• vom 09.05.2014, 12:30 Uhr

Zeitgenossen


Marianne Mendt

Swing, Charme und Herz




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Von Ingeborg Waldinger

  • Marianne Mendt blickt als Sängerin und Schauspielerin heuer auf fünfzig Jahre Bühnenkarriere zurück - und auf eine höchst erfolgreiche Tätigkeit als Jazz-Nachwuchsförderin.

"Die Mendt" bei einem Auftritt in der Wiener Stadthalle 2013.

"Die Mendt" bei einem Auftritt in der Wiener Stadthalle 2013.© Foto: Manfred Schmid/Redferns/Getty Images "Die Mendt" bei einem Auftritt in der Wiener Stadthalle 2013.© Foto: Manfred Schmid/Redferns/Getty Images

Bürgerlich - das ist nicht die erste Assoziation, die der Name Marianne Mendt beim Publikum weckt. Und mag die populäre Sängerin, Schauspielerin und Jazz-Nachwuchsförderin ihre MM Musikwerkstatt auch in der Wiener Laudongasse - gleichsam mitten im bourgeoisen Achten - implantiert haben, so ist auch das nicht mehr als ein topographisches Faktum.

In ein Kasterl pressen, das lässt sich die nunmehr 68-Jährige generell nicht. Das war schon immer so. Wenn sich "die Mendt" engagiert, ob politisch oder sozial, dann tut sie das dogmenfrei. So warb die Musikerin dereinst für Franz Jonas und Bruno Kreisky oder übernahm für ein Jahr den Vorsitz der Menschenrechtsorganisation SOS Mitmensch. In jüngerer Zeit unterstützte sie Erwin Pröll.

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Marianne Mendt geht auch weiter ihren eigenen Weg. Der hat sie bisher durch viele Länder, über viele Bühnen und Filmsets geführt - und wurde u.a. mit dem Nestroy-Ring (1995) oder der Romy (Kategorie "beliebteste Schauspielerin", 1994) gewürdigt. Heuer feiert Marianne Mendt ihr fünfzigjähriges Bühnenjubiläum - mit einem großen Konzert in der Wiener Stadthalle -, wie auch das zehnjährige Bestehen ihres Jazzfestivals mit einer Gala im St. Pöltner Festspielhaus (siehe Informationen).

Beginn mit Klassik

Information

"That’s EntertainMENDT": Das Konzert zum 50-jährigen Bühnenjubiläum von Marianne Mendt. Samstag, 17. Mai 2014, Wien, Stadthalle F, 19.30 Uhr.
10. MM Jazzfestival: September 2014, Festspielhaus St. Pölten. Genaues Datum und Details folgen in Kürze: Website von Marianne Mendt

Als wir sie in ihrer Musikwerkstatt besuchen, ist sogleich auch ihr kleiner Hund zur Stelle. Er kam über den Verein Animalhope ins Haus und trägt den Namen Jazzy. Was sonst. Begonnen hat Marianne Mendt aber im klassischen Fach, Klavier und Gesang. Genüsslich zündet sie sich eine Zigarette an und erzählt: "Ich habe eine Ausbildung am Wiener Konservatorium gemacht und auch Privatunterricht gehabt. Alles nur Klassik. Eigene Abteilungen für Jazz oder Musical hat es damals ja nicht gegeben. Abgeschlossen habe ich dann als gewerkschaftlich geprüfte Vortragskünstlerin. Das ist meine Berufsbezeichnung."

In der Prüfungskommission saßen der Präsident der Gewerkschaft für Kunst und freie Berufe und ein paar Theaterdirektoren. Jener des Stadttheaters Baden wollte sie gleich engagieren, als zweite Soubrette. Ihre Mi aus dem "Land des Lächelns" hatte ihn überzeugt. Doch die Absolventin lehnte dankend ab. "Beethoven hab ich auch gesungen. Pflicht und Kür. Lustig", erinnert sie sich schmunzelnd. Zwar hätten sowohl die Klavier- als auch die Gesangslehrerin versucht, die Nachwuchskünstlerin im klassischen Fach zu halten, doch stand für diese längst fest, dass es in Richtung Jazz gehen sollte. Denn ihre Begeisterung dafür hatte schon der Vater angefacht, als er ihr eine Platte von Ella Fitzgerald schenkte.

Ans Klavier setzt sich Marianne Mendt auch heute gern. Auf der Bühne allerdings selten: "Vielleicht ein Liedlein, als Gag, oder um mich selbst zu begleiten. Aber ich habe Pianisten, die viel besser spielen als ich. Zwar könnte ich schon einen ganzen Abend bestreiten, wenn ich das üben würde, aber wozu!?" - Und wenn doch? Was wäre ihr Wunschklavier? Ein Bösendorfer? Ein Steinway? "Ein Fazioli! (lacht). Nein, es ist mir egal. Gut gestimmt muss es sein. Aber ob Fazioli, Steinway oder Bösendorfer: Das sind alles so teure, fantastische Flügel - aber du hörst es ja auch nur dann, wenn einer wunderbar Klavierspielen kann, sonst ist das völlig wurscht."

Da ist es wieder, dieses "G’standene" und kumpelhaft-Herzliche, das Marianne Mendt als Menschen auszeichnet - und dem sie auch künstlerischen Ausdruck verlieh: in Rollen des klassischen Wiener Volkstheaters oder in TV-Serien, vor allem dem "Kaisermühlen-Blues", wo sie als Trafikantin Gitti Schimek das Publikum eroberte. Den Titel gebenden Blues hat sie selbst in eine musikalische Form gebracht. Auch habe sie "dem Ernst Hinterberger (Autor der Serie, Anm.) den einen oder anderen Tipp für den Text gegeben, Wörter oder Endungen, damit es sich musikalisch ausgeht".

Den Dialekt musikalisch salonfähig gemacht hatte Marianne Mendt aber lange zuvor, mit dem Lied "Wie a Glockn". Das war 1970. Die Jahre bis dahin war sie als Sängerin und Bassistin durch Europa getingelt. "Im Mai 1964 bin ich zu meiner Mutter gegangen und habe gefragt: Darf ich jetzt endlich auf Achse gehen - weil ich schon engagiert wurde, von Bill Grah. Ein ganz großer Musiker, der hat eine Bandsängerin gesucht. Wir sind dann gleich nach Stockholm". Es folgten viele Tourneen mit der eigenen Band, den Internationals.

Mutter des Austropop
Wieder in Wien, war Marianne Mendt bei Gerhard Bronner vorstellig - und sofort engagiert worden, als Sängerin in der "Fledermaus"-Bar. Bronner war es auch gewesen, der ihr die "Glockn" auf den Leib geschrieben hatte. Der jazzige Song im Wiener Dialekt hat ihr das Prädikat "Mutter des Austropop" eingebracht - und im gesamten deutschsprachigen Raum Furore gemacht. "Die Hamburger haben gesagt, wir verstehen kein Wort, aber wir finden es ganz toll, musikalisch natürlich. Der Dialekt ist sehr melodiös, im Unterschied zum harten Hochdeutsch. Wir waren die sogenannten Pioniere." Auch manch englischer Hit bekam ein Wienerisches Pendant: "Let the sunshine in" wurde zu "Mocht’s die Fensta auf", und "Aquarius" zum "Wossakopf".

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Dokument erstellt am 2014-05-08 16:47:06
Letzte ńnderung am 2014-05-09 12:23:40



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