• vom 27.08.2016, 13:00 Uhr

Zeitgenossen


Interview

"Wo bleibt der Aufschrei der Informatiker?"




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Was kann die Informatik leisten?

Sie muss unbedingt ihre Kompetenz und ihr Knowhow in die Diskussion einbringen. Lösen kann sie das Problem nicht, und für ethische Fragen gibt es die Moralphilosophie. Aber miteinander in ein interdisziplinäres Gespräch zu kommen, das ist unsere dringende Aufgabe.

Welche Lösungsansätze gibt es?

Das ist nicht einfach, und es gibt leider auch nur wenige Kollegen, die sich damit kritisch auseinandersetzen. Das verstehe ich teilweise auch. Informatikprofessoren müssen Vorlesungen halten, Studierende betreuen, auf Konferenzen fahren und möglichst schlaue Beiträge in Fachzeitschriften schreiben. Wo bleibt da Zeit für diese schwierigen Themen? Die Berufsaussichten für Informatiker sind ohnehin so fantastisch, dass kaum einer an der Uni bleibt.

Ein bisschen was tut sich aber schon. In Cambridge gibt es das Center for the Study of Existential Risk, in Wien den Club of Vienna, der sich mit den Ursachen des Wachstums auseinandersetzt, ähnlich dem Club of Rome, der sich mit den Grenzen des Wachstums befasst. Das macht ein bisschen Hoffnung. Und Universitäten sind in der Tat ein Luxus, den sich die Gesellschaft leistet, um genau diese drängenden Fragen der Zeit zu beantworten. Wir werden schon eine interdisziplinäre Debatte zustande bringen. Wenn die Informatiker ein bisschen bessere Ethiker werden, und die Philosophen ein bisschen bessere Informatiker, dann wäre schon sehr viel gewonnen.

Ihre zweite Leidenschaft ist die Musik, Sie hatten zwischenzeitlich sogar eine Karriere als Tenor erwogen. . .

Die Musik ist eine Sprache, gewisse Sachen auszudrücken, die man anders nicht sagen kann. Das hat sie mit der Mathematik gemein. Ich war tatsächlich einmal in der Versuchung, Sänger zu werden, hatte sogar einen Vertrag in Meran als Tenor und sollte den Grafen Almaviva im "Barbier von Sevilla" singen. Dann gab es einen Brand im Kostümlager, die Produktion wurde abgesagt. Das war das Ende meiner Gesangskarriere, denn ich interpretierte das als einen "Wink des Himmels", doch bei der Wissenschaft zu bleiben.

Aber Scherz beiseite. Diese Kar-riere-Entscheidung hatte banalere Gründe: Ich habe in dieser Zeit meine Frau kennengelernt, eine Koloratursopranistin, die unendlich viel begabter ist als ich. Und mir bleibt ja noch mein Klavier.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2016-08-25 18:11:19
Letzte Änderung am 2016-08-25 18:26:01



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