltwach und neugierig sein wie möglich . . .": Andreas Altmann in Vietnam. privat

"Wiener Zeitung": Herr Altmann, "Gebrauchsanweisung für die Welt" - das ist hoch angesetzt. Fühlen Sie sich überall auf der Welt zu Hause?

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Andreas Altmann: Auf irgendeinem Flughafen las ich einmal den Spot: "Be local worldwide", frei übersetzt: Sei überall daheim! Ich mochte den Werbespruch. Ich mag gern Welt-Mann sein und ich mag es nicht, in der Fremde als verdruckstes Männchen aufzutreten. Da ich nur einmal auf Erden bin, will ich das bisschen Zeit nutzen und so weltwach und neugierig und (an)teilnehmend wie möglich "da" sein. Ob ich mich gleich überall "zu Hause" fühle, ich zweifle. Vieles bleibt auch fremd, verschlossen, befremdlich. Wer braucht eine Gebrauchsanweisung für die Welt? Viel-Reisende? Wenig Reisende? Unbeholfene? Naivlinge? Neugierige?

Sie sagen es selbst: Neugierige. Denn sie plagt die einzige Gier, die sich gut anhört, die einzige, die glitzert, die stachelt, die wie die Haut einer/eines Geliebten die Lebensgeister in Aufregung versetzt.

Passt das Buch im Regal zur Sparte Ratgeberliteratur?

Ah, ich höre die Ironie in der Frage. Auf die ich eiskalt antworte: "Ja!", genauer: "Ja, auch!" Denn mir als Leser (der ich ebenfalls bin) soll ja alles Gelesene auch "Rat geben", mir beim Leben helfen, mit all seinen Anwürfen und Zumutungen.

Gebrauchsanweisung für die Welt" klingt souverän, aber auch konsumorientiert. Setzen Sie inhaltlich mit Ihrem Buch dem Geschäft mit oberflächlichem Tourismus eine Alternative entgegen?

Ich setze nichts dagegen, ich bin viel giftiger: Ich gieße Hohnkübel auf jene, die sich - sagen wir, über der Costa Brava - in Heeresstärke über einem Sandstrand abwerfen lassen. Und anschließend vier Wochen lang ihre in den Himmel ragenden Plauzen rösten. Dazwischen dreimal pro Tag in ihr Hotel, die einschlägigen Betonwarzen, tippeln und sich mästen. Bis sie eines Nachmittags als Trockenfleisch im Liegestuhl hängen und ein heißer Geysir aus ihrer Wampe zischt. Das waren dann die "schönsten Wochen" des Jahres.

Ist Ihre Weltsicht trotzdem auch für Pauschalreisende gültig? Sie sind ja der radikal subjektiven Reiseberichterstattung treu geblieben. Ihre Erfahrungsberichte sind die eines routinierten, unabhängigen Globetrotters mit viel Zeit zum Reisen.




Schlagwörter

Altmann, Extra, Reisen

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-09-21 11:33:25
Letzte Änderung am 2012-09-24 12:45:11


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