Kryptographie, also die Kunst, Geschriebenes zu verschlüsseln, ist wahrscheinlich so alt wie die Schrift selbst. So soll bereits vor 4000 Jahren ein Schreiber des Pharao Khnumhotep II. Wortblöcke in einem Text gezielt vertauscht haben. Der römische Historiker Sueton berichtete im Jahr 120 n. Chr. in seinen Kaiserbiographien, dass vor rund 2000 Jahren Julius Caesar fallweise einen geheimen Code für wichtige Mitteilungen an seine Militärs benützt habe, der auf dem Verschieben von Buchstaben im Alphabet beruht haben soll.
Mit modernen Methoden der Kryptographie haben solche Verfahren allerdings sehr wenig gemeinsam. Seit den Tagen der ersten Großrechenanlagen stützt man sich auf die bis dahin unvorstellbaren Fähigkeiten von Computern beim Abarbeiten von komplexen mathematischen Funktionen. Damit wird ein Niveau der Chiffrierung erreicht, gegen das sich geheime Codes, wie sie im Zweiten Weltkrieg verwendet wurden, beinahe kindlich ausnehmen.
Im Jahr 1970 entstand eines der ersten modernen Verschlüsselungsverfahren, das sich nach dem Standard DES (Data Encryption Standard) richtete, den die Nationale Sicherheitsbehörde (NSA) der USA vorgab. Das erste Programm nach diesem Standard entwickelte IBM unter der Aufsicht der Geheimdienste. Es hieß Lucifer und war, wie viele Kritiker meinten, nicht optimal, da zur Verschlüsselung nur 56 Bits statt den optimalen 112 verwendet werden durften.
Die Debatte um Lucifer zeigt vor allem, wie ernst Militärs und Geheimdienste die neuen kryptographischen Möglichkeiten nahmen, die elektronischen Rechnern zugänglich waren. Dass im DES-Standrad nur Schlüssel mit einer maximalen Länge von 56 Bits zum Einsatz kommen durften, hat damit zu tun, dass man hocheffiziente moderne Verschlüsselungsverfahren nicht in den Händen von Privaten sehen wollte. So hatte DES zwei Seiten: Einerseits war der danach entwickelte Programmcode öffentlich und damit vielen Programmieren zugänglich, die ihn weiterentwickelten, auf der anderen Seite blieb die damit programmierte Software weit hinter den Möglichkeiten zurück. Der moderne Standard AES, der im Jahr 1997 festgelegt wurde, arbeitet mit Schlüsseln von mindestens 128 Bit. Auf ihm beruhen seither alle Verschlüsselungen von Funknetzwerken, Internet-Telefonie oder Festplatten.
Wesentlich an der modernen Kryptographie ist vor allem, dass die alten symmetrischen Kodierungsverfahren, wie sie bereits in den Tagen des Julius Cäsar in Gebrauch waren, durch sogenannte asymmetrische Verfahren abgelöst wurden. Bei der Übermittlung einer geheimen Nachricht mussten in Cäsars Tagen ebenso wie im Zweiten Weltkrieg beide Seiten, Sender und Empfänger, den Schlüssel, nach dem codiert wurde, kennen. Die Pointe bei modernen, asymmetrischen Verschlüsselungsverfahren, wie sie heute zum Schutz von E-Mails eingesetzt werden können, besteht darin, dass dieser symmetrische Austausch eines einzigen Schlüssels nicht mehr nötig ist. Diese Verfahren gehen auf die Abschlussarbeit des Studenten Ralph Merkle, Sohn von Schweizer Einwanderern, im Fach Computer Science an der University of California im Jahr 1974 zurück. Bei ihnen gibt es nicht mehr einen einzigen Schlüssel, sondern zwei, einen öffentlichen und einen privaten. Zwischen den beiden besteht eine komplexe mathematische Beziehung, wie sie nur mit einem Computer herzustellen ist. Der Sender verschlüsselt seine Nachricht mit dem öffentlichen, allgemein zugänglichen Schlüssel, der Empfänger kann sie mit seinem privaten Schlüssel dechiffrieren.